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Der Israelit · 1872-11-20 · Heft 47 (20.11.1872) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 47 (20.11.1872)
Date
1872-11-20
Page
– (sequence 10)
Language
German
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978 dem griechisch - katholischen Glauben angehörend, den Sabbath streng halten. Die Nachrichten über diese Secte sind sehr spärlich, und Genaueres ist, wie mir bekannt, überhaupt noch nicht constatirt. Es wird daher für die Leser dieser Blätter gewiß interessant sein, wenn ich hiermit die sehr glaubwürdige, den Stempel der Wahrheit an sich tragenden Mittheilungen eines Schabotniker, der nun seit vier Jahren wieder dem Judenthum angehört, und mit dem ich näher zu Verkehren Gelegenheit hatte, wiedcrgebe. Unter dem Czaren Alexei Michailowitsch (1645 bis 1676)*) waren die Juden in Rußland großen Verfolgungen ausgesetzt, so daß viele derselben, um dem Tode zu entgehen, derr griechisch-katholischen Glauben annahmen, obwohl sie im Herzen dem Judenthum treu blieben und im Geheimen die jüdische Gesetze ausübten. Um nun aber den Gefahren, die für sie dadurch erwuchsen, zu entgehen, entschlossen sie sich zur Auswanderung in entlegenere Gegenden. Zu ihrem neuen Wohnsitze wählten sie sich die Gegend zwischen Don und Wolga, in der Nähe des kaspischen Meeres, wo noch heute in den Gouvernements Simbirsk, Samaras!, Saratow und Woronesch ungefähr 7000 Schabotniker leben, von denen jedoch nur 2—3000 Abkömmlinge jener Einwanderer sind; der übrige Theil besteht aus geborenen Christen, die sich ihnen deßhalb anschlossen, weil sie die Beobachtung des Sabbath mit den Angaben der Bibel übereinstimmend fanden. Im Laufe der Zeiten ging ihnen jedoch durch ihre *) Wie bekannt fallen in diese Zeit die Kosakenkriege, unter Anführung des blutdürstigenHetmanChmielnicki (Chmel), der besonders an die in Polen und Kleinrußland so zahlreichen Juden seine ganze Grausamkeit ausließ, so daß im Laufe eines Jahrzehnt fast eine halbe Million derselben umkam. Im Jahre 1651 verband sich der Czar Alexei mit Chmielnicki und überschwemmte mit 200000 Mann ganz Polen und Kleinrußland, und gerade das Jahr 1654 bezeichnete mir mein Gewährsmann als dasjenige, in welcher der Uebertritt jener Secte zum Christenthum stattfand. Abgeschlossenheit, in der sie von ihren früheren Glaubensgenossen lebten und durch die (strenge, mit der man gegen alle verfuhr, welche sich nicht zur Staatsreligion bekannten, die jüdische Religion mehr und mehr verloren, wozu auch die Vermischung mit fremden Elementen, die sich mit der Zeit ihnen angeschlossen, nicht wenig beigetragen zu haben scheint. Doch vererbte sich in den meisten Familien theils schriftliche, theils mündliche Ueberliefenlng ihrer Abstammung fort. So wußte mir erwähnter -u den Namen seines vom Judenthum zum Christenthum übergetretenen Vorfahren, dessen siebentes ->in er selbst sei, anzugeben. Wodurch sich diese Schabotniker von ihren übrigen Glaubensgenossen unterscheiden, das ist in erster Linie die strenge Beobachtung des Sabbath. Sie enthalten sich vollständig der Arbeit und lassen auch nicht für sich arbeiten, zünden kein Feuer an und versammeln sich an diesem Tage, um gemeinschaftlich ihr Gebet, das zwar nicht von dem der übrigen Christen abweicht, zu verrichten; dabei geschieht das aber mit einer Heimlichkeit, so daß die Annahme berechtigt ist, daß ursprünglich diese Gebete nach der Väter Weise verrichtet wurden. Auch gibt es unter ihnen auch eine bevorzugte Klasse, Malakani genannt, die sich mehr geistig beschäftigen und auch in ihrer ganzen Lebensweise strenger und abgeschlossener sind. Ihre Abstammung verrathend ist auch der Brauch, daß sie kein Schweinefleisch und auch nur von geschlachtetem Vieh Fleisch genießen. Das Schlachtmesser wird auf gemeinschaftliche Rechnung gekauft und vom Oberhaupte der Gemeinde in Verwahrung genommen, der es dann jedem, der es braucht, verabfolgt. Wenn sie in Gegenden kommen, wo Juden wohnen, so essen sie lieber das von denselben geschlachtete Vieh; überhaupt haben sie eine besondere Vorliebe für die Juden, mit denen sie jedoch selten in Berührung kommen, da in jenen entlegenen Gegenden deren fast gar keine leben. Eine Eigenthümlichkeit dieser Secte ist auch ihre Enthaltsamkeit vom Schnaps und Tabak; Gründe hierfür konnte ich jedoch nicht erfahren. ANZEIGEN. in junger Mann sucht in einem Kurz- oder Manufacturwaarengeschäfte Stelle als Commis unter sehr bescheidenen Bedingungen und wird mehr auf freundliche Behandlung als auf Salair gesehen. Gefl. Offerten beliebe man an die Expedition dss. Blattes sud Chiffre 8. Ol. 2412 gelangen zu lassen. 120 Feinsten delikaten Koscher 120 Zcüweizerliäse und Salmfeöfe empfiehlt en g-ros und en detail gut und billigst und bittet um geneigten Zuspruch L. Kletfchoff in Posen, Krämerstr. 1.

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