Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 44 (30.10.1872)
- Date
- 1872-10-30
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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922 trächtigen. Am Sabbat und an Feiertagen war sein Geschäft streng geschloffen, nicht nur aus eigenen Mitfe&t war er bemüht, den Arme» zu spenden, sondern er ließ es sich auch angelegen sein. Andere zu edler Verwebung ihres Gottessegens anzuregM. Mitten in diesem schöne» Leben, noch in der rüstigsten Manneskraft, da noch Jünglingsfeuer seine Adern durchströmte, ereilte de» Braven urplötzlich sein Geschick. I» Freienwalde, wo er mit seiner Gemahlin zur Erholung den Spatsormner zubrachte, wurde er vom Schlage getroffen, als Leiche hierher befördert und auf dem hiesigen nropn n<: bestattet. Wohl ihm, daß es ihm vergönnt, den beseeügenden Gedanken in's Jenseits mit hinüberzunehmen, daß durch seine Söhne, die er ganz nach seinen Grundsätzen und in feinem Geiste erzogen, sein eigenes Leben in gleich edler und musterhafter Weise fortgesetzt werde. Hamburg, 6. October. Das Testament des am 19. Sept. verstorbenen Jacob Segalla wurde vorigen Donnerstag eröffnet. In demselben find folgende Legate ausgesetzt: B.-M. 1100 dem neuen isr. Tempelvorein, B.-M. 700 der Talmud-Thora-Schule. B.-M. 700 der isr. Stiftungsschule von 1815, B.-M. 1000 dem Frauen-Verein zur Unterstützung und Armenpflege, B.-M. 700 der Blinden-Anftatt, B.-M. 500 der Taubstummen-Anstalt, B.-M. 500 der Pauüneu-Stiftung, B.-M. 500 dem weibl. Kranken-Verein, B.-M. 300 dem Verein zur Unterstützung isr. Wittwen und betagter Jungfrauen, B.-M. 900 der Irren-Anstalt, B.-M. 700 der Eduard Kley-Stiftung, B-M. 6<X) der Pensionskasse für Predigerwittwen am israel. Tempel, B.- M. 500 der Hamburger Wittwenkasse für Aerzte, B.- M. 500 dem isr. Unterstützungs-Verein von 1828, B.- M. 500 der Schule der Paulsen-Stiftung, B.-M. 500 dem Verein zur Vertheilung von Feuerung an israel. Anne und B.-M. 500 an die Paulsen-Stiftung. Au Testamentserecutoren sind ernannt Dr. Woltson und Jacöb Arnthal. Oftrowo, 13. Oct. Von dem entsetzlichen Unglück, was sich hier ereignet hat, werden Ihren Lesern die politischen Blätter früher Kunde bringen, als sie diese Zeilen erreichen werden; ich will mich daher kurz fassen. Unmittelbar nach der am Kol - Nidra - Abend stattgehabten Predigt erloschen sämmtliche Gaslichter, wodurch die -Frauensynagoge ganz dunkel wurde, während die Jom-Kippur-Kerzen die Männersynagoge spärlich erhellten. Eine Frau machte die Bemerkung: „Es wird kein Wasser im Gasometer sein!" Das Wort „Wasier" wurde oon andern Frauen gehört, die nun meinten, man verlange Waffer, um in der Synagoge ausgebwchenes Feuer zu löschen. Attsogleich erscholl der Schreckcnsruf „Feuer!", und die Frauen stürzten die dunkle Treppe hinunter, nicht achtend auf den Zuruf der Männer, welche sie ermahnten, ruhig auf ihren Plätze« zu bleiben. Unglücklicherweise war die Thüre, die aus der Synagoge führte, verschlossen, wie das während der Predigt zu geschehen pflegt. Die unten angelangten Frauen können nicht hinaus; von oben stürzen die andern nach und pressen die ersten gegen die verschlossene Thüre; diese, die nach innen geöffnet wird, kann, da der Synagogendieuer mit dem Schlüssel herbeieilt, wegen des sich gegen sie stemmenden Gewichtes nicht ausgemacht werden. Endlich erscheint die Feuerwehr, um sie mit Aexteu aufzuhauen. Welch ein Anblick bietet sich nun dar! 20 Personen — 15 Frauen, 3 jüdische und 3 christliche Mädchen — sind todt, viele andere Haber: Arm oder Bein gebrochen oder sonst schwere Verletzungen erlitten! Heute, am Sonntage, wurden die Leichen zur Erde bestattet. Tausende von Menschen waren zu dieser traurigen Feier von allen Seiten herbeigeftrömt, und die Ordnung mußte durch Mlitär aufrecht erhalten werden. Herr Rabbiner Frey mann sprach schr ergreifend; Srtöme von Thränen vergossen die Anwesenden. Möge der allgütige Gott vor so schrecklichen Katastrophen fürder gnädiglich behüten, möge man aber auch nicht versäumen, durch entsprechende Vorsicht, durch Anlegung mehrerer Ausgänge und namentlich durch Nichtabschlioßung der Pforten während des Gottesdienstes das Seinige zur Fernhaltung derartiger Unglücksfälle beizu tragen. Auch sollte inan den Kol-Nidra-Gottesdienst durch Predigt nicht unnöthiger Weise verlängern. Attona. Bei dem weitgehenden Jntereffe, welches das neue Gemeinde - Statut der hiesigen isr. hochdeutschen Gemeinde ohne Zweifel zu erwecken berufen seilt dürste, wird es gerechtfertigt erscheinen, wenn wir dasselbe etwas näher in's Auge faffen und in seinen Hauptgrundzügen wiedergeben. Nach demselben umfaßt die hochdeutsche Israeliten - Gemeinde, deren Zweck die selbstständige Ordnung und Leitung des isr. Cultus ist, alle in dem Stadtkreise Altona wohnhaften Israeliten, mit Ausnahme der Mitglieder der portugiesisch-jüdischen Gemeinde. Die Angehörigen der Gemeinde sind entweder Gemeindemitglieder, welche zur Theilnahme an den Gemeindelaften verpflichtet und zur Mitbenutzung der öffentlichen Anstalten der Gemeinde berechtigt sind, gleichwie ihnen auch das active Wahlrecht bei allen Gemeindcwahlen zusteht, oder Gemeindebürger, welche außerdem die Fähigkeit besitzen zur Uebernahme unbesoldeter Aemter und Functionen in der Gemeindeverwaltung. und das Recht zur Theilnahme an den in der Gemeinde bestehenden Legaten und Stiftungen. Jeden im Bezirk der Gemeinde wohnhafte Israelit ist Gemeindemitglied. Das Genieindebürgerrccht steht den Kindern der Gemeindebürger durch die Geburt zu und jedem hier wohnhaften Gemeindemitgliede, welches 5 Jahre regelmäßig seine Gemeindebeträge bezahlt hat oder gegen Erlegung