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Der Israelit · 1872-11-13 · Heft 46 (13.11.1872) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 46 (13.11.1872)
Date
1872-11-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Xm. Jahrgang. Beilage za Nr. 46 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 8November. HerrS. B. Schreiber, Oberrabbiner von Preßburg, hat uns als 2te Sendung 720 fl. ö. W. zum Besten Verhungernden Glaubensgenossen in Persien geschickt, die wir mit noch andern zu diesem Zwecke eingegangenen Geldern an Sir Moses Montefiore nach London senden werden. — Berlin. Der Berliner Correspondent des „Daily- Telegraph" spricht sich bei Gelegenheit der Ernennung des Banquier Bleichrödcr zum englischen General-Consul in Berlin in sehr schmeichelhaften Worten über die genannte Persönlichkeit aus. Herr von Bleichröders Ernennung zum britischen General-Consul in Berlin, heißt es daselbst, ist in allen Beziehungen als eine ausgezeichnete zu halten. Die - Stelle selbst, istmehr ein Ehrenamt, denn die Hauptgeschäfte werden durchaus von der britischen Gesandtschaft in Berlin vollzogen und die Consulararbeiten können mit Leichtigkeit durch einen Secretär in 2—3 Stunden wöchentlich gethan werden; aber eine Ernennung wie die von Bleichröders hat einen besonderen Werth und große Wichtigkeit. Herr von Bleichröder ist einer der größten Banquiers in Berlin. Er war vor mehreren Jahren der preußische Agent bei dem mächtigen Hause Rothschild; er ist der homme d’affaires von Kaisern, Königen und Prinzen, ein intimer Freund des größten jetzt lebenden Staatsmannes, und bei den Friedensverhandlungen zwischen Frankreich und Deutschland spielte er eine große Rolle. Ein Mann von diesem Kaliber hat es in seiner Macht den commerzicllen Jntrefsen Englands große Dienste in Preußen leisten zu können. Metz. Herr Levi, Banquier in Metz wurde zum Bürgermeisteradjuntt in Metz und Herr Lazarus Lantz in Mühlhausen zum Mitglied des dortigen Munizipalrathes erwählt. (Rev. isr.) Metz. Wie dem „Un. Isr." von hier gemeldet wird, haben 180 jüd. Familien aus Metz für Frankreich optirt. Unser früherer Oberrabbiner, Herr Lippmann, hat seit einigen Wochen seine neue Stelle in Lille angetreten. Rumänien. Bukarest, 24. Oktbr. Nur noch kurze Zeit, kaum Monatfrist, trennt uns von der Eröffnung der Kammer. Außer den vielen Projekten und Fragen, die, sozusagen programmgemäß auf den Tisch des Hauses kommen werden, wird auch die so oft besprochene, zu keiner Session fehlende, weil Nationalbedürfniß gewordene Judenftage zur Sprache kommen und den Judenfressern von Beruf, wie Jonesco und Desliu, Gelegenheit geben, den Schnabel zu wetzen und tausend Donnerwetter gegen die „Landaussauger" vom Stapel zu lassen. Durch die Spalten unserer Blätter zieht sich die Frage wie ein blutiger Faden und wird in allen möglichen und unmöglichen Arten und Unarten ventilirt. Während das eine Parteiorgan der Ansicht ist, — Reden ist Silber — man solle sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, die man, wenn sie nicht wäre, beim Schopfe herbeiziehen müßte, und — mit Hinblick auf das Emigrationsprojekt des amerikanischen Konsuls — nur eine L-belicbige Summe votiren, um die Juden sammt und sonders „noch vor Eintritt der rauhen Jahreszeit" aus dem Lande spediren zu können, meint wieder ein anderes Blatt, — Schweigen ist Gold - die Frage exiftire ja gar nicht, man solle sie nur todtschweigen. Und so konnten wir letzthin in dem in Jassy erscheinenden „Clopotele" lesen: „Die Judenftage darf als solche in der Kammer nicht behandelt werden; durch andere Mittel müssen wir ihre Beseitigung anstreben. Gestern entrissen wir den Juden einen Erwerbszweig in dem Tabaksmonopol, heute entziehen wir ihnen die Befugniß, geistige Getränke zu verkaufen und Morgen nehmen wir wieder einen andern Handelszweig aus ihren schmutzigen Händen, immer nur, ohne daran zu denken, daß es eine Judenftage gibt. Das find die Mittel, die Brut auszurotten, denn mit der Auswanderung der Juden scheint es nicht Ernst zu sein; sie gehen nicht, so lange sie ihre Spekulationen ausüben können." Ich werde, als Ihr allzeit getteuer Berichterstatter, bei Eröffnung der Kammer hinlänglich Veranlassung haben, diese so oft erörterte Frage in den Kreis meiner Besprechungen zu ziehen, nichtsdestoweniger glaube ich, jetzt eine kleine Skizze, quasi als Vorstudie, vorausschicken zu dürfen; cs sei mir gestattet, zu diesem Behufe etwas weiter auszugreifen. Es ist bekannt, daß der Pariser Traktat den Juden Rumäniens Civilrechte zuspricht und es überdies dew Gutdünken der rumänischen Regierung anheimstellt, ihnen eventuell auch politische Rechte cinzuräumen. Bis zu Beginn des Jahres 1866 leöten die Juden in den

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