Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 49 (4.12.1872)
- Date
- 1872-12-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1011 noch thunc! Diese werden gar nicht mehr erfahren, daß ein Kaddisch für Leidtragende existirt. und diese so überaus schöne, pietätsvolle Sitte ist tatsächlich in München aufgehoben. Was die vergangenen Jahrhunderte aufgebaut und gestaltet haben, — der rohe Vandalismus seichter, unwissender Reformer zerstört es, und die urtheilslose Menge klatscht Beifall. Die andern zahlreichen sogenannten Reformen bestehen im Durchstrcichen und Wegschileiden. Ein deutsches Lied — und dann gleich Boruch Scheonwr! Die Birchoth-Haschachar, Elohai Neschomoh und die andern so überaus herrlichen Stücke des Morgengebets — fort mit ihnen; voll den Mismaurim, den sogenannten men bleiben nur fünf; in pon und D’nm^ — fort mit Schaden! Schir Haschirim. Ruth und Koheleth — in die Rumpelkammer mit ihnen? Die lange Reschimah all der für Neujahr und Versöhnungstag beseitigten Gebetstücke hierherzustellen, möge man uns erlassen. Fassen wir nun zusammen, was die Herren in München Großes vollbracht haben, so ergibt sich: 1) Eine große Virtuosität im Streichen, Verbannen und Beiseiteschieben ebenso wichtiger wie erhabener Gebete und anderer liturgischer Stücke. 2) Das Einführen ebenso fehlerhafter, wie geschmackloser , trivialer und verwerflicher deutscher Gebete und Lieder. Ein Beispiel aus den Liedern; in Nr. 16 heißt es: „Die Laster, welche düstre Nacht versteckte, „Verbrechen, die kein sterblich Äuge sah, „Die Sünden, die die Königskrone drückte, „Sie steh'n entblößt vor Deinen Blicken da/' Welch eitl Unsinn: die Sünden, die die Königskrone „drückte", — und es reimt sich nicht einmal! 3) Juc Einführen eines unsinnigen, von Hannover importirten hebräischen Gebetstückes. 4) In der Einführung der durch das jüdische Religionsgesetz streng verpönten Orgel. 5) In der Beseitigung und Verhinderung der Ausübung göttlicher Gebote. 6) In der Verstümmelung und Verkehrung der Gebetweise und in noch vielen andern verwerflichen Dingen, die wir theils oben nanrhaft gemacht, theils nicht alle aufzählen konnten. Diese verschiedenen Entstellungen, Verfälschungen, Verkürzungen und Uebertretungen sind derart, daß kein gottesfürchtigerIsraelit, keine fromme Israelitin sich an derartigem sogenannten Gottesdienste betheiligen dürfen; ein Rabbiner, der zu solchen Dingen seine Hand bietet, hat sich unfähig gemacht, ferner von den gesetzestreuen Israeliten als n«mn miQ anerkannt zu werden; wie kann man in Bezug auf nmm -ud*«, auf mnoi nxoiü, auf ropna? niüTiw, auf woa mjnun Dnan mw mwpo cpiy bv zu einem Manne Vertrauen haben, der sich erdreistet , gegen Thora und Talmud, gegen nuitpxn D’jnnxi Einrichtungen und Abschaffungen zu decretiren? Wir hoffen daher, recht bald von der definitiven Constituirung der orthodoxen, gesetzestreuen israel. Gemeinde zu München und von der Errichtung sämmtlichcr Gemeinde-Institutionen Seitens derselben zu vernehmen. ’Dnnc: nn '«nie tu pan ’sqjo iprn ctff.n ,m«3S 'n d-o Doanon Duopn DOyn^n tu ,mn — Daoy pn Dompn aa\max non panyDa 'vr 'm!;rnn ,cooy 'n Zeitungsnachrichten und Correspondenzen Deutschland. Vom Nhein. Am id -p nser-s na», dem 9. November, wurde in Siegburg ein seltenes und schönes religiöses Fest gefeiert, das noch lange in der Erinnerung der Betheiligten erhebend und erfreuend nachleben wird. Es galt dem alten ehrwürdigen Herrn Samuel Wallerstein, der seit gerade fünfzig Jahren dem Amte oder richtiger dem Berufe eines vmv sich gewidmet hat, in einer angemessenen Jubelfeier den Ausdruck der allgemeinen Anerkennung und Verehrung zu geben, welche der rüstige und in seiner Berufspflicht noch thätige Jubilar nicht nur in der Gemeinde, sondern im ganzen Siegkreise und noch darüber hinaus genießt. Derselbe wurde nach einem feiertäglichen Gottesdienst von den Mitgliedern des Festcomites in das mit Lorbeer und Blumen reich geschmückte Lokal der man geleitet, woselbst Herr Abraham Hoffmann im Namen der vielen Hunderte, die durch den Jubilar zu dem Bunde Abrahams geweiht worden, eine innige und warme Ansprache hielt/und dem Jubilar, „dem zweiten Vater," für seine vielen Mühen und die großen Opfer an Zeit und Geld, die derselbe in allen Verhältnissen für die Religion der Väter und ihre Bekenner gebracht, tiefen Dank aussprach und als ein schwaches bleibendes Zeichen der Anerkennung einen herrlichen, mit sinniger hebräischer Inschrift gezierten Pokal überreichte. Darauf rahm Herr Samuel Bürger das Wort, als Präses der Gemeinden des Siegkreises. Seine Rede, mit einem schwungvollen in fließendem Hebräisch verfaßten Gedicht einleitend, hob er hervor, wie auf den Herrn Jubilar die Anwendung des Verses nahe liege: eno nvs’s mm oanaa n-Eon, daß derselbe eigentlich ein Doppeljubiläum feiere, indem erp seit vielen Decennien wie noch in diesem Jahre trotz seiner mehr als 70 Jahre an den D\xm:n D'v', den hohen Feiertagen durch seine klangvolle Stimme und seinen, fromme Erregung kündenden Vortrag der Gemeinde die