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Der Israelit · 1872-10-30 · Heft 44 (30.10.1872) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 44 (30.10.1872)
Date
1872-10-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
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tirte ihn folgendermaßen: „Hütet euch vor dem Krebsschaden, zu befolgen und zu thun, was die Rabbinen euch lehren werden; denn die Rabbinen und ihre Lehre, die sind ein Krebsschaden; hütet euch, zu befolgen und zu thun, was die Priester euch heißen; ihr sollt nur thun, was Moscheh in der Thora vorgeschrieben H!" „ Herr Rabbiner Fleißig fügte dieser mina dus 712-71 rr-lN, diesem ppTii *pTi, dann die Worte hinzu; „Es wird Ihnen, nieine Herren, auffallend sein und werden Sie gewiß darob erstaunen, von einem ergrauten Rabbinen solche Worte zu vernehmen!" Nachdem wir in der Wiener „ Neuzeit" von der Frömmigkeit, Charaktertüchtigkeit, redlichen Gesinnung und [beit vorzüglichen Eigenschaften des Herrn Fleißig gelesen, haben uns dessen gotteslästerliche Interpretationen, dessen wahnwitzige Verdrehungen des heiligen Schriftwortes nicht im Geringsten in Erstaunen gesetzt. Die Zuhörer sahen sich einander an und sagten; „Nun, der ist noch mehr a-ip'S-r als unser Jellinek!" vr. Güdemann aber soll, als er von dieser Predigt hörte, in Ohnmacht gefallen sein. Bei der bekannten Consequenz in der Inkonsequenz der Breslauer Seminaristen jedoch wird Herr G. auch ferner mit Herrn F. j'B'j -HDD rc. sein. Mehr Charakter hat Herr Waffenstein, der Diener des Wiener p no, bewiesen; derselbe hat sein Amt niedergelegt, da er bei derartigen Dajanim nicht mehr als ny (Zeuge) Mitwirken kann rmd will. Wie dasselbe ungarische Blatt berichtet, wird in den Wiener Gemeinde-Tempeln für die Choristen am Versöhnungstage ein lucullisches Mittagsmahl in den Seitenzimmern der Synagoge hergerichtet, damit diese auch noch zu P’yj gut bei Stimme seien!! Die „Neuzeit" erzählt höhnend, daß die von der „Synode" beschlossenen Reformen in Wien an den ca* ctnun eingeführt worden seien, ohne daß sich der Boden aufgethan, um die Rotte der Bösewichter zu verschlingen. Als König Menascheh dereinst im heiligen Tempel zu Jerusalem ein Götzenbild aufftellen ließ, hat sich ebenfalls der Boden nicht aufgethan, um die Rotte der Bösewichter zu verschlingen. Wie mögen die Szanw's von dazumal darob gejubelt haben l Wenn Gott den Sündern gleich nach dem Verbrechet die Strafe schickte, so würde sa die Freiheit des Willens aufhören. Nein, der Allgütige ist ein cdn p« bx selbst solchem Gelichter wie Herrn Szanto gegenüber. Diejenigen Israeliten in Wien aber, denen noch Gottesfurcht im Herzen lebt, mögen sich von der „Rotte der Bösewichter" fernhalten und sich den *jidn 'ai-w btrutf' anschließen. Als Gegenstück zu den geschilderten Vorgängen mag die nachfolgende Correspondenz dienen: Wien, im Tischri. Der vertrauenswürdige und opferwillige Führer der hiesigen glaubenstreuen Jehudim, Herr Rabbiner Salomon Spitzer '"j, der sich bekanntlich in den jüngsten Tagen des Kampfes um die Wahrung unserer alten, unverfälschten Rellgionsprincipien vielfach in Wort und That bewährt, hat durch seine am verflossenen rutcrn 0*0 und naw nsp in der Schiffsynagoge gehaltenen Vorträge den ohnehin eifrigen Wiener Jehudim neue Begeisterung für ihr ernstes Vorhaben eingeflößt. Abgesehen von der Geistes- und Gedankenfülle, die diesen Reden einen erhabenen Charakter verlieh, zeichneten sich dieselben in Sprach- und sachlicher Beziehung besonders durch eine unbeschränkte Offen- und Unumwundenheit aus. Redner verstand es vortrefflich , die ernsten Consequenzen der gegenwärtigen Situation im Judenthume, resp. in hiesiger Gemeinde, nach vorausgeschickter Dissertation mehrerer dunkler Midrasch- und Talmudstellen hervorzuheben, vor der Teilnahme an den immer intensiver hervortretenden Reformgelüsten eindringlich zu warnen, Jndifferentismus und Lethargie als die schädlichen Eigenschaften zu bezeichnen, welche der wahre Jehudi zur Zeit, wenn sein Glaube bedroht ist, nicht eintreten lassen dürfe. Wohl, meine Freunde, rief der Redner begeistert, haben Sie meine von 400 cjot ^rn begutachtete Weisung, die ich Ihnen vor nicht langer Zeit an dieser heiligen Stätte ertheilt, beherzigt und thatsächlich zu Geltung gebracht; Sie haben sich auf meine Anregung hin gegenüber Ihrer reformsüchtigen Gegner zu behaupten gewußt; Sie haben in diesen heiligen Räumen gelobt, auszuscheiden aus dem Verbände der hiesigen Cultus- Gemeinde; Sie haben zu diesem Behufe die Intervention der hohen Behörde in Anspruch genommen, haben tief durchdrungen von Glaubens- und Gesetzestreue, den mittlerweile von Seiten des hiesigen Cultusvorstandes geübten Steuerzwang, diese maßlose Pression, in beispielloser Ergebung über sich ergehen lassen; Sie zogen es vor, in Jhreni Hause wegen der betreffenden Steuer Executionen, später gar Pfändungen Ihres Eigenthums vornehmen zu lassen; nichts erschütterte Ihre feste Ueberzeugung, Ihre tiefwurzelnde Ehrfurcht von cjw:» nan. Und doch — noch hat es der göttlichen Vorsehung nicht gefallen, uns Genugthuung zu verschaffen. Eine hohe Regierung hat sich nicht veranlaßt gefunden, unsere Eingabe um Constituirung einer autonomen strenggläubigen Gemeinde zu berücksichtigen, und dies auf Grund der Bestimmungen in den Statuten unserer Gegner; es hat uns schmerzlich berühren müssen, unser Verlangen, welches wir, und mit uns die öffentliche Meinung, als ein im Staatsgesetze ausgesprochenes und zu billigendes, als gleichberechtigte Bürger im österreichischen Staate, an die Regierung richteten, keine Beachtung finden zu sehen. Der Gedanke aber, daß das Recht nicht selten nur schwer, zuweilen aber nur durch Opfer und Ueberwindung sich Bahn bricht, und daher die Hoffnung, daß

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