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Der Israelit · 1872-10-30 · Heft 44 (30.10.1872) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 44 (30.10.1872)
Date
1872-10-30
Page
– (sequence 11)
Language
German
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923 einer deni fünffachen Betrage seiner derma ligen jährlichen Gemeindesteuer entsprechenden Summe dem Vorstände seine Absicht, Gemeindebürger zu sein, erklärt. Durch Ausgeben des hiesigen Wohnsitzes geht das Bürgerrecht verloren. Die Vertretung der Gemeinde und die Verwaltung ihrer Angelegenheiten ist dem aus 7 Personen bestehenden Vorstande und den 9 Repräsentanten übertragen, welche beide von den Gemeindemitgliedern direct gewählt werden. Die Wahlfähigkeit wird bedingt durch rechtliche Selbstständigkeit und Dispositionsbefngniß. durch Unbescholtenheit und Zahlung der Gemeindeabgaben, die Wählbarkeit außerdem durch den Besitz des Gemeindebürgerrechts und durch ein Alter von vollen 25 Jahren. Besoldete Gemeindebeamte können nicht Mitglied der Collegien sein, auch Niemand gleichzeitig Mitglied beider Collegien. Verwandtschaft näheren Grades und Societätsverhältnisse machen die Mitgliedschaft ebenfalls unmöglich. Die regelmäßigen Wahlen finden alljährlich im November statt und entscheidet bei denselben einfache Majorität. Es können an einem Wahltermine höchstens vier Wahlen vollzogen werden und findet im Fall der Ablehnung oder Stimmengleichheit ein zweiter Wahlact statt. Uffheim im Elsaß. Es ist der menschlichen Natur eigen, sich mit Wehmuth von der Vergangenheit loszusagen und in neue Verhältniffe zu fügen. So geht es uns Kraeliten im Elsaß. Das verlorene Vaterland war uns theuer; wir bemühen uns jedoch, in die Verhältnisse des neuen uns hineinzuleben, und (6 rottf wir haben uns auch nicht im Mindesten über die Verwaltung und die Obrigkeit zu beklagen. Der schreckliche Krieg mit feinen traurigen Folgen hat doch bei uns eine gute Saat ausgeftreut. So hat man eine gewisse Partei, die in unserer Gegend viel des Unheils gesäet, verstummen gemacht. Das Organ derselben, der „Elsässifche Bote" nämlich, ein Lügenblatt ersten Ranges, das sich stets mit Verleumdungen gegen die Juden und mit rohen Angriffen auf deren tcnip nBD befaßte, hätte sicherlich seinen gemeinen Zweck, die beklagenswürdigen Begebenheiten im Sundgau von 1848 nicht nur zu wiederholen, sondern auch in größerer Ausdehnung erscheinen zu lassen, erreicht, wenn die Oberbehörde es nicht für gilt befunden hätte, ihm einen Maulkorb anzulegen. Und so ist n"3 aller Haß gegen die Jehudim tast erloschen und wir leben mit unseren nichtjüdischen Mitbürgern in vollkommener Einttacht. Was die Reformbestrebungen im öffentlichen Gottesdienst anbelangt, ist gottlob e ne Wendung znm Bessern eingetreten. Kurz vor dem Kriege hat nämlich der Großrabbiner von Kolmar ein Circular erlassen mit der Aufforderung, mehrere Piutim zu snspendiren, welchem jedoch bei der Wendung der Dinge in den meisten Gemeinden keine Folge geleistet wird. Denn wir sind der Ansicht, daß man einem -i^pn -np'br« einem pyoit' pliL' p, einem Dn^Ji und andern für unsere rwnpn mm begeisterten Männern mindestens ebensoviel Vertrauen schenken kann, als unfern gelehrten Zeitgenossen. Obschon der Jndifferentismns hier eingerissen, so gibt es doch noch viele Jehudim, denen unsere heilige Religion sehr am Herzen liegt. In dieser Hinsicht gebührt unserm Rabbiner, dem ehrwürdigen Greis H. H i r s ch, das verdiente Lob. Dieser sucht mit allen Kräften mm nTDso zu erhalten. Diesen erfreute und erbaute uns derselbe wieder durch eine angenehme ntcm, welche wie alle feine Reden aus dem Herzen kam und daher in's Herz drang. Tief zu beklagen ist, daß in unserer Gegend leider so wenig für min t.d^ geschieht. Es ist wahrhaft Besorgniß erregend, wenn man bemerkt, in welcher traurigen Ignoranz in araa» min die Jugend heranwächst. Wenn dieser Zustand i"n noch ein paar Jahre dauert, so ist das Schlimmste zu befürchten, daß nämlich unser heiligstes Erbtheil gänzlich in Vergessenheit kömmt, denn 'd:p mwo '"an sind bereits schon der neuen Generation gänzlich unbekannt. Gott bessere es. Daniel Dreyfuß. O e ft e r r. - U n g a r. Monarchie. Pesth, 4. Oet. Ein junger Mann, Namens S., welcher in einem hiesigen Handlungshause als Buchhalter schon seit acht Jahren angeftellt ist, und welcher sich bereits so sehr das Vertrauen seines Chefs erworben hatte, daß er ihn als Familienglied und zwar als seinen künftigen Schwiegersohn aufzunehmen in Aussicht stellte, entfernte sich am Versöhnungstage gegen Mittag aus dem Tempel, angeblich um ftische Luft zu genießen; verfügte sich jedoch in das Hotel „Hungaria", um dott seinen Hunger zu stillen. Seine Tischgesellschaft war ein ihm unbekannter Herr, mit welchem er sich jedoch bald in eine Konversation eingelassen hatte. Nach beendetem Diner begab sich S. Wieder in den Tempel, während der andere Herr noch im Hotel zurückblieb. Tags darauf erscheint der Fremde im Comptoir und bedeutet dem jungen Manne, daß am Samstag im Hotel eine Verwechslung der Hüte stattzefunden habe. Der Chef des Hauses sowohl, welcher der streng orthodoxen Partei angehört und in dessen Gegenwart das Gespräch geführt wurde, als auch Herr S. blieben sprachlos, und als der Fremde sich entfernt hatte, entband der Chef den jungen Mann augenblicklich seines Dienstes, Gott dankend, daß er ihn vor diesem Heuchler geschützt, ehe es zu spät war. Schweiz. Bafel. Die „Swiß Times" meldet, daß sich in Basel viele elsässische Israeliten, die für Frankreich optirt, niedergelassen haben, um in der Nähe ihres früheren Wohnsitzes zu sein.

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