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Der Israelit · 1872-11-13 · Heft 46 (13.11.1872) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 46 (13.11.1872)
Date
1872-11-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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952 Personen, welche den Antrag des Baron Rothschild aufgriffen und ein ComitL für den Sp.talsbau bildeten. Zwei übereifrige Doctoren unternahmen auch sogleich eine Reise in's Ausland, angeblich, um die neuesten Einrichtungen kennen zu lernen, welche Excursion 3000 fl. kostete. Nachdem das Comits die Pläne entworfen hatte, wurde der Kostenanschlag für das Spital auf200,000 fl. fixirt. Baron Rothschild ließ diese Summe ausbezahlen, nachdem er schon früher den Wunsch ausgesprochen hatte, man möge den Bau nicht §u gering anschlagen und sich eine Nachtragsforderung ersparen. Der Bau wurde begonnen, war jedoch kaum über das Fundament hinausgerückt, als die 200,000 fl. auch schon ausgegeben waren. Eine Deputation des Comite's begab sich zu Baron Rothschild, stellte demselben vor, es wären Fehler in dem ersten Voranschlags unterlaufen, und bat um weitere 100,000 fl. Auch diese Summe wurde von dem Baron bewilligt, er sprach aber wieder den Wunsch aus, es möge kein abermaliger Nachtragskredit gefordert werden, denn er sei Willens, die Angelegenheit so schnell als möglich abzuwickeln. Der Bau wurde fortgesetzt, aber nach kurzer Zeit stellte sich heraus, daß die Geldmittel noch lange nicht reichen würden. Abermals begab sich das Comite zu dem großmüthigen Spender und bat nur noch um 50,000 fl., die völlig hinreichen sollten, das Spital herzusteüen. Diesmal war der Freiherr v. Rothschild schon ungehalten und erklärte, auch diese Summe geben, jedoch von dem Spitalsbaue nichts weiter wissen zu wollen. Doch auch dieser Betrag reichte für den Bau nicht hin, und obwohl das Spital nur für 100 Betten berechnet ist, war der Ausgaben kein Ende. Zum Ueberflusse ließ sich das Comito in Unterhandlungen wegen einer herzustellenden Ventilation ein, die anfänglich 23,000 fl. kosten sollte, aber in Wirklichkeit jetzt gegen 90,000 fl. kosten wird. Da inzwischen die Geldmittel ausgegangen sind, kann der Bau nicht weiter geführt werden. In der letzten Sitzung des Cultusvorstandes kam der Obmann des Baucomites, Herr Moritz Pollak, auf die Sache zu sprechen, und stellte nach einer langen Darstellung des Sachverhaltes den Antrag, „die Gemeinde möge, da der Baron Rothschild jede weitere „Theilnahme ablehne, aus eigenen Mitteln den Bau zu Ende führen". Dieser Antrag gab nun zu einer heftigen Debatte Anlaß. Ein Mitglied stellte den Gegenantrag, man möge den Bau, der zwecklos und für die Gemeinde kostspielig sei, „unvollendet stehen lassen". Eine heftige und turbulente Scene verursachte aber die Eröffnung, daß der Obmann des Comitö's „schon „35,000 fl. aus Gemeindegeldern für den Bau verwen- „det habe". Es wurden heftige Vorwürfe gegen dieses Vorgehen laut, da ftatutsmähig jede Ausgabe über 100 fl. vor das Plenum des Ausschusses gebracht werden soll. Ein Beschluß, ob weiter zu bauen, oder der Bau einzuftellen sei, wurde nicht gefaßt, da der Bau bis heute 440,000 fl. verschlang und vielleicht noch 100,000 fl. kosten wird. In den nächsten Tagen wird über diese Frage indessen doch ein Beschluß gefaßt werden müffen! (N. W. T.) Wien, 25. Oct. Der Kriegsminister Baron Kuhn hat endlich gestern die Interpellation über die Karmelin-Affaire beantwortet, aber in ganz ungenügender Weise. Er erklärte, es könne in dieser Angelegenheit von seiner Seite nichts eingeleitet werden, bevor der bezügliche Proceß zum Abschluß gelangt sei. Die Interpellanten wollten bekanntlich wissen, warum der Kriegsminister keinen Einspruch gegen das gesetzwidrige Vorgehen der k. k. Rekrutirungscommission erhoben habe. Die Interpellanten beabsichtigen nunmehr, im österreichrschen Abgeordnetenhause sowohl den Justizminister, wie die Minister des Innern und der Landesvertheidigung wegen jener scandalösen Vorgänge zu interpelliren. Prag. Gegen die Juden kam es in Hloupetin bei Prag zu Ausschreitungen. Am 22. October, so berichtet ein czechisches Blatt, kam der Schmiedgeselle K. Zeithammer in den Branntweinladen des Herrn Polak, der ihn. da er sich tüchtig betrunken hatte, hinauswarf. Darauf kehrte Zeithammcr mit seinem Bruder und anderen Arbeitern, die aus der Arbeit gingen, zurück, sie drangen in den Laden ein und zertrümmerten Alles, was sie fanden. Die Polaks flüchteten sich durch die Hinterthür. An: nächsten Tage lauerten zwei andere Brüder Zeithammer's an verschiedenen Stellen auf die Polaks, und nur durch das Einschreiten der Gendarmen wurde weiteren Excessen vorgebeugt. Auch am Abend mußten die anwesenden vier Gendarmen die vor dem Laden sich zusammenrottenden Arbeiter auseinanderjagen. Die Brüder Zeithammer wurden dem Prager Sttafgerichte übergeben. Stanislau (Galizien), 27. Oct. In dem wegerl Bestechung bei der Assentirung hier verhandelten Straiprocesse ist das auf heute vertagte Urtheil soeben verkündet worden. Nach demselben wird der Hauptangcklagte Manes Margules zu 1 jähriger, der Lohnschreiber Cicialewski zu Smonatlicher schwerer Kerkerstrafe vcrurthcilt; 34 andere Angeklagte erhielten Kerkerstrafen von 14tägiger bis zu 6monatlicher Dauer. Der Adjunkt Michael Moisowicz wurde wegen Mißbrauchs der Amtsgewalt mit dreimonatlichem Kerker bestraft. 30 andere Angeklagte wurden freigesprochen. (W. T. B.)

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