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Der Israelit · 1872-11-20 · Heft 47 (20.11.1872) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 47 (20.11.1872)
Date
1872-11-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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975 Punkt bot dabei der Uniftand, daß sowohl der Maler als das junge Mädchen meistens von den während der Festivitäten gereichten Speisen nichts nahmen. Diese Intimität entging dem Vater des jungen Malers nicht. „Mein Sohn," sagte er eines Tages, als er mit ihm allein war, „ich schätze mich überaus glücklich, daß Du so aus der Fremde zurückgckehrt bist, wie ich stets gewünscht habe, daß Du zurückkehren möchtest. Du bist ein edler Mensch, ein guter Jude und in Deinem Berufe tüchtig. Die Mittel, eine Familie zu ernähren, fließen Dir reichlich zu: so möchte ich denn wünschen, daß Du mir bald eine Schwiegertochter zuführest. Sieh Dich um unter den Töchtern Israels; es gibt der frommen, gut erzogenen jüdischen Mädchen nicht wenige in dieser Stadt." „„Ich muß Dir gestehen, mein Vater,"" antwortete Berthold, „„daß ich meine Wahl eigentlich schon getroffen habe. Bertha Müller."" „Wie, Bertha Müller, die Tochter des ebenso reichen wie herzlosen Banquiers? Das thut mir leid um Dich, mein Sohn. Gegen das Mädchen hätte ich allerdings nichts; sie ist von ihrer seligen Mutter, die ein wahres Biederweib gewesen, fromm und gut erzogen. Allein der Vater wird sie Dir nie zum Weibe geben. Er haßt diejenigen, welche besser sind als er, und außerdem hängt sein Herz nur am Gelde; ich glaube, der alte, griesgrämige, geizige aber unermeßlich reiche Jsak Meschede wäre chm als Schwiegersohn lieber denn Du. Deßhalb suche Pein Gefühl für das Mädchen zu unterdrücken; Du würdest sonst ebenso traurigen wie erfolglosen Kämpfen entgegengehen." „„Ich sehe leider nur zu gut ein,-daß Du Recht hast, lieber Vater; allein es liegt nicht in meiner Gewohnheit, irgend einem Kampfe feige aus dem Wege Zu gehen. Wenn es sein muß, werde ich zu entsagen wissen. Vorher aber werde ich es versuchen, die mir sich entgezenthürmenden Hindernisse hinwegzuräumen."" Während Vater und Sohn sich über die Zukunft des Letzteren unterhielten, war Bertha Müller in schwere Conflicte mit ihrem Vater gerathen. Auch Müller war es ausgefallen, daß seine Tochter viel mit denr jungen Maler verkehrte. Er verbot ihr das auf's Strengste. „Das fehlte mir auch noch," sagte er, „einen solchen Lump, einen solchen Farbcnkleckser, der nur von seinem Pi^el lebt, zum Schwiegersohn zu bekommen. Die einzige Tochter des Banquier Müller darf höher hinaus wollen, zumal jetzt, da ich im Begriffe stehe, mein Vermögen um ein Bedeutendes zu vermehren. Ich habe große Dinge vor. Der Friede, welcher jetzt auf viele Jahre hinaus gesichert scheint und die vielen Milliarden, oie wir von Frankreich zu erhalten haben, das Alles bietet günstige Aussichten zu großartigen Unternehmungen. Ich habe vor, eine Bank zu gründen, hie mir ungeheuren Gewinn abwerfen wird. Schon sind bedeutende Männer mit vornehm klingenden Namen für mein Project gewonnen. Nächsten Mittwoch will ich eine große Gefellschatt geben, bei welcher Gelegenheit die Sache perfect werden soll. Triff Deine Vorbereitungen, Bertha, und laß Alles auf das Schönste und Luxuriöseste Herrichten. Ich werde ungefähr 30 Personen aus der Elite der Gesellschaft bei mir sehen; ich will ilmen ein lucullisches Mahl bieten. Engagire den Oberkoch aus dem „Mainzer Hof", damit er die Küche besorge. Was nur gut und wohlschmeckend ist, soll herbeigeschafft werden: Hasenbraten, Krebssuppe, die besten Austern und was cs sonst noch für Leckerbissen gibt." „„Aber Vater,"" antwortete Bertha, „„die Speisen , die Du nennst, sind uns ja zum Genüsse verboten."" „Meinst Du, ich könnte meinen vornehmen Gästen koschere Kost vorsetzend Arbesen mit Worscht, Kuggel und Bohnen und saure Hahne oder Karpfen mit brauner Sauce?" „„Ueberlasse das Arrangement mir, lieber Vater, ich werde ein köstliches Mahl Herrichten, ohne daß das jüdische Speifegesetz verletzt zu werden braucht."" „Ich will aber nicht! meine Gäste sollen bei mir finden, was s i e bei einem leckern Souper erwarten." „„Und ich, mein Vater, werde nie meine Hand dazu bieten, ein Mahl herzurichten, deffen bloße Bereitung mein Gewissen belasten würde."" „Geh, Bertba, sei vernünftig, Du weiht nicht, wie viel davon abhängt, daß Alles so geschehe, wie ich es wünsche." „„So laß doch das ganze Gastmahl im „Mainzer Hof" Herrichten und lade dahin Deine Gäste."" „Ha, ha, ha, was bist Du doch ein thörichtes Kind! Wenn ich ein großartiges finanzielles Unternehmen vorhabe, so gilt es, den Leuten, die ich dafür interessiren will, den Glanz und den Reichthum meines Hauses zu zeigen. Es bleibt also dabei, thue, wie ich Dir geheißen habe!" „„Nein, mein Vater, ich achte und ehre stets Dein Gebot, aber nur da, wo dasselbe meinem Gewissen nicht widerstreitet; ich bin Gott mehr Gehorsam schuldig als Dir."" „Thörichtes Kind, Du brauchst ja nicht mitzuesfen." „„Ich will gar nicht davon reden, daß das Essen für Dich und manche jüdische Gäste mitbereitet wird; aber ich darf zur Herrichtung eines solchen Mahles überhaupt die Hand nicht bieten. Der von Dir in Aussicht genommene Oberkoch würde anordncn, daß das Fleisch in Butter gebraten würde, was ich nicht dulden darf; außerdem würde unsere ganze Haushaltung trefa werden, und würdest Du wohl erlauben, daß ich nachher all unser kostbares Porzellan durch neues ersetzte?"" „Ist auch gar nicht nöthig. Ueber kurz oder lang mußt Du Dich doch vcrheirathen, und dann muht Du die allen von der Mutter ererbten Schrullen aufgeben." „„Das werde ich nie thun.""

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