Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 47 (20.11.1872)
- Date
- 1872-11-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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i...1 imj§vn , , , 9i 1 Am Anfänge rrfchas Gott! i». (Schlich.) Mainz, 11. Nov. Ganz in derselben Weise wie Gott das Weltenganze geordnet, geregelt und eingerichtet hat, so hat auch der Allwcise tn Seiner Lehre die Gesetze des menfchlichen Thuns und Denkens gegeben, und wie uns durch sorgfältige Beobachtung und reifliches Nachdenken iin Weltenganzen Manches verständlich wird, das Meiste aber räthselhait bleibt, bis vielleicht später noch genauere Beobachtungen und Erfahrungen über das Dunkel Licht verbreiten, so verhält es sich auch mit unfern Anschauungen in Bezug auf die göttliche Gesetzgebung. Vieles erkennen wir klar und deutlich, Vieles bleibt uns dunkel. bis Forschung und Erfahrung vielleicht noch über Manches Licht verbreiten. So bereichert uns die jüdische Geschichte mit vielen das Gesetz verherrlichenden Erfahrungen, die unsere Voreltern vor Jahrtausenden natürlich noch entbehren mußten. Es ist ebenso mißlich wie thöricht, so Jemand den Schöpfer meistern will; nichtsdestoweniger müffen wir uns herbeilassen, derlei Reden zu widerlegen; in Bezug darauf gilt der Ausspruch des weisen Königs: Antworte dem Thoren und weise ihm seine Thorheit nach, damit er sich nicht weise dünke. Wir haben im vorigen Capitel dargetegt, daß die scheinbaren Unregelmäßigkeiten im Universum sich gegenseitig aufheben und ausgleichen. Nun könnte Jemand fragen: Warum hat der Schöpfer nicht Alles gleich regelmäßig gestaltet und geordnet, so daß gar keine Störung stattfinde? Dem gegenüber weisen wir einfach darauf hin, daß dann im Weltall eine vollständige Uniformität herrschen, daß dann ein Himmelskörper die vollständige Copie des andern gleicher Gattung sein müßte. Das zeugt aber eben von der Größe und Allgewalt des Schöpfers, daß kein Geschöpf im Größten wie im Kleinsten dem andern gleicht, sondern daß jedes Geschöpf für sich seine vollständige Eigenthümlichkeit hat. i"S ms p-r „Es gibt keinen Bildner, der unsernr Gotte gleiche; wie Er vermag Niemand Einzelwesen zu bilden, die, trotz aller Aehnlichkeit miteinander, eines von dem andern verschieden sind." Als der große Philosoph Leibnitz einst am Hofe zu Wolfenbüttel die überraschende Wahrheit aussprach, daß nicht ein Ei dem andern, nicht ein Blatt dem andern vollständig gleiche, da gingen die Hofdamen der Herzogin von Braunschweig in den Park, entblätterten die alten Buchen und Linden, um zwei Blätter zu suchen, die den Ausspruch des Philosophen widerlegen sollten; die Mühe war aber eine vergebliche. Und wie im Kleinen, so ist es auch im Großen. In dieser wunderbaren Welt herrscht die größte Harmonie, aber keinerlei Einförmigkeit. Kein Himmelskörper ist die Copie eines andern; jeder derselben zeigt dem Beobachter Eigentbümlichkeiten, denen man sonst nirgendwo begegnet. "Bettachten wir ferner das Verhältnis des Mondes zur Erde. Der Mond bewirkt durch seine Attraction die Ebbe und die Fluth. Die Stärke dieser Wirkung steht int umgekehrten Verhältnisse des Cubus seines Abstandes von der Erde. Würde nun die Entfernung des Mondes von der Erde nur die Hälfte bettagen, so würden wir eine achtmal höhere Fluth haben, welche von 12 zu 12 Stunden ganze Länder mit einer Ueberschwemmung heimsuchte, und das Hin - und Herwogen der Wassermassen würde jede Schifffahrt auf dem Meere unmöglich machen. In einer größeren Entfernung aber vermöchte die Erde ihren Trabanten nicht in seiner Bahn zu erhalten. Aus demselben Grunde hat auch der Planet Mars keinen Trabanten; weil dieser Planet sehr klein ist, so könnte er in großer Entfernung den Trabanten nicht in seiner Bahn erhalten, während die größere Nähe des letztgenannten auf der Oberfläche des Planeten derartige Störungen hervorbringen würde, wie wir sie oben bei dem Verhältnisse zwischen Mond und Erde geschildert haben. Wir glauben, daß die angefühtten Beispiele vollkommen genügen, um denen entgegenzutreten, welche thöricht sind, zu meinen, daß diese so überaus wunderbar und herrlich organisirte und geordnete Welt ein Werk des Zufalls feilt könne. „Preise, meine Seele, den Herrn . . ., der die Himmel ausspannt wie einen Teppich ... ., der die Erde fest gegründet, daß nimmer sie wanke." (Psalm 104, V. 1, 2. 5.) Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen Deutschland. Berlin, den 10. November. lieber den am 4. d. Mts. verstorbenen, in den Kreisen der hiesigen Studentenschaft seit länger als dreißig Jahren wohlbekannten Kleiderhändler Scholcm nomine Brühl enthält die „Tribüne" nähere Mitthcilungen, nach denen derselbe in seiner Jugend das Gymnasium absolvirt und sich dann dem Studium der Medicin zugewandt habe. Diese habe er später mit der Zahnheilkunde vertauscht, es dann aber vorgezogen, sich dem praktischen Handel zuzuwenden. Originale waren seine Briefe, die er in lateinischer Sprache an die Studierenden richtete, und in welchen er sich den „vetusta vesfcimenta vendituris“ zum US