Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 48 (27.11.1872)
- Date
- 1872-11-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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991 Lehren des Judenthums zuwiderlaufen? In Nr. 1 finden wir die Bitte ausgesprochen: „wehre jedem bösen Feinde". In der deutschen Sprache heißt „der böse Feind" der Teufel. So wird in München wider Wissen und Willen — der Teufelsglaube eingeschmuggelt. Wir könnten diese Beispiele bis ins Unendliche vermehren. Doch genug für heute. Nächste Woche, s G. w., wollen wir das Uebrige in Augenschein nehmen, „was „unterm Schalten des Herrn vr. Perles erblüht ist". (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen Deutschland. Darmftadt. Am jüngsten 'oid bv on"in hielt die Religionsschule der hiesigen Religionsgesellschaft, ich glaube, es war gerade ein Jahr, daß unser Herr Rabb. Dr. Marx die Leitung derselben übernommen hatte, ihr erstes Examen ab. Am n2r, also Tags vorher, leitete der Herr Rabb. in seiner Predigt dasselbe gewissermaßen schon ein, indem er auf die Wichtigkeit der religiösen Erziehung in sehr eindringlicher und überzeugender Weise hinwies und zur Prüfung einlud. Man solle sich nur keine zu großen Vorstellungen von denLeistungen der Kinder machen, denn die Zeit, die die Kinder der Religionsschule widmen oder widmen könnten, sei eine sehr karg bemessene, und dann würde diese, durch häufige Versäumnifie veranlaßt, nicht immer gehörig ausgenützt. Jndeß soviel Mängel die Schule auch noch habe und wie weit sie von dem Ideale, das dem Redner vorschwebe, zurückstehe, in einer Sache dürfe sie sich mit den besten Schulen messen, es sei das der sittliche Ernst, der in ihr walte, die Liebe, mit welcher gelehrt und gelernt werde, und die Art nnd Weise, in welcher die Kinder erzogen würden. Das Examen verlies unter zahlreicher Betheiligung der Gemeindemitglieder in schönster und würdigster Weise und förderte das überraschende Resultat zu Tage, daß die Schüler qualitativ und quantitativ jedeErwartuna übertrafen. Wir beziehen dies namentlich aus die 1. Knabenclasse, die der Herr Rabb. selbst fast ausschließlich unterrichtet. Die Knaben verstanden '"an din "N und so zu tractiren, daß es eine Freude war, ihnen zuzuhören. Die Antworten gingen Schlag auf Schlag und man sah es allen Knaben an, daß dies mit einem Verständniß und einer Klarheit geschah, die den Zuhörer in hohem Grade fesselten. Auch für die unteren Classen wußte Herr Lehrer Bender recht zu interessiren und zeigte er, daß in den Elementen recht Erspicßliches geleistet wurde. Wenn die Schule so fort schreitet, so hoffen wir, viel Freude an ihr zu erleben und da ihre Leitung 'iV'jn in guten Händen ist, so sehen wir ruhig der Zukunft entgegen. Wenn unsere Kinder wieder feststehen auf jüdischem Boden und wieder an die jüd. Wissensquelle geführt werden und selbst aus den! Wahrheitsborn schöpfen lernen, so dürfen wir auf frohe Tage zählen. — Unsere Synagoge kommt diese Woche unter Dach, mpn und Schullocal werden dann auch in Angriff genommen. Darmsladt, 12. Nov. Bor einigen Tagen erfuhr ich, daß in der Gemeinde Messel ein Nichtjude , der Gastwirth I. German, Koscherwein verkaufe und auf nähere Erkundigung ward mir zu meinen! Erstaunen mitgetheilt, daß die Fabrikation des ~)vd i" auf folgende Weise vor sich gehe: derGastwirth German kauft, wo immer auch, den Most oder Wein, bringt ihn nach Messel und ruft den Lehrer, der zugleich der ^L'2-Siegelbewahrer ist und letzterer sieht zu, wie der Küfer den Wein abläßt rc., und hierauf wird das Faß versiegelt. So oft nun Wein abgezapft wird, ist der Herr Lehrer dabei. Nun, dieser Wein wird für -uw verkauft, und die Leute glauben, er sei!!! Wir wissen nicht, worüber wir mehr lachen sollen, über die plumpe Art, wie Herr German die Juden düpirt oder über den Herrn Lehrer, der — leider aus Leichtsinn oder Unwissenheit — sich zum „Macher" gebrauchen läßt. Letzterem haben wir den Standpunkt klar gemacht und wird er sich hüten, in Zukunft die Hand zu solchem Handel zu bieten. Wir haben wohl nicht noch nöthig, besonders hervorzuheben, daß der Wein nie und nimmer *ibo ist. Diese Zeilen haben bloß den Zweck, die Jehudim der Umgegend, die vielleicht den Sachverhalt nicht kannten, darauf aufmerksam zu machen, daß German's Wein wohl reiner Wein sein kann, aber doch kein ibo j" ist. Aus Württemberg. Namens der isr. Lehrerconferenz und des Unterstützungsvereins hat deren Vorstand, Herr L i e b m a n n, unlängst eine von den beiden christlichen Lehrervereincn an das K. Ministerium eigereichte Petition um größeren Staatsbeittag zu der Lehrerswittwen - und Waisenkasse und darnach um höhere Wittwen- und Waisenpensionen mitunterzeichnet, zugleich auch dem evangel. und kathol. Vorstande gedachter Landesverein» für die Freundlichkeit und Collegialität gedantt, mit der sie dem isr. Lehrstande bei der vor- und diesjährigen Petitions-Affaire entgegengekommen sind. Möchte allerwärts solche Brüderlichkeit zwischen den Standesgenossen aller Confessionen walten! Erwähnte Petition ist bereits auch bei dem jetzt versammelten Landtag eingelausen. Es wäre zweckmäßig, wenn jetzt bei diesem auch das Gesuch um Pensionsberechtigung der isr. Vorsänger erneuert werden