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Der Israelit · 1872-10-16 · Heft 42-43 (16.10.1872) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 42-43 (16.10.1872)
Date
1872-10-16
Page
– (sequence 13)
Language
German
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893 vielleicht Malet al Adel, der Bruder des Sultans Saladin fein, von dem die Sage ging, daß er, mit König Richard eng befreundet, dessen Schwester, die verwittwete Königin Johanna von Sicilien geheirathet habe und dem Könige von England in das Abendland nachgefolgt sei? Niemand wußte Auskunft zu geben, uud fo mußte man sich denn, wenn auch ungern, entschließen, die Lösung des Räthsels ruhig abzuwarten. Am andern Morgen sollte das Hochzeitsfest Abners und Zatrens stattsinden. Im Haufe Chajims waren dazu alle Vorbereitungen getroffen. Da wurden die Vorsteher der jüdischen Gemeinde, deren erster Chajim war, zu dem Fürsten aufs Schloß beschieden. Der Fürst, auf dem Throusessel sitzend, hatte statt der Krone den Helin auf dem Haupte; wiederum war das Visir geschlossen, so daß man seine Züge nicht erkennen konnte. „Tretet näher", sprach der Fürst zu den Vorstehern, „ich habe Euch rufen lassen, um Euch zu sagen, daß ich Euch ein gnädiger Fürst sein werde. All die Beschränkungen, die meine Vorgänger, die Fürsten von Coucy, Euch aufgelegt haben, sie seien aufgehoben; alle die besonderen Steuern, welche die jüdische Gemeinde bisher an die fürstliche Casse zu entrichten hatte, sie sollen fürder nicht mehr bezablt werden. Gleiche Rechte und gleiche Pflichten bestimme ich für meine Unterthanen, sie mögen Juden oder Christen sein." „„Gnädigster Fürst"", sprach Chaijim, „„womit haben wir diese hohe Gnade verdient?"" „Ihr verdankt sie Einem aus Eurer Mitte, dem Sclaveu eines saracenifchen Emirs, der mir im heiligen Lande große Dienste erwiesen; er ist hier geboren und heißt Samson." „„Samson, durchlauchtigster Fürst, das ist mein Bruder, lebt er noch?"" „Er lebt; Euer Name ist Chaijim?" „„Mein gnädigster Fürst weiß.?"" „Euer Bruder hat mir von Euch erzählt, um Euretwillen ging er in die Sclaverei, damit Ihr sein Weib und seine Kinder ernähren möget. Seid Ihr diesen Pflichten nachgekommen?" „„Wohl, hoher Herr, das bin ich."" „Die älteste Tochter Samsons muß, wie er mir erzählte, bereits erwachsen und heirathsfähig sein, habt Ihr sie verheirathet?" „„Sie wäre längst verehelicht, wenn nicht das Verbot der Königin während der Gefangenschaft unseres Herrn eine jede Festlichkeit verhindert hätte; doch soll heute die Hochzeit sein."" „Und wer ist der Mann, mit d;m Ihr sie vermählen wollt?" „„Abner heißt er, mein hoher Herr."" „Wie mir Samson sagte, hat er Euch strenge anbefohlen, seine Tochter nur mit einem Schriftgelehrten zu vermählen. Ist dieser Abner ein solcher?" Chaijim gerieth in die peinlichste Verlegenheit; aber seine Kühnheit verließ ihn nicht, und zum Erstaunen der Andern sagte er dreist: „„Gewiß, mein Fürst, ich habe genau den Willen meines guten Bruders zu befolgen mich bestrebt."" „Gut", antwortete der Fürst, „sendet ihn mir her, ich will ihn prüfen." Dann winkte er verabschiedend mit der Hand, und die Vorsteher entfernten sich. Als sie das Schloß verlassen hatten, sagte einer seiner Gefährten zu Chaijim: „Was habt Ihr gemacht? Ihr habt den unwifsenden Abner zu einem Talmid Chacham gestempelt! Eure Lüge wird an den Tag kommen, und es wird Euch schlimm ergehen" „„Wie so soll sie an den Tag kommen"", antwortete Chaijim sorglos, „„was weiß dieser Fürst von der Gemoro? Hat ihn vielleicht mein Bruder im Talmud unterrichtet?"" Chaijinl eilte nach feinem Hause, wo bereits der Bräutigam der Braut harrte. „Abner, mein Sohn", sagte Chaijim zu ihm, „Du sollst zum Fürsten kommen, der Fürst will Dich prüfen, ob Du ein Gelehrter und würdig seiest, die Tochter Rabbi Samsons zu heirathen. Doch fürchte Nichts! Antworte nur keck auf die Fragen, die er Dir vorlegen wird! Was weiß dieser Fürst von der Gemoro? jede Antwort, die Du ihm gibst, wird ihn zufrieden stellen." Wiewohl es Abner nicht wohl zu Muthe ob der bevorstehenden Prüfung war, so mußte er doch dem Befehle des Fürsten Folge leisten. Zitternd trat er in den Rittersaal, wo der Fürst noch auf dem Throne saß. „Fürchte Dich nicht", sprach gütig der Fürst, „und beantworte muthig meine Frage. Du bist Abner, der Bräutigam der Tochter Rabbi Samsons aus Coucy?" „„Ich bin's, mein Fürst."" „Weißt Du auch, daß Samson bestimmt hat, daß nur ein Gelehrter sein Schwiegersohn werden soll?" „„Ich bin ein Gelehrter, hoher Herr."" „So sage mir doch, was ein Gesero schowe ist?" „„Es ist eine Gesero, daß man nicht weiß, was schowe heißt."" Der Fürst brach in ein unmäßiges Gelächter aus. „Wahrlich," sagte er dann, „Du bist ein großer Gelehrter, denn Du weißt Dir zu helfen. Nun sage mir noch, was ein Binjon aw ist.-" „„Ein Binjon aw? Das ist ein Bau des Vaters. Glaube mir mein Fürst, mein Vater hat mir ein großes schönes Haus gebaut!"" Und wiederum lachte der Fürst. Dann aber wurde er sehr ernst und sprach: „Du Thor, wie kannst Du es wagen, Dich für

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