Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 45 (6.11.1872)
- Date
- 1872-11-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2447551-2447595--11006-2466771- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
934 von der Ewigkeit und Ursprünglichkeit der Materie gemeinsam. Die Consequenzen der beiden sich entgegenstchenden Lehren sind von der allergrößten Tragweite. Ist die Materie ewig und ursprünglich, so ist die ganze Welt ein planloses, wirres Durcheinander, ein Gebilde des Zufalles, ein Sichaneinanderreihen von Massen ohne Plan, Ziel und Zweck; dann gibt es weder Sitte, noch Tugend, noch Recht; dann gibt es nur einen Kampf um's Dasein, einen Krieg Aller gegen Alle, und Raub und Gewalt wären vollkommen berechtigt, wenn überhaupt die Menschheit dabei bestehen und gedeihen könnte. Ist aber die Well das Werk eines weisen Schöpfers, so ist Alles von Ihm geschaffen, gebildet, gemacht, geordnet und den von Ihm gegebenen Gesetzen untergeordnet; so ist Sein Gesetz der Ursprung des Rechts, der Sitte und der Tugend; so sind alle Wesen Seine Geschöpfe, alle Menschen Kinder Eines Vaters, und Liebe und Wohlwollen sollen herrschen auf Erden. Daher steht an der Spitze der Thora das Wort H’i£\n-q, ,im Anfänge," weil eben die erste Grundlage der Religion Israels die Lehre ist, daß die Welt einen Anfang hat. „Erschuf" k-ü. Wir könnten einfach sagen, daß das Wort scü, „erschuf," deßhalb die zweite Stelle einnehinen muß, weil, wenn der Gottesname dem ersten Worte folgen würde, ein entsetzliches Mißverständnis platzgreifeu hätte können, indem man n-K'x~i3 als Status construotus zum Gottesnamcn hinzu hätte ziehen können; man könnte ferner sagen, daß das in der Einzahl stehende Zeitwort sofort beweisen müsse, daß der pluralis majestatis v'-iid-r keine Mehrzahl bedeute; allein vorzugsweise soll wohl dadurch hervorgehoben werden, daß die That Gottes es ist, welcher die Welt ihre Entstehung verdankt. Die That Gottes geht für uns der Trennung Seines Namens voraus; von der That Gottes erfahren wir früher denn von Ihm; aus Seinen Werken können wir Ihn erkennen. (Fortsetzung folgt.) Religiöse Mehrung im j«2>. Familienkreise. Nach dem Französ. des B. Kosmann. XI. Die Elternliebe. *10X NN “j’3X HK "133 Frage: Mein Vater? Das Gesetz befiehlt, die Eltern zu ehren; müssen die Kinder sie auch dann ehren, wenn sie zu streng gegen sie sind? Antwort: Mein Sohn? Die den Eltern zu erweisende Ehre ist eine der wichtigsten Pflichten. Derjenige, der dieses Gesetz beobachtet, hat den größten Schritt gemacht, zu begreifen, wie man Gott hochachten und dienen soll. Wir müssen unsere Eltern achten; denn von unserer frühesten Jugend haben sie sich mit uns beschäftigt; sie haben uns erzogen, sie haben uns ernährt und Alles, was zu unserer Erziehung beitragen konnte, war ihre Sorge. Wenn wir unsere Eltern achten, um wie viel mehr haben wir Grund, Gott hochzuschätzen; denn die Güte der Eltern gegen ihre Kinder ist im Vergleich zu der Güte Gottes gegen uns für Nichts zu achten. Die Eltern begreifen nicht immer den Beruf, der für ihre Kinder passend ist, und wenn es etwas ist, was sie verstehen, so haben sie nicht immer die Mittel dazu, und wenn sie die Mittel dazrl haben, so ist noch die Frage, ob das Kind Carriöre macht, während dem gerechten Manne von Gott seine Zukunft gesichert ist. Wenn ein Kind seinen Eltern nicht gehorcht, oder wenn es im Unglücke sich befindet, 'kann es leicht geschehen, daß die Eltern ihm jede Hilfe verweigern; aber zu Gott kann der Mensch bis ,zu seinem letzten Augenblick zurückkehren und seine Zuflucht bei Ihm finden. Wenn die Eltern ihren Kindern Gutes erweisen, so sind sie nicht immer gewiß, ob es gut angewendet und sie darum manchmal gezwungen sein werden, sich von ibren Kindern zurückzuziehen; aber wenn Gott Gutes verspricht, so zieht er es niemals zurück. Einen bösen Beschluß zieht Gott in seiner Gnade zurück. Als die Kinder Israel das goldene Kalb angebetet Hutten, nahm Gott nach dem Gebete Moses das über Israel ausgesprochene Urtheil zurück. Der Prophet Jonas hatte in der Stadr Niniweh verkündet, daß sie wegen ihrer Sünden in 40 Tagen zerstört werden würde; als aber das Volk feine Sünden bereute, verzieh Gott der Stadt, und sie wurde nicht zerstört. Aber bezüglich des (Shitcit zieht Gott niemals sein Wort zurück. So sagte Bileam zum König Balak: 3?3u >x tp\x xv Dmrm dix pi. Der König hatte den Bileam gebeten, zu verhindern, \ daß die Israeliten in das heilge Land einziehen; er aber antwortete ihm, daß dies unmöglich sei, denn Gott hat den Israeliten das heilige Land versprochen und für das Gute zieht Gott niemals sein Wort zurück. Auch der Prophet Samuel spricht sich so aus. xb nyj oji. Als König Saul den Propheten Samuel darum anging, für ihn zu Gott zu beten, daß die Krone bei seinem Hause verbleiben möge, antwortete ihm der Prophet, daß die Krone schon David versprochen sei, und für das Gute nimmt Gott niemals sein Wort zurück. Die Eltern sind die Stellvertteter Gottes auf Er- I den. Wenn die Kinder ein Unglück befürchten, so haben