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Der Israelit · 1872-11-20 · Heft 47 (20.11.1872) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 47 (20.11.1872)
Date
1872-11-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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973 Colberg, 17. Nov. Da -er Besuch des hiesigen Sool-- und Seebades von Seiten armer jüdischer Kranken von Jahr zu Jahr zunimmt, so hat sich hier ein Comite behufs Erbauung eines jüdischen Kurhospitals auf Colberger Münde gebildet. Das EomitL fordert zu Spenden für diesen Zweck auf und bittet, dieselben seinem Rendanten, Herrn H. Bernhardt, Firma S. L. Gronau in Colberg, zuzusenden. Wir wollen diese Bitte hiermic der Beachtung edler, wohlthätiger Glaubensgenossen empfohlen haben. Dresden, 13. Nov. Das Königspaar hat aus Anlaß seiner goldenen Hochzeit eine Stiftung errichtet zu Gunsten hilfsbedürftiger und würdiger Ehepaare, welche 50 Jahre ehelich verbunden gewesen sind, und zu diesem Behufe ein Capital von 10,000 Thlr. überwiesen, dessen Zinsen zu solchen Unterstützungen verwendet werden sollen, bei deren Verleihung auf die Verschiedenheit des Standes, der Religion oder Confessiou keine Rücksicht zu nehmen ist. Oe st er r. - Ungar. Monarchie. Wien. Das ultramontane Blatt, „Das Vaterland," berichtete jüngst ausführlich über die Taufe eines Rabbinatscandidaten, der aus Ueberzeugung zum Christenthume übergegangen sein soll. Nach einer zuverlässigen Quelle der „Morgenpost" ist „Das Vaterland" myftificirt worden.. Die Thatsache verhält sich gerade umgekehrt; ein junger Geistlicher hat sich nämlich vom Christenthum zum Judenthume bekehrt, weil ihm die jüdische Religion als die einzig wahre erscheint. Aus Ungarn. Herr Oberrabbiner P. Singer '"j zu Palota wurde zum Oberrabiner des Zipser Comitates erwählt'. Die israel. Gemeinde zu Palota ehrte den scheidenden Seelenhirten wohl dadurch am meisten, daß sie den des großen Vaters würdigen Sohn, Herrn Abraham Singer ’"j, zu seinem Nachfolger bestimmte. Päpa, 5. Nov. Die hiesige Gemeinde, eine der größten Gemeinden Ungarns, beginnt auf einmal aus ihrer Stabilität, ut welche sie schon seit einer langen Reihe von Jahren versunken war, herauszutreten, um eine That zu vollbringen, die schon längst ihre heiligste Pflicht gewesen, die aber aus Jndifferentismus von Zeit zu Zeit verschoben wurde. Bekanntlich ist das hiesige Oberrabbinat seit dem Ableben des unvergeßlichen Rabbi Samuel Sommer 14 Jahre vacant und unbesetzt. Nachdem man sogleich keinen würdigen Nachfolger, dem man diesen hohen Posten mit ruhigem Gemüthe hätte anvertrauen können, gefunden, suchte man diesen Verlust durch Dajanim und Rosch Besdins zu ersetzen, deren Aufgabe es war, die Religion in der Gemeinde zu bewachen und aufrecht zu erhalten, damit die Ideologie, die schon langsam hier sich Bahn zu brechen suchte, nicht um sich greife. Indem man aber zur Einsicht gelangte, daß jene ihrer hohen Aufgabe nicht gewachsen, wodurch das Bedürfniß nach einem Oberhaupt stets fühlbarer zu Tage trat, so beschloß die Gemeinde-Repräsentanz, zur Besetzung des Oberrabinats schleunigst zu schreiten und der Gemeinde vier Candidaten in Vorschlag zu bringen, die zu den größten Capacitäten Ungarns gehören. Zum Behufe dessen wurde jüngst eine Generalversammlung einberufen, in welcher einstimmig beschlossen wurde, an die Oberrabbiner Friedmann aus Galantha, Dr. Gugenheimer aus Kölln, Kutna aus Cisenftadt und Magid Fischmann aus Preßburg briefliche Anfragen von Seiten der Gemeinde abzuschicken, ob selbe geneigt wären, das Oberrabbinat zu übernehmen und zur Abhaltung eines Probevortrages zu erscheinen, was auch Tags daraus geschah. Nach mehrtägiger Frist beantworteten Alle die erstere Frage mit „Ja", die letztere aber beantworteten drei der Herren mit „Nein". Bloß Herr Oberrabbiner Friedmann stellte einen Probevortrag in Aussicht, was sehr angenehm überraschte, da er die meisten und größten Chancen für sich hat. Nach abermaligem telegraphischen Rufe langte. Herr Oberrabbiner Friedmann Donnerstag ro 's hier an, wo ihn am Bahnhofe der ganze Vorstand erwartete und auf's Ehrfurchtsvollste begrüßte. Mit größter Ungeduld erwartete man den Sabbat, an welchem man die Rede dieses so berühmten Mannes hören sollte. Und wahrlich, das Gehörte übertraf jede Erwartung. Herr Oberrabbiner Friedmann errang mit seiner Rede einen solch enthusiastischen Beifall, wie ihn kein Redner sich je hier errungen hat. Seine sonore und klangvolle Stimme, seine glänzende Sprache, die trefflich vorgetragenen Midraschstellen, erregten Staunen und Aufmerksamkeit sowohl bei orthodoxen als neologen Mitgliedern, da er Deraschah und Predigt auf's Eminenteste verband. Nachmittags im «man ivd entwickelte er seine große und tiefe Gelehrsamkeit auf talmudischem Gebiete, was seinen Ruf als und *pn auf's Glänzendste, documentirte und entspann sich auch, wie es bei einer solchen Gelegenheit recht oft der Fall ist, ein heftiger Pilpul, in dem die Herren Schreiber und Steiner in erster Reihe standen. Da also die andern in Vorschlag gebrachten Herren Rabbinen einen Probevortrag nicht zugesagt haben, und ein unabänderliches Statut der Gemeinde dahin lautet, daß bei einer Rabbinerwahl derjenige, der keinen Probevortrag hält, zur Candidatur nicht zugelassen wird, so können wir daher schon jetzt Herrn Friedmann als unfern künftigen Oberrabbiner begrüßen, ne# tr\x. Serbien. Kragujevae, 30. October. Auf der Tagesordnung der Skupschtina standen diesmal jene Anträge, welche voriges Jahr wegen der kurzen Sessionsdauer nicht zur Verhandlung gelangen konnten. Darunter be-

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