Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 42-43 (16.10.1872)
- Date
- 1872-10-16
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
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906 erscheinen; denn sollen im 1. Schuljahr die im Lehrplan bezeichneten (20) biblischen Geschichten von dem Lehrer vorerzählt und von den Schülern nacherzählt; sollen die wichtigsten Momente abgefragt und eine kurze Nutzanwendung angeknüpft uub — was aber seine besonderen Schwierigkeiten haben würde — in Verbindung hiermit auch von der 2. Abtheilung die 48 biblischen Geschichten im Anhang der Fibel von den Schülern gelesen, von dem Lehrer erklärt und abgefragt werden, so möchten hierzu zwei halbe Stunden, also für jede Abtheilung V2 Stunde wöchentlich nicht genügen, sondern , namentlich wenn man auch noch das Abhören des Memorirstoffes dazu nimmt, mindestes 2 Stunden wöchentlich erforderlich fein. Ebensowenig möchten 272 Stunden wöchentlich zureichen, um mit allen Schülern vom 3. bis 8. resp. 7. Schuljahre die biblische Geschichte und das Mernonren — wofür allein eine Stunde in Aussicht genommen ist — so zu behandeln, daß dieselben mit dem historischen Inhalt der Bibel vertraut sind und der Memorirstoff nicht bloß dem Gedächtniß eingeprägt, sondern auch gehörig zum Verständniß gebracht ist, abgesehen davon, daß es sich hiebei auch wesentlich um weitergehendc Zwecke handelt. Auch möchte mehr als £ Stunde wöchentlich erforderlich sein, um die Schüler der beiden Ältersclassen mit den bezeichneten 80 Stücken aus den Büchern Jesajas, Jeremias, Ezechiel, Hosea, Jona, ferner aus den Psalmen, Sprüchen Salomo's, Klageliedern und den Lehren und Sprüchen der nacherilischcn Zeit w bekannt zu machen. Nimmt man daher für die biblische Geschichte, das Bibcllesen, Bibclerklären und Memorirren anch nur eine Stunde mehr in Anspruch, so verbleiben nach Abzug von 6 Stunden für das Hebräische, von 2 Stunden für den systematischen Religionsunterricht, von 4 Stunden für biblische Geschichte und Bibellesen und von l1^ Stunden fürs Memoriren (zusammen 13V2 Stunden) noch 16!/, Stunden für alle übrigen Schulfächer. In dem Normallehrplan für einclassige Volksschulen sind aber dem weltlichen Unterricht 187- Stunden als Minimum zugeschieden. Es könnte daher die Befürchtung Platz greifen, daß sslbst bei aller Anstrengung von Seiten der Lehrer die iSrael. Volksschulen zu einer Zeit, wo die Notwendigkeit eines gehobenen Volksschulunterrichts mehr denn je sich geltend macht, hmter den erforderten Leistungen zurückbleiben, während sie früher durchschnittlich zu den besseren gezählt wurden. Auch in Hinsicht der Zeit für den Unterricht im Hebräischen dürften sich Schwierigkeiten ergeben. Von den hiefür bestimmten wöchentlichen 6 Stunden kommen drei auf das Lesen, und weniger dürfen es wohl auch nicht sein. Es verbleiben somit für das Uebersetzen der hebräischen Gebete und der 5 Bücher Moses in Verbindung nlit der Einübung der nothwendigsten grammatikalischen Formen und dem Memoriren einzelner hebräischer Wörter und Sprüche für alle Alterscasfen zusammen wöchentlich drei Stunden. Diese Stundenzahl dürfte für eine Schule mit zwei und mehr Lehrern auch ausreichen, bei einer ungetheilten Schule aber ungenügend sein; denn hier muß vor Allem berücksichtigt werden, daß, wenn auch abwechselnd zwei einander nahestehende Abtheilungen beim Unterricht zusammengenommen werden können, dies bei Schülern, die nach Alter und Fähigkeit mehr von einander verschieden sind, in der Regel doch nur bei Repetitionen, bei dein eigentlichen Unterricht aber nie ohne Schwierigkeiten und Nachtheile geschehen kann. Es wird zugegeben werden, daß es mindestens sehr schwierig wäre, mit dem Anfänger in ca. 1 % Stunden 18— 19 Verse des hebräischen Pentateuchs zu übersetzen. Geschieht dies aber nicht, so fällt dadurch eine um so größere Masse des Stoffes auf die obere Abtheilung — etwa 25 Verse und darüber in einer Stunde — und es würde sich fragen, ob dies in dieser Zeit in einer ungetheilten Volksschule mit der nöthigen Gründlichkeit, mit der erforderlichen Rücksicht auf die grammatikalischen Formen und insbesondere auch mit gehöriger Fruchtbarmachung des Uebersetzungsstoffes für die Religionslehre geschehen könne. Bei dem Uebersetzen der hebräischen Gebete, das früher beginnt, wird dann die Verschiedenheit der Abtheilungen noch stärker hervortreten. Es ist nicht zu bezweifeln, daß durch die Bestimmungen des Normallehrplanes ein wesentlicher Schritt zur Beseitigung der früheren noch viel größeren Schwierigkeiten geschehen und zugleich auch den verschiedenen Zwecken der israel. Volksschule nach der einen wie nach der andern Seite hin Rechnung zu tragen, versucht worden ist. Allein die Schwierigkeiten liegen in den Verhältnissen und sind eben deswegen noch in so starkem Maße vorhanden. Es wird daher die Frage sein: Wie ist hier zu helfen? 1) Das von manchen schon als das nächste und einfachste bezeichnete Mittel wäre eine Reducirung des bezeichneten Uebersetzungsstoffes. Allein wir müssen gestehen , daß wir eher eine Vermehrung als Verminderung des Uebersetzungsstoffes wünschen, sofern dies ohne Verkürzung des allgemeinen Schulzwecks und insbesondere der für religiös-moralische Bildung bestimmten Fächer geschehen könnte; wo das aber nicht der Fall ist, kann auch nicht in Abrede gestellt werden, daß durch eine fruchtbare uni) gründliche Behandlung der biblischen Geschichte und eine den Geist und das Gemüth anregende Erklärung des Inhalts des UGersetzungsstoffeS für die religiöe-moralifche Blldung unserer Jugend mehr gewonnen wird, als durch eine Häufung des Uebersetzungsstoffes, der nur mechanisch behandelt wird, aber eben desyalb viel schneller wieder vergessen wird, als er beigebracht wurde. 2) Das sicherste und natürlichste Mittel wäre aber,