Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 48 (27.11.1872)
- Date
- 1872-11-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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994 Was kann in einem constitutionellen Lande für eine größere Unterdrückung der Religion angesehen werden, als Gewissenszwang? Wo ist Euere Toleranz, Ihr Herren vom „Curierul", die Ihr Eueren Lesern so viel Schönes von rumänischer Gastfreundschaft und Duldung zu erzählen wisset? Toleranz beginnt hier mehr und mehr ein fingirtes Ding zu sein und geht es so fort, dann können wir dieses Wort aus dem rumänischen Sprachlexicon ganz streichen. Uebermüthiger, wie dieses kleine Natiönchen an der unteren Donau jetzt ist, kann es wahrlich nicht mehr werden. Man gibt sich hier, ich weiß nicht ob der gerechtfertigten Hoffnung hin, daß das Ministerium des Innern der Absicht, welche die Jaffyer Municipalität im Schilde führt, hindernd in den Weg treten werde. Geschieht dies nicht, dann haben wir in kürzester Zeit die Einleitung zur systematischen Aushungerung eines ziemlich ansehnlichen Bevölkerungstheiles zu gewärtigen. (W. Fr.) Belgien. Brussel. Der „N. Fr. Preffe" wird von hier geschrieben: Die rumänische internationale isr. Conferenz, welche am 29. und 30. October im Brüffeler Confistorialsaal hier tagte, hat jetzt eine offizielle Darstellung ihrer Thätigkeit veröffentlicht; sie ist armselig genug und dürfte schwerlich in irgend einer Weise von wirklichem Erfolg begleitet sein. Die von ihr gefaßten Beschlüsse dürften höchstens in europäische Gegenden paffen, nicht aber in jene der Donaufürstenthümer, die mehr mit türkischen, astatischen Berhältniffen als mit europäischen gemein haben. Die Hauptfrage des aufgestellten Programms: Wie ist die politische und bürgerliche Gleichstellung der rumänischen Juden zu erzielend wurde in einer Weise erledigt, die von vielen Illusionen, aber keineswegs von dem praktischen Sinne der Conferenz-Mitglieder zeugen mag. Man begnügte sich mit der Erklärung, daß die rumänischen Juden sich selbst an die in diesem Monat noch sich versammelnden rumänischen Kammern in einer Petition wenden würden, damat man ihnen, „als treu ergebenen Söhnen ihrer Heimath," die durch Verträge einer noch nicht lang verschwundenen Vergangenheit gewährleisteten bürgerlichen und politischen Rechte wieder zurückerstatten möchte. Um diese Schritte thalkräftigst unterstützen zu können, beschloß die Conferenz, die verschiedenen Hilfs- Comites, welche bis zur Stunde isolirt wirkten, in einer einheitlichen Organisation zu centralifiren und ein Executiv-Organ zuschaffen, deffen Vorsitzender von rechtswegen Herr A. Cremieux sein soll: als Vertteter der „Alliance Jraelite Unit)." in Paris, als Anerkennung des ihm rechtmäßig gebührenden Antheils. Als geographisch für den Sitz des Vorortes am meisten geeignet wurde Wien gewählt, da Oesterreich in erster Linie an der politischen und socialen Hebung der rumänischen Juden betheiligt sei. Daß solche kleine Hausmittelchen der europäischen Hausapotheke die Emancipation der rumänischen Juden auch um keine Hand breit fördern werden, liegt auf der Hand. In Betreff der sittlichen Hebung der rumänischen Juden wurde die Gründung von möglichst zahlreichen Schulen, Lehrer - Seminaren u. s. m. befürwottet und nothwendigenfalls eine thatkräftige Unterstützung von Außen in Aussicht gestellt. „Mit der Einsetzung des einheitlich gestatteten Organs für die rumänische Angelegenheit," beißt es am Schluß des betreffenden Commissionsverichtes, „hatte die Conferenz ihre eigentliche Aufgabe beendet; aber bezeichnend für den Geist, der sie beseelt, mutz schließlich noch hervorgehoben werden, daß der letzte Punkt der Tagesordnung: Soll eine massenhafte Auswanderung der rumänischen Israeliten nach Amerika gefördert wer-, den? einstimmig fallen gelassen wurde. Mit Recht wurde anerkannt, daß dies dem Patriotismus und der warmen Anhänglichkeit der rumänischen Juden an ihre Heimath die schwerste Wunde versetzen würde, und sie selbst besagtes Project weit von sich weisen." Da haben Sie das Endresultat der internationalen Conferenz der man wenigstens Ein Verdienst nicht absprechen kann, daß sie nämlich, obgleich aus Israeliten der verschiedensten, ja fast feindlichen Nationalitäten zusammengeftellt, während der zweitägigen Debatten einen, und denselben Geist der Eintracht und der Brüderlichkeit bekundete. Algier. Conftantine. Die durch viele Zeitungen gegangene Ansprache des hiesigen Präfecten, welcher Jude sein soll (nach „Rev. Isr." ist Herr Wahl blos Secretär des Präfecten) und die Antwort des Bischofs, die auch wir in voriger Nummer gebracht, sind, wie die französ. jüd. Zeitungen berichten, Mystifikation eines Localblattes. Feuilleton. V. Herr Jsak Meschede pflegte jedes Jahr seinen Geburtstag durch ein seltenes Gastmahl zu feiern, zu derw er seine Neffen, Nichten und deren Kinder, die fast alle, sehr arm waren, einzuladen die Gewohnheit hatte. Zw diesem Gastmahl, das stets streng koscher bereitet wurde, *