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Der Israelit · 1872-11-13 · Heft 46 (13.11.1872) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 46 (13.11.1872)
Date
1872-11-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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durch den Hauptort des Rabbinatssprengels, zur Hälfte aus den übrigen Gemeinden desselben gewählt werden. Die Gesammtzahl dieser Delegirten soll sechs nicht übersteigen. Die Ernennung der Rabbiner soll durch das Central-Consistorium der Bestätigung des Cultusministers unterbreitet werden. Art 3 hebt das Decret vom 11. November 1870 (durch Cromieux erlassen auf. Art. 4 bestätigt die mit Vorstehenden nicht in Widerspruch stehenden früheren Regulative. Das zweite Decret bestallt zwei neue Consistorien in Vesoul und Lille und bestimmt die Abgrenzung der acht israelitischen Consistorialsprengel Frankreichs. Rußland. Petersburg. Dr. med. Zion, Entdecker eines Herz-Nerven, der nach seinem Namen benannt worden ist, war schon wiederholt zum Professor vorgeschlagen, jedoch von der Mehrheit des Collegiums abgelehnt worden. Auf Befehl des Kaisers selbst ist er nun doch znm Professor der Anatomie an der medicin. Academie ernannt worden. Ebenso ist Hirsch Werblowski, bisher Sccretär am hiesigen Kreisgericht, zuni ständigen Rath an einem Landgericht ernannt worden. In diesem Posten ist er unabsetzbar; noch nie hat ein Israelit einen solchen bekleidet. Als der Minister dem Kaiser die Erneuerungsliste vorlegte, machte er darauf aufmerksam, daß W. ein Jude sei. „Nun," fragte der Kaiser, „was wird Werblowski thun, wenn er die Stelle nicht erhält?" „„So wird er den Dienst quittiren,"" antwortete der Minister. „Aber in der Weife werden die tüchtigen Leute meine Dienste und gar das Land verlassen," sprach der Kaiser und vollzog die Ernennung. Diese Unterhaltung, versichert der Correspondent des „Hamagid", sei buchstäblich wahr. Amerika. I^ew-Aork. „Jcw. Mess." schreibt: Wir sind schon oft über die Zahl der Juden in New - York gefragt worden und konnten, da uns keine statistischen Daten zu Gebote stehen, keine genaue Auskunft hierüber geben. Wir glauben jedoch nicht zu hoch zu greifen, wenn wir dieselbe auf wenigstens 80,000 schätzen. Am Neujahrsfeste waren 30 Synagogen und über 20 Privat- Localitäten voll von Glaubensgenossen. Die meisten derer, die diese provisorischen Gebetzimmer besuchen, kommen das ganze Jahr nicht in die Synagoge. Wir bedauern , daß so viele Israeliten die verkehrte Idee haben, durch eine zwei- bis dreitägige Arbeitsenthaltsamkeit ihrer Pflicht für das ganze Jahr genügt zu haben. Feuill e t o ii. Das Testament. in. Bald erreichte das Schiff Coblenz, wo viele Reisende das Ziel ihrer Fahrt erreicht hatten, andere dagegen cinstiegen. Als das Boot sich wieder in Bewe- .gung setzte, wurde zu Tische geläutet, vr. Lindenthal ging in die Cajüte hinunter, um Herrn Müller aufzusuchen und mit ihm gemeinsam an table d’höte Platz zu nehmen. Bruchhäuser und Fräulein Bertha blieben auf dem Verdecke. „Auch ich möchte jetzt zu Mittag essen," sagte Fräulein Müller. „Darf ich Sie einladen, an meinem frugalen Mahle Theil zu nehmen? Ich habe mir Vorräte von Wiesbaden mitgebracht." Bei diesen Worten öffnete sie ihre Reisetasche und nahm Brod, Fleisch und Wein heraus. „„Auch ich habe nlich in Mainz,"" antwortete Berthold, „„mit etwas Proviant versehen; doch bin ich so frei, Ihre freundliche Einladung anzunchmen, vorausgesetzt, daß Sie Sich, wenn Jhre Vorräthe später nicht ausreichen sollten, der mciuigen bedienen."" . Fräulein Müller hatte sogar die Vorsicht gebraucht, ein Fläschchen mit Wasser zum Händewaschen in ihrem Reisesacke mitzunehmen. „Wie gut das schmeckt," sagte Fräulein Müller, „hier oben im Freien, in der guten, frischen Luft! Ich glaube kaum, daß die da unten im dumpfen Speisesaal an dichtgedrängter tablv d’hote es so gut haben wie wir." „„Wie kömmt es eigentlich, Fräulein Müller, daß Sie den Grundsätzen Ihres Vaters entgegen so fest an der Religion der Väter halten?"" „Ach," sagte Bertha, während Thränen in ihren Augen erglänzten, „das habe ich der Erziehung meiner seligen Mutter zu verdanken. Haben Sie meine selige Mutter gekannt, Herr Bruchhäuser?" „.Nur wenig, nur so von Ansehen."" „O, wenn Sie sie gekannt hätten! Das war eine Frau, so gut, so brav, so edel, so fromm! sie lebte nur für das Gute und Edle! sie war zu gut für diese Welt und deßhalb mußte ich sie so früh verlieren." „„Ist es schon lange, daß Ihre Frau Mutter von hinnen gegangen?"" „Es sind jetzt zwei Jahre. Die Gute hat mich zur Gottesfurcht erzogen trotz des Widerstandes, den ihr mein Vater dabei entgegensetzte." „„Wie kam es, daß Ihre Eltern in ihren religiösen Grundsätzen so grundverschieden waren?"" „Zu der Zeit, als mein Vater sich um meine

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