Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 48 (27.11.1872)
- Date
- 1872-11-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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992 würde, da das Pensionsrecht jetzt nach Antrag Seitens der Regierung auf weitere Kategorien von Lehrern ausgedehnt werden soll. Schullehrer und Vorsänger Rosenthal in Crailsheim ist wegen eines Augenleidens pensionirt worden. Stuttgart. Dringend nothwendig und von allgemeinerem Interesse wäre eine Massenpetition an Regierung und Stände mit endliche Revision des Gesetzes von 1828, dritte Abtheilung, das Kirchenwesen betreffend. Mit Erstaunen hat man die auch in den „Israelit" übergegangene Nachricht gelesen, daß die K. Israel. Oberkirchenbehörde am n"->y beschlossen habe, bei dem Ministerium den Antrag zu wagen, das Kirchenwesen der Israeliten wie bisher so auch ferner zu belassen, weil die Vorsteherämter in ihren Gutachten über den Revisionsentwurs eines Statuts sich nicht hätten einigen können. Das war von Anfang und immer das Dichten und Trachten dieser Behörde, die sich in ihrer Allmacht innerhalb Württembergs nicht beschränken lassen möchte. Nur gedrängt und getrieben hat sie diesen provisorischen Kirchenstatutsentwurf im Sinne größerer Autonomie der Gemeinden endlich vorgelegt und nun benützt sie die scheinbare Uneinigkeit, um ihre Herrschaft zu retten. Das alte Divide et irapera! Darin jedoch sind alle Gemeinden einig, daß die bisherige Bevormundung der Gemeinden, wie sie in Stuttgart seit 1828 gesetzlich ist, eine Ausnahme nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Israel bildet und Angesichts des Kampfes gegen die Hierarchie auch in Schwaben nicht länger wird existiren können. Also abermals Sturm- Petitionen an Regierung und Stände, damit an maßgebender Stelle der Wille des Volkes zum Ausdrucke elange und die Ueberzeugung schaffe, die Oberkirchenehörde vertritt nicht die Stinnne der Israeliten Württembergs. 'nvrr. Ulm a. d. D. Die hiesige neue Orgelsynagoge soll bis Peßach eingeweiht werden können. Die Gemeinde wird durch diesen Synagogenbau mit Steuern überbürdet. Schon zahlt das effectivc 1000 fl. Erach zwei Gulden directe Vermögenssteuer, ohne die Personal- und Familien-Steuer, die Synagogenstuhlgebührcn u. s. w. Das Luxusgebäude kömmt weit über 100,000 fl. zu stehen und doch muß bereits wieder ein Anlehen gemacht werden, das schwer aufzubringen ist, da die Gemeindegenossen schon genug contribuirt haben und der Credit erschöpft ist. Noch schlimmer soll es in Heilbronn aussehen, wo der Kostenvoranschlag schon so hoch ist, daß die Aufsichtsbehörde Bedenken trägt. den Bau so beginnen zu lassen und Reductionen empfiehlt. Man wird sich nach der Decke strecken und mit einem ttys ttnpo begnügen müssen. Berlin, 19. Nov. Eine cigenthümlichc Strike soll, nach den Berichten der hiesigen Zeitungen, in dem in religiöser Beziehung nicht sehr gut beleumundeten israel. Lehrerseminar dahier ausgebrochen sein. Herr Rector Horwitz habe sich so weit vergessen, einigen Seminariften derbe Ohrfeigen zu appliciren. Die zukünftigen Jugendbildner weigern sich in Folge dessen schon seit acht Tagen, den Unterricht ihres Rectors zu besuchen, bis nicht Satisfaction gegeben worden. Nebenbei hat auch die jüdische Elementarschule, welche ebenfalls unter Horwitz's Leitung steht, unter dieser seltsamen „Arbeitseinstellung" zu leiden, indem die alten Seminaristen bisher als Hilfslehrer an derselben verwendet wurden und nun auch hier den Dienst verweigern. Dresden. Bei Gelegenheit der goldenen Hochzeit des sächsischen Königspaares berichtet die „Pefther jüd. Zeit." folgenden schönen Zug des Königs von Sachsen: „Die Emancipation und die Gleichberechtigung aller Staatsbürger ist heute, Gott sei Dank, etwas Natürliches und Gewöhnliches in jedein civilisirten Staate. Anders aber war dies noch vor 40 Jahren, wo die Juden in Deutschland in sehr schlechten und erdrückenden Verhältnissen lebten. Im Jahre 1833 verfaßte der jüd. Gelehrte vr. Beer ein Gesuch der israel. Gemeinde zu Dresden an den sächsischen Landtag (eigentlich an die „erste Kammer"), in welchem um die Gleichberechtigung der Israeliten mit den anderen Staatsbür- * gern gebeten wurde. Der berühmte Professor der Philosophie, Krug, befürwortete und begutachtete dieses Gesuch, welches auch gedruckt wurde. Bei der Landtagsversammlung rief dieses Gesuch einen großen Sturm hervor; viele Deputirte wollten diese Bitte ganz einfach abschlagen. Da trat damals Prinz Johann (der jetzige König von Sachsen) auf und hielt eine Rede zu Gunsten der Judcn-Emanctpation. Er sagte unter Anderem: „So schmerzlich es mir ist, heutzutage im gebildeten Sachsen zu sehen, daß Juden, die so gut Menschen wie wir sind, erst um ihre menschlichen Rechte bitten müssen, so freut es mich andererseits, in dem Berichte der Deputation so wahrhaft menschenfreundliche Grundsätze ausgestellt zu sehen. Ich glaube, daß man dabei nicht nur Alles zu vermeiden hat, was eine Beschränkung und Erdrückung Hervorrust, sondern daß man auch nicht die Absicht verfolgen darf, durch neue Einrichtungen die israelitische Jugend für ihren Glauben gleichgiltig zu machen." Die Landtagsverhandlungen hierüber dauerten mehrere Tage und endeten zuletzt zu Gunsten der sächsischen Juden. Strasburg. Herr Ad. Picard wurde als Mitglied des Municipalrathes von Straßburg erwählt. Metz. Den Herren Morhange und Mayer Lazard, früherem Dircctor der Rabbinerschule, ist die prov. Führung des Rabbinats übertragen worden. Die Gemeinde hat jüngst unter guten Bedingun-