Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 44 (30.10.1872)
- Date
- 1872-10-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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918 Hamburg, 8. October. In einen: Processe zwischen S. M. Pinyon u. Co., Kläger, gegen I. Glaser, Beklagten, war der Letztere in dem zur Beibringung der der Dujüik angesetzten Termin, weil der betreffende Tag ein jüdischer Feiertag war, nicht erschienen. Durch Erkenntniß der 2. Prätur vom 7. Oct. 1872 wurde der Beklagte darauf seiner Duplik für verlustig erklärt. Es heißt in dieser Beziehung in der Erkenntniß: daß der ohne rechtlichen Entschuldigungsgrund — denn das Hamburgische Recht kennt als Zeiten, an denen die processualifche Thätigkeit ruht, nur die vom Staate als solche genehmigten Zeiten, zu welchen die Feiertage des mosaischen Cultus nicht gehören — ausgebliebene Beklagte seiner Duplik in contumaciam für verlustig zu erklären. Altona. Qi». Die Zahl der Bewerber um die Stelle als Oberrabbiner hier soll eine sehr bedeutende sein und wird die Aufgabe der Präsentat.- Eommission, aus derselben bte drei würdigsten und geeignetsten auszuscheiden und der Gemeinde zur Auswahl in Vorschlag zu bringen, demnach keine ganz leichte sein. — Gestern, als rpiff cav, predigte in der hiesigen großen Synagoge Herr vr. I. Holländer, Stistsrabb. in Hannover, V'ninQ pm *pnn am p wm HDD , und Mitredacteur der „Jüdischen Presse". Unter den sehr zahlreichen versammelten Zuhörern gab sich eine durchweg günstige Ansicht über den Vortrag des jungen Redners kund. Herr vr. H. verweilt hier bei feinen Angehörigen während der hoher: Feiertage. Feuilleton. Das Trstamrnt. i. Im Sommer des Jahres 71 hatten wir das Vergnügen , von einem jungen Mann besucht zu werden, dessen Persönlichkeit :n hohem Grade unser Interesse erregte. Berthold Bruchhäuser, so heißt der junge Mann, ist Landschaftsmaler; er kehrte damals von einer Studienreise aus Italien zurück. Es war wenige seine Kunst, von der wir damals noch keine Proben gesehen hatten, die uns interessirte. sondern die in unser:: Tagen gewiß höchst merkwürdige Erscheinung, daß der junge Künstler kam, um sich bei uns zu erkundigen, in welcher Restauration am strengsten den Anforderungen des jüdischen Speisegesetzes nachgekommen werde. Bei dieser Gelegenheit erzählte uns der junge Mann, wie schwer es ihm manchmal geworden, in seinem Berufe als Jude zu leben und wie er namentlich in Italien gar viele Entbehrungen gerne und freudig ertragen hatte. Als wir vor wenigen Wochen uns kurze Zeit am Niederrhein aufhielten, hatten wir die Freude, den jungen Mann wieder zu sehen, und er erzählte uns eine Reihe merkwürdiger Erlebnisse, zu denen seine Abreise von Mainz im vorigen Jahre den Ausgangspunkt bildete. Wir wollen dieselben mit der Zustimmung des Helden unserer Geschichte unser:: Lesern mittheilen. Es war ein wundervoller, warmer Sommertag, als Berthold Bruchhäuser Morgens 9 Uhr das Dampsboot „Deutscher Kaiser" bestieg, um mit diesem Schnellfahrer in seine an: Niederrhein gelegene Vaterstadt und zu seinem daselbst als practischem Arzt thätigen Vater zurückzukehren. Das Dampfboot war sehr besetzt, denn im Sommer ziehen es die meisten Reisenden vor, statt die an beiden Ufern des Rheines dahinziehenden Schienenwege zu benützen, auf den: Wasser zu fahren und in angenehmer Kühle die wundervolle Aussicht zu genießen; dazu kömmt noch, daß bei der Thalfahrt die Schnell- Dampfboote nur wenig mehr Zeit als die Locomotive gebrauchen und zwischen Mainz und Cöln nur dreimal anhalten. Die Einrichtung dieser großen Dampfboote, die keinen zwerten und dritten Psatz haben, ist im höchsten Grade schön, bequem und elegant. Hoch oben'auf dem Verdecke athmet man die köstlichste Luft und erfreut sich an heißen Sommertagen der erfrischendsten Kühle, während das Auge entzückt die bald lieblichen, bald grotesken Ufer des Rheines betrachtet. Berthold hatte sich einen Sitz an der Spitze des Schiffes ausgesucht und schaute mit dem Auge des Landschaftsmalers prüfend und sichtend auf die wunderherrliche Scenerie. Langsam drehte sich das Schiff, um an den in der Mitte des Rheines ihre Räder wälzenden Wassermühlen vorüberzufahren. Da lag es, das goldene Mainz mit seinen vielen Thürmen, Palästen und palastartigen Gasthöfen im vollen Sonnenschein glänzend. Kleine Dampfboote, die den Localverkehr mit den in der Nähe liegendenStädtchen vermitteln, fuhren pfeilschnell über die grüne Wasserfläche, während große Schleppdampfer keuchend und rasselnd ganze Reihen schwer beladener Boote stromaufwärts zogen. Im Süden scheint auf den ersten Blick die feste Eisenbahnbrücke den Gesichtskreis abzuschließen. Sieht man aber genauer hin, so erblickt man in der Ferne am äußersten Ende des Horizonts die Höhen des Donnersbergs und der Bergstraße, während ganz in der Nähe im Norden und Nordosten die mächtige Gebirgskette des Taunus sich hinstreckt. Man sieht die Sonnenstrahlen sich in den Fenstern des auf des Gebirges höchstem Gipfel, dem Feldberge, erbauten Hauses spiegeln; am Abhange des Taunus sieht man Wiesbaden