Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 42-43 (16.10.1872)
- Date
- 1872-10-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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XIll. Jahrgang. Erste Beilage zu Nr. 42 & 43 des Israelit. %eitenbet Artikel. Religiöse Mehrung im jtt. Familienkreise. Nach dem Franzos. des B. Kosmann. IX Die Willenskraft. nw men nxi man rw D”nn nx orr. *>nru nso o^na mnm jnn (5. B. M. 30, V. 15 u. 19.) Frage. Mein Vater! Die Menschen wählen das Leben und das Gute nicht in derselben Weise. Jeder denkt, das Gute zu thun. Derjenige nun, der da glaubt, das Gute zu thun, ist er unter allen Umständen als ein gerechter Mann zu betrachtend Antwort. Mein Sohn! Unter einem Haufen Acpfcl werden die Kinder diejenigen wählen, welche äußerlich am schönsten sind, ohne ans die Qualität derselben zu achten. Die Erwachsenen, welche begreifen, daß man nicht nach dem äußeren Schein urtheilen darf, werden die Schmackhaftesten wählen, aber die Kluger: werden sich die gesündesten und diejenigen, die sich am längsten halten, aussuchen. Sie werden sich lieber aus einige Tage des Genusses berauben uud den Augenblick abwarten, in welchen die Aepfel den höchsten Werth erlangen. In derselben Weise wählt auch die Welt das Leben und das Gute; die Kinder wählen den Müßiggang und die Unterhaltungen. Unter den Erwachsenen gibt es solche, welche glauben, Verstand zu haben, aber deren Verstand in der That schwach und irre geleitet ist und, welche nur insofern Gutes thun, als es ihnen bequem für ihr Lebe» ist; sie arbeiten, um sich Vermögen und Ehre zu erwerben und um ihre Gesundheit zu erhalten, sie sind überhaupt auf das Wohl ihres Körpers bedacht. Aber derjenige, welcher klug ist, arbeitet für seine Seele, für das ewige Leben und rechnet die momentane Enthaltsamkeit, die er sich auflegen muß, gegenüber der Glückseligkeit, die seiner erwartet, für nichts. Das ist's auch, was Jesaias seinem Volke vorwürft; 3 B j>"6 cno'an ’in jn „wehe denjenigen, die das Böse gut, und das Gute bös nennen!" d. h. die ewige Glückseligkeit, welche das wahrhaft Gute ist, nennen sie Böses, weil diese sie manchmal um einen augenblicklichen Genuß beraubt und das Böse, welches den Menschen, wenn er vor Gott über seine Handlungen Rechenschaft abzulegen hat, anklagt, nennen sie Gutes, weil üe für den Augen- | blick die Vergnügungen des Lebens genießen wollen, deren sie sich nicht berauben wollen. Das Leben ist einem Schiffe zu vergleichen, das das Meer durchfährt, um nach einem fruchtbaren Lande zu gelangen, wo man weder Gold noch Silber achtet, weil nichts daselbst fehlt. Aber man wird daselbst nur dann ausgenommen, wenn man ein Zeugniß über seine gute Aufführung während der Reise aufweisen kann. Der Kluge nun bestrebt sich während der Fahrt anf's strengste die Ordnung des Schiffes einzuhalten, er beraubt sich während dieser kurzen Zeit aller Annehmlichkeiten, um in dem fruchtbaren Lande gut ausgenommen zu werden, wo er für sein ganzes Leben glücklich sein wird; aber der Thörichte benützt die Gelegenheit, um sich zu amüfiren und auf der Reise Gold in Massen zu sammeln; dieser verliert nicht nur seine Zukunft,-sondern er wird auch der Verzweiflung anheimfallen, wenn er von einem Sturmwinde überrascht wird; denn die Rettungsboote sind nur für diejenigen bestimmt, die sich genau nach der Schiffsordnung aufgesührt haben. X. Der Neid. -nenn *6. Frage: Mein Vater! Ist der Neid ein so großer Fehler, weil er unter den zehn Geboten aufgesührt ist d Antwort. Mein Sohn! Der Neid ist ein sehr großer Fehler; als Beweis diene dir, daß der Neidische die Handlungen Gottes nicht für gerecht hält und gegen sie kämpfen möchte; wenn man aber so wenig Achtung vor Gott hat, so kann man auch nicht dessen Gebote' erfüllen. Der Neid ist ein Uebel ohne Heilung. Der Neidische erlangt nie Verzeihung. Bei jedem Menschen kann sich einmal ein Augenblick der Schwäche bei einem Geschäft oder bei Vergnügungen zeigen; wenn aber dieser Mensch nach der That seinen Fehler einsieht, so kann er bei aufrichtiger Buße von Gott Verzeihung erlangen; während der Neidische nur davon durchdrungen ist, das Gut Anderer zu erwerben und das ist ein Beweis von einem bösen, verdorbenem Herzen, welches sich nie bessert. Es ist ein geringeres Uebel, das Gut eines Andern zu rauben, als ihn um dasselbe zu beneiden, denn der Erste fehlt nur einmal und kann den geraubten Gegenstand wieder zurückgeben und sich mit Gott und seinen Nebenmenschen wieder aussöhnen, aber der Neidische fehlt tausendmal