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Der Israelit · 1872-11-27 · Heft 48 (27.11.1872) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 48 (27.11.1872)
Date
1872-11-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
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990 Völkern ihre Art und Weise des Gottesdienstes absiehst und sie gefällt dir und du denkst: in derselben Weise wie jene ihren Göttern, will ich dem Ewigen dienen ,-p p rwvn n1?, du sollst nicht also thun dem Ewigen, deinem Gotte. Nun gibt es aber kann: eine auffallendere Nachahmung des nichtjüdischen Gottesdienstes als eben das Orgelspiel beim Gebete. Das Alles ist so sonnenklar, daß es überflüssig wäre, noch Worte darüber zu verlieren. Jeder, dem ein Fünkchen Gottesfurcht im Herzen glimmt, wird sich hüten, an einem durch Orgelspiel entjüdischten Gottesdienste Theil zu nehnren. 4) ist die Einführung der Orgel in die Synagoge von den größten Rabbinen ihrer Zeit: Rabbi Akiba Eg er (Posen), Rabbi Mordechai Benedict (Nicolsburg), Rabbi Herz Scheuer (Mainz), Rabbi Moschch Sopher (Preßburg), Rabbi Salomon Cohn (Fürth), Rabbi Moscheh Tobia Sontheimer (Hanau) rc. rc. verboten. Die betreffenden Gutachten sind in dem Werke nnzin n:n gesammelt. Nach einer mündlichen Tradition ist auch von jenen Heroen der jüdischen Wissenschaft ein cnn (Bann) über die Besucher einer Orgel-Synagoge ausgesprochen. In Hamburg betritt kein O’os? «->' den dortigen Tempel, und hier in Mainz ist es ebenso. Die zweite in München beliebte Reform betrifft die Einführung deutscher Gebete und Lieder. Ueber den Gehalt derselben haben wir schon gesprochen. Es erübrigt noch, die religiöse Seite dieses Vorgehens zu beleuchten. Daß die Einführung deutscher Gebete und Gesänge in den jüdischen Gottesdienst verboten ist, steht außer allem Zweifel, trotzdem sich aus den Quellen das Gegentheil zu ergeben scheint. (Vergleiche Sotah f. 32, Orach Chajim C. 101, §. 4.) Es ist vor Allem zu untersuchen, warum wohl die Männer der Kneßeth Hagedolah und die Späteren die Gebete in hebräischer Sprache abgefaßt haben, wiewohl diese nicht mehr die Landessprache war und von der großen, unwissenden Menge nicht verstanden wurde. Und da ergeben sich denn folgende Gesichtspunkte: 1) die hebräische Sprache ist eine heilige, die sich ganz besonders zum Gebete eignet: a. durch ihre prägnante Kürze, b. durch die Fülle ihrer auf religiöse Verhältnisse sich beziehenden Ausdrücke, 6. durch die großartige Menge hoher und erhabener Beziehungen, welche der hebräische Ausdruck involvirt, wie dies im Rokeach, in den Schriften des Ri Hakadosch und in unzähligen andern Werken ausführlich dargelegt ist. 2) die hebräische Sprache, ist eines der herrlichsten Besitzthümer des jüdischen Volkes, die lediglich durch das hebräische Gebetbuch Gemeingut unserer Nation geblieben ist und bleiben wird. Ohne die hebräischen Gebete wäre das Hebräische längst eine todte Sprache geworden , nur im Besitze weniger Gelehrten, und ohne die hebräische Sprache als Gemeingut unseres Volkes würde es keine Juden mehr geben. Mit der hebräischen Sprache würden zugleich sämmtliche Religionsquellen, Bibel und Talmud und die gesammte jüdische Literatur verloren worden sein. Das kleine Siddur, wie es der Osteuropäer bezeichnet, oder die kleine „Tephillah", wie der deutsche Jude das Gebetbuch nennt — das ist der eigentliche Erhalter des Judenthums. Die meisten Kinder erlernen das Hebräische, damit sie beten können, und m't der Erlernung des hebräischen Alpha Beth ist die erste Stufe zum großen Schriftgelehrten erklommen. 3) die hebräische Sprache ist das einigende Band, das sich um alle Juden der Diaspora schlingt. In unserer Zeit, da das Gesetz vielfach vernachlässigt wird, was bliebe noch Einigendes zwischen den Israeliten verschiedener Nationalitäten, wenn es die Sprache nicht wäre"? Man wird einwenden, daß man in München das Hebräische nicht ganz verdrängen wolle — aber bis wann wird noch ein wenig Hebräisch geduldet bleiben? Auf der abschüssigen Bahn der Reformen gibt es keinen Stillstand. Von Jahr zu Jahr wird immer weiter geschnitten und geschnitten. bis n i ch t s übrig bleibt. Was hat die Berliner Reform, die den Sabbat auf den Sonntag verlegt, die Beschneidung und sämmtliche jüdisch - specifische Gesetze abgeschafft hat, noch mit dem Judenthume gemeind In dem Gebetbuche derselben befinden sich im Ganzen noch 9, sage neun', hebräische Worte!!! 4) Nichts übt auf die religiöse Anschauung mehr Einfluß als das Gebet. Da ist es denn durchaus nicht gleichgiltig, was die für die Gemeinde bestimmten, sich von Zeit zu Zeit wiederholenden Gebete enthalten. Greifen wir aus der Münchener Liedersammtunz ein Lied heraus. Wir schlagen Nr. 11: „Predigt-Lied," auf. Da wird dem lieben Gott gedankt, daß er den Münchenern einen so frommen, treuen, weisen und tugendhaften Prediger, der in Lehre und That voll Geist und Kraft, gegeben; es wird ferner gebetet, daß des Predigers Wort gewissenhafte Hörer (die während der Predigt nicht schwätzen) finde. Ist ein solches Lied geeignet, auf die religiöse Anschauung und Gesinnung der es Singenden einen wohltätigen Einfluß zu übend Wird da nicht vorher sanctionirt, was der Prediger verkünden wird und das Urtheil des Hörers getrübt? Wenn dieses Lied aus einer katholischen Liedersammlung genommen, so hat es feine volle Berechtigung. Da ist der Geistliche geweiht, er ist — ganz abgesehen von seiner Persönlichkeit, seinem Denken, Fühlen, Glauben — Organ der Kirche, hat die Macht zu binden und zu lösen. Aber der Rabbiner, der jüdische Prediger d Hat nicht jeder Jude die Pflicht, die Worte des Predigers zu prüfen und sie zu verwerfen, wenn sie den

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