Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 48 (27.11.1872)
- Date
- 1872-11-27
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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996 »Ich war bei einem Serore * **)) bestellt," sagte Salme entschuldigend zu Jakob, «und mutzte warten; ich habe zwei Paar alte Stiefel gekauft, an denen ich soviel verdienen werde, datz ich davon werde Schabbetz machen können." „„Ist es nicht eine Schande!"" rief Jakob entrüstet. „,,Da ist solch ein Onkel, der eine Million Thaler reich ist oder noch mehr, und der Mann seiner Schwestertochter muß erst alte Stiefel einkaufen, um Schabbetz machen zu können! Solch ein Millionär, der lein Weib und kem Kind hat — was würde es ihm schaden, wenn er sagte: Hier, Gellechen, meiner Schwester Kind, hier hast Du tausend Thaler, sieh zu, daß Dein Mann sich ein ordentliches Geschäft damit anfange!"" „Tausend Thaler!" lachte Gellcchen. „Im vorigen harten Winter während des Krieges hat Salme nichts verdient, und Bella lag krank an den Masern; es war bitterkalt, und wir hatten keine Kohlen. Unterstützt werden wir nicht, weil wir den reichen Onkel haben. Da faßte ich mir ein Herz und bat den alten Geizhals mit Thränen um ein Darlehen von fünf Thalcrn; er hat mir's abgeschlagen!" „„Warum bist Du nicht zu mir gekommen?"" fragte Jakob. „Als ich weinend fortging," fuhr Gellechen in ihrer Erzählung fort, „begegnete mir der Dr. Bruchhäuser: er fragte mich, warum ich weine; ich erzählte ihm Alles. Da nahm er mich mit zurück zum Onkel und nef zornig. „£>err Meschede, augenblicklich geben Sie Ihrer Nichte 10 Thaler oder . . . ." „Zehn?" fragte der Onkel, „sie hat ja nur fünf verlangt?" „Ich will aber, datz Sie zehn geben, oder . . . sagte der Doctor. „Nun, was oder?" fragte der Onkel. „Oder i ch gebe sie ihr!" antwortete der gute Doctor. Da lachte der Onkel, und meinte, er habe gar nichts dagegen, wenn der Doctor sein Geld wegwerfen wolle. Der aber sagte, datz er in diesem Falle ihn» nie mehr über die Schwelle kommen würde. Da nun der Onkel großes Vertrauen zu vr. Bruchhänser hat. so sah er mich zornig an und gab mir das Geld, nachdem ich versprochen hatte, es redlich zurückzuzahlen. Bald darauf kaufte Salme eine Partie ausrangirter französischer Gewehre, an der er ein schönes Stück Geld verdient hat. Da war mein Erstes, dem Onkel seine zehn Thaler zurückznbringcn." „„Wenn doch der Malach Hamoweß^) erst seine Pflicht an unserm lieben Onkel thun würde!"" sagte Gawriel Klopper. „„Da sind meine beiden Töchter, Reizche uns Eddelche . . . „Wie Du nur sprichst." unterbrach ihn keine Gattin, „Rosamunde und Adelgertha wolltest Du sagen!" „„Ich wollte, ich hätte eine Nedan^) für sie — wäre mir lieber als die hochklingenden Namen!"" entgegnete der Kleiderhändler' „„Ick hatte neulich zwei ausgezeichnete Partien für sie; mit 1500 Thalern für jede wäre die Sach' zu machen gewesen. Ich ging zum Onkel und stellte es ihm vor. Was meint Ihr, was er mir zu geben versprach? Zur Haussteuer für jede einen silbernen Löffel!"" „Hat er doch meinem Rüben," nahm Perl das Wort, „zu seiner Bar Mizwah eine Schaumünze im Wcrthe von 10 Silbergroschen geschenkt. Mein Mann wollte sie ihm znrückschicken; ich habe es nicht erlaubt." „„Du hast Recht gethan, Perl,"" sagte Salme, „„was liegt daran? Einmal muß er doch sein Geld hier lassen, und uns kann es ja nicht .entgehen. Für wen spart er? nur für uns!"" „Es dauert nur gar zu lange," seufzte Herr Klopper. „Zu wisicn, datz man einmal eine halbe Million zu erwarren hat, — denn soviel kömmt sicher auf mein Theil — und darben zu müssen, und sich abquäleu zu müssen wie ein Hund, und seine Töchter nicht verheiratheu zu können! Und der Isidor mutz hungern und darben auf der Universität und mutz Stunden geben, und der Alcidor mutz nächftensjSoldat werden und muß drei Jahre dienen, weil ich die Mittel nicht habe, ihn als Einjährigen eintreten zu lassen! Es ist entsetzlich, es ist himmelschreiend!" „„Schrei nicht so,"" rief Riwke warnend, „„der Onkel wird gleich kommen; er könnte Dich hören!"" „Was liegt daran," sagte Jakob, „meinetwegen, dürfte er hören, wie wir über ihn denken! Ich glaube doch nicht, daß wir jemals sein Geld bekommen; mit sciuem Willen nicht! Cs sei denn, datz ihn der Teufel plötzlich holt und ihm nicht Zeit läßt, ein Testament zu machen." Die Armen! sie wußten nicht, datz Jsak Meschede jedes Wort hörte. Vergnügt rieb sich dieser die Hände und sprach vor sich hin; „Du sollst wahrgesprochcn haben, mein lieber Neffe Jakob. Ihr Alle miteinander sollt keinen Heller von meinem Eigenthum haben. Lieber werfe ich's in den Rhein." Dann stand er auf, um sich zu seinen Verwandten, zu begeben und deren Glückwünsche zu seinem Geburtstage entgegerrzunehmen. (Fortsetzung folgt.) *) Mitgift. **) Hochzeitsgeschenk. Hierzu zwei Beilage«. *) vornehmer Mann. **) Todcsengel. Verantwortliche Redactton: 0r. Lehmann. — Verlag der Le Rourlcken Hofbuchhandlung. I. Gottslebev's Buchunv Stemdruckerei in Mainz.