Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 42-43 (16.10.1872)
- Date
- 1872-10-16
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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890 und was kann er zurückgeben? Ein einziger Neidischer kann das Unglück einer ganzen Gesellschaft veranlassen, wie man bei Verschwörungen schon häufig die Beweise gehabt hat. Die 'Gesellschaft ist eme Kette, bei der kein einziges Glied fehlen darf, und der Neidische sucht diese Kette zu zerreißen. Jeder Mensch muß seinem' Nächsten, wenn dieser ihn beleidigt hat, die Beleidigung verzeihen; der Neidische aber verzeiht Niemandem; auch demjenigen nicht, der ihn nie beleidigt und der ihm Gutes erweisen könnte. Der Neidische ist unzufrieden, er erregt Streit und Haß und dadurch untergräbt er seine eigene Gesundheit. Unsere Weisen sagen, daß das Leben des Neidischen kein Leben ist rix px'LO -inrm mxnm nxjpn j Df?iyn Dixn. Der Neid sowie die Lüsternheit und die Ehrsucht bringen den Menschen aus der Welt. Der Neidische ist thöricht. Er wünscht das Vermögen Anderer und weiß doch nicht, wie lange er im Besitz seines eigenen Vermögens sein wird. Weiß er denn, ob er das Vermögen seines Nächsten eben so gut anwenden könne als dieser, kann er denn wissen, ob das Vermögen, um das er neidisch ist, seinen Nebenmenschen glücklich macht, und wenn es das Glück seines Nebenmenschen ist, ist er denn gewiß, daß es auch das seinige ausmachen wird und endlich weiß er denn, daß er es auch verdient, dieses Vermögen zu besitzen? Der Neidische ist ohne alle Tugend, denn der Tugendhafte weiß, daß das Leben des Menschen in der Hand Gottes liegt, daß er darum zufrieden sein muß, wenn er genügend für einen Tag zu leben und nicht für den folgenden Tag zu sorgen hat, welcher gar nicht ihm gehört. Der Tugendhafte ist mit seinem Schicksal zufrieden; er denkt, wenn er auch das Vermögen Anderer hätte, . könnte er doch nicht mehr genießen. Der tugendhafte Mensch gebraucht, wenn er Vermögen besitzt, für seine Person nur so viel wie die strengste Nothwendigkeit erfordert und sucht mit dem Uebrigen Gutes zu thun. Wenn er viel oder nicht genug hat, denkt er, daß dies alles ist, was er verdient und daß alles, was Gott thut, wohlgethan ist. Der tugendhafte Mensch weiß auch, daß die Tage des Leidens und die Tage, an welchen er Gutes thut, ihm von Gott als das einzige wahre Vermögen angerechnet werden. Der wahrhaft tugendhafte Mensch will auf dieser Welt das Verdienst seiner guten Handlungen nicht genießen, und was ihn Gott auf dieser Welt genießen läßt, betrachtet er als eine besondere Gnade Gottes. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Darmsiadt, 5. Oct. Der „Starkenburger Bote" brachte seiner Zeit eine Reihe von Hetzartikeln gegen die Israeliten, welche die Einleitung einer strafrechtlichen Untersuchung auf Grund des §. 130 des deutschen Strafgesetzes zur Folge hatten. Dieselbe wurde eingestellt, jedoch auf Betreiben der Oberftaatsanwaltschaft wieder ausgenommen, so daß die Angelegenheit nunmehr ihrem demnächstigen Abschluß entgegen geht. Württemberg. Nach dem soeben ausgcgebenen Rechenschaftsbericht des UnterstützungsVereins für arme Hinterlassene von israel. Lehrern und Vorsängern Württembergs pro 1. Juli 1871/72 kann der Verein mit großer Befriedigung aus das verflossene Jahrzehnt des Bestandes zurückblicken. Der Verein hat schon so manchen armen Lehrers- und Vorsängers-Wittwen und Waisen eine Unterstützung gewährt und dabei einen schönen Fond angesammelt. Ihre Majestät die Königin Olga hat dem Verein fl. 25 zugewandt; Baisingen, Buttenhausen, Crailsheim, Eßlingen, Heilbronn, Laubheim, Ludwigsburg, Michelbach, Pflaumloch, Rexingen, Rottweil, Sontheim, Stuttgart, Ulm, Wenkheim haben sich theils mit fixen Beiträgen, theils mit Spenden beim Aufrufen zur Thora beiheiligt; auch ein Legat ist zu verzeichnen; erwähnenswerth ist die Thärigkeit des Stadtraths Ad. Levi in Stuttgart für den Verein, dem auf seine Verwendung hin, als außerordentliche Beiträge von Dr. PH. Goldschmidt tit Paris 25 Napoleondors und von H. B. Goldschmidt 200 fl. zugeflossen sind. Wir hoffen, daß der Verein sich immer mehr der Sympathie der israel. Gemeinden und Privaten des Landes zu erfreuen haben werde. Schlüchtern. Unsere Gemeinde hat durch einen plötzlichen Tod eines ihrer achtbarsten Mitglieder verloren. Der Kaufmann Abraham Sichel ist nicht mehr unter den Lebenden. Wie tief die Trauer um den Hingeschiedenen in allen Kreisen empfunden, bekundete sich bei dem Leichenbegängnisse, welchem sich nicht allein die hiesige israel. Gemeinde und auch viele Glaubensgenossen aus den umliegenden Ortschaften, sondern auch viele der angesehensten christlichen Mitbürger und Vertreter der Behörden betheiligten. Am Grabe hob Herr Kreisrabbiner Schwarzschild '"j die Verdienste dieses "uto cnx int wahrsten Sinne des Wortes, der von Jedermann geschätzt und geachtet war, in tiefergreifenden Worten hervor. Der Verlebte verdiente aber auch diese Anerkennung durch seinen höchst ehrenhaften, biederen Charakter, seine strenge Rechtlichkeit im geschäftlichen