Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 45 (6.11.1872)
- Date
- 1872-11-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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935 sie keinen anderen Zufluchtsort als bei den Eltern, weil sie wissen, daß sie bei Niemand sonst besseren Schutz finden, als bei ihnen; wenn schon die Kinder großes Vertrauen zu ihren Eltern haben, die doch selbst nicht immer im Stande sind, Hilfe zu leisten, um wie viel mehr müssen sie unbedingtes Vertrauen zu Gott besitzen und bei Ihm Zuflucht buchen, da Gott doch allein es ist, der uns vor jedem Uebel schützen und alles Gute erweisen kann. So drückt sich auch König David im Psalm 90 aus: nni nnn uP n«n nn*< nyo 'i, „Ewiger, Zuflucht bist Du uns gewesen von Geschlecht zu Geschlecht", und im Psalm 62: uoo o '.btsj ’cn O'plvrrv -j» ’mpn, „Meine Hoffnung ist auf Gott gerichtet und ich finde nur Ruhe, wenn ich mich zu Ihm wende." Wenn die Eltern uns bestrafen, so müssen wir denken, daß es zu unserem Besten ist; ebenso wenn Gott uns mit Unglück heimsucht, müssen wir es mit Liebe annehmen und davon überzeugt sein, daß es zu unseren Gunsten ist, wie auch König Salomon in seinen Sprüchen sagt: nsrv p n# 2x21 mn’ 'n nw o, „Gott bestraft denjenigen, den er liebt, sowie ein Vater seinen Sohn zu seinem eigenen Besten bestraft." Wenn die Eltern strenge sind gegen die Kinder, müssen die Kinder ihnen noch dankbar dafür sein und indem sie die Eltern achten, manifestiren sie die Furcht und die Liebe, von der sie Gott gegenüber durchdrungen sind. XII. Die Zizith und die M esu sah. Frage: Mein Vater! Welche Bedeutung haben die Zizith und die Mesusah? Antwort: Mein Sohn! Die Schaufäden, welche an den vier Ecken unserer Kleider hängen und uns immer sichtbar sind, sollen uns, wenn wir sie betrachten, an alle Befchle Gottes erinnern; denn es kann gar leicht geschehen, und besonders in der Jugend, daß der Mensch sie vergißt und sich von der Leidenschaft Hinreißen läßt. Wenn man die Zizith betrachtet, so erwirbt man die Kraft, der Sünde zu widerstehen, und dadurch beweist man, daß Gott Zeuge unserer Handlungen ist. So erzählt der Talmud, daß eines Tages ein junger Mann sich von der Leidenschaft hatte hinreißen lassen wollen und nur durch die Zizith, die ihm ins Auge schlugen, daran gehindert wurde. Er wurde dadurch derart bewegt, daß er sich aller heiligen Pflichten, die er zu vernachlässigen im Begriffe war, erinnerte und den Weg der Tugend einschlug. Der Inhalt der Mesusah, welche wir am Eingang unserer Wohnung anschlagen, soll uns beim Eintritt in unser Haus und beim Austritt aus demselben erinnern, daß der Allmächtige, welcher die Welt regiert, unsere Schritte leitet, daß wir Ihn von ganzem perzen anbeten und lieben sollen, daß Er uns Seinen Segen verleihe, um im Stande zu sein, Gutes zu thun. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 29. Oct. Sehr hübsch nimmt sich eine nrDT) (Strafrede) aus, welche die „Alzeyer Zeitung" vom 19. Oct. den dortigen Israeliten hält „Warum." fragt diese liberale Zeitung, „verkauft Ihr am Sabbat, warum acceptirt und honorirt Ihr Wechsel an diesem Tage, warum raucht Ihr Pfeifen und Cigarren am Ruhetage des Herrn, warum lasset Ihr Euch mit dem Scheermesser rasiren V‘ Dann werden die jetztlebenden Alzeyer Israeliten an ihre auf dem Friedhofe ruhenden Vorfahren gemahnt, welche alle diese von dem gegenwärtigen Geschlechte über Bord geworfenen Gesetze mit der größten Sttenge und Frömmigkeit befolgt haben. Es ist weit genug gekommen, daß Juden von Nichtjuden an ihre Pflichten erinnert werden müssen! Thiengen (Baden). Herr Heinrich Guggenheim, ein achtbares Mitglied hiesiger Gemeinde, versieht schon seit 40 Jahren an den hohen Feiertagen die Stelle eines Porbeters und ypin Pyx In Anbetracht dessen hat sich die israel. Gemeinde auf Anregung des Herrn Vorstehers B. Bernheim dahier dahin geeinigt, demselben ihre Anerkennung in Form von Darreichung eines silbernen Pokals mit paffender Inschrift undEingravirung eines Schofars darzubringen. Die Uebergabe fand in feierlicher Weise unter Anwesenheit sänuntlicher Gemeindemitglieder am Simchath Thora im Schullokale statt, und nachdem der Herr Vorsteher in warmen, beredten Worten die Vorzüge des Gefeierten hervorgehoben, im Namen der ganzen Gemeinde für deffen uneigennützige , nur □"Da? nwb geleistete Dienste seinen Dank abgestattet und namenttich auch das mit Recht zu betonen wußte, wie der Genannte bei Trauerfällen seine eifrige Theilnahme und Mitwirkung besonders DV?in"npa non nnVn überhaupt in iDn bekundet, trennte man sich, um Nachmittags im jüdischen Gafthause die Feierlichkeit in ftöhlicher, heiterer Weise zu beschließen. F. Berlin, 28. Oct. Am 21. d. M. hat Kaiser Wilhelm den Schiedsspruch in der zwischen England und der nordamerikanischen Union schwebenden San Juan- Frage gechan. Es ist das das erste Mal, daß das