Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 45 (6.11.1872)
- Date
- 1872-11-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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_y!>3 938 auf feine Hinterbliebenen vererben, und der Allgütige uns ferner vor allem Schlimmen bewahren man yri .□'je /D }yo nyan imi r.riDi n#Ä £e ft er r. Ungar. Monarchie. WtEN. Am Simchaß- Thorafest begab sich eine größere Anzahl Israeliten um 2 Nhr Morgens in's Cafä Blödy. Dahin kamen bald nachher 25 Soldaten vom 44. Jnfanterie-Regimente Erzherzog Albrecht und begannen mit den Gästen Srreit. Gegen die anwesenden Mädchen benahmen sie sich in der unverschämtesten Weife, was ihnen entschieden verwiesen wurde. Die Soldaten zogen die Säbel und attakirten die Civilisten, welche sich unter die Tische und Billards versteckten. Von da wurden sie durch Säbelhiebe weggejagt. Indessen hotten die Kellner Wache geholt und drangen bald darauf 10 Mann der Sicherheitswache mit gezücktem Säbel auf die militärischen Exzedenten ein. Es entspann sich ein Kampf, der blutigen Ausgang nahm. Der Inspektor wurde am Arme verwundet, mehrere der Wachleute erhielten Hiebe auf den Kopf. Einige Frauen und Mädchen wurden leicht verletzt. Erst nachdem eine Militärpatrouille requirirt wotden, wurden die Exzedenten bewältigt und ihrem RegimentÄommando eingeliefert. Der Vorfall machte in Wien ungeheures Aufsehen. Prag. In einer Synagoge zu Prag fehlte es beim Chore an einigen Solisten, und da man unter den Juden keinen Ersatz finden konnte, so beschloß man, für das Neujahr und Versöhnungsfest Christen zu engagiren Der Beschluß wurde ausgeführt und die christlichen Sänger in Talith- und jüdische Sterbekleider (Sargencs) gehüllt.'! (Univ. Jsr.) Frankreich. Paris. Bei der vorige Woche in Algier für die französische Nationalversammlung vorgenommenen Wahl zwischen Crämieux und Bertholon erhielt erfterer 4572 und letzterer 3632 Stimmen. Somit ist Cromieux in die französische Nationalversammlung gewählt worden. Paris. Die katholische Kirche Frankreichs ist durch einen neuen Scandal betrübt worden. Der ftiester Bauer will sich mit einer Wittwe, die zwei inder hat, verheirathen. Bauer ist ein österreichischer Jude, der sich zum Katholicismus bekannt hat. Wenn diese Lection dazu beitragen würde, die Kirche zu veranlassen, von ihrer Manie, Bekehrungen unter den Juden zu veranstalten, zurückzükommcn, so könnte ihr Glück gewünscht werden zu dem, was geschehen ist. (Rev. Jsr.) Paris. Noch in keinem Jahre war der Gottesdienst am Neujahr- und Versöhnungsfeste so zahlreich besucht, wie diesesmal. Die Synagogen und die zahlreichen Privatbetzimmer waren im wahren Sinn des Wortes ganz überfüllt. (Univ. Jsr.) England. London. Am Vorabend des Versöhnungstages zahlte ein Anonymus an den Cassirer des jüdischen Reconvalescentenhauses die Summe von 12,000 Gulden als Beitrag fiir diese Institution. Das jüdische Reconvalescentenhaus, ein ausgezeichnetes und gut eingerichtetes Institut, ist zum Andenken an die verstorbene wohlthätige und fromme Judith Lady Montefiore errichtet worden. (Jew. Ehr.) Feuilleton. II. „Wie," fragte Herr Müller, „Sie, Herr Bruchhäuser, ein Künstler, der eben von Italien zurückkehrt, Sie tragen Bedenken, an nichtjüdischer t&ble d’höte zu essen d Ich muß gestehen, Ihre Familie hatte von jeher ganz absonderliche Menschen! Schon Ihr Großvater war, nehmen Sie es mir nicht übel, ein Sonderling; er erzog Ihren Vater in ganz, mittelalterlichen Grundsätzen und ließ ihn Arznei studiren! Arzneikunde und Talmud, Naturwissenschaften und Schulchan Aruch, wie reimt sich das zusammen?" „„In den verflossenen Jahrhunderten,"" entgegnete Berthold, „„gab es sehr viele streng religiöse, jüdische Aerzte." " „Ja, in den verflossenen Jahrhunderten! Heutzutage sind die meisten Aerzte Materialisten, und sie behaupten, ihre Studien führten sie dahin." „„Sie sehen aber, daß mein Vater diese Gegensätze ganz gut in sich vereint und daß ihn das eifrige Studium der Naturwissenschaften der Religion der Väter nicht entfremdet hat."" „Ihr Herr Vater ist in der That ein noch größerer Sonderling als Ihr Großvater es gewesen. Wie hätte er sonst seinen Sohn religiös erzogen und ihn dennoch Maler werden lassen! Ihre Studien, Ihre Genossen, der Verkehr mit Gleichstrebenden, die ganze Rich-