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Der Israelit · 1872-10-16 · Heft 42-43 (16.10.1872) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 42-43 (16.10.1872)
Date
1872-10-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
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888 des Kreuzzuges von Richard, der des Herzogs Banner von einem eroberten Thurme hatte herabreiß n und in den Koth treten lassen, schwer beleidigt worden. Als daher des Königs Schiff verschlagen worden, verschmähte er es, in einem französischen Hafen ans Land zu gehen und er lenkte seine Fahrt nach dem adriatischen Meerbusen. Zwischen Venedig und Aquileja erlitt Richard Schiffbruch, doch kam er glücklich ans Land; aber schon in Jllyrien und Kärnthen gerieth er in große Gefahr; denn der in diesen Gegenden herrschende Graf Meinhard von Görz war ein Freund und Verwandter des Markgrafen Konrad von Tyrus. Richard zog es deshalb vor, unter angenommenem Namen, in langem Bart und in der Kleidung des Landes zu reisen; allein er wurde verrathen und nur mit Mühe gelang cs ihm, den Verfolgungen des Grafen Meinhard zu entgehen. In Frisach, in Kärnthen, nahm der Bruder des Grafen Meinhard das Gefolge des Königs gefangen, nur Richard entkam einzig mit Rabbi Samson und einem Diener. Mit diesen setzte er die Reise fort, bis er nach Wien kam, wo er erkannt und dem Herzog Leopold ausgeliefert wurde. Er hatte nur noch Zeit, Rabbi Samson zuzurufen, daß dieser entfliehen und den Seinen in England die Nachricht von der Gefangennahme des Königs bringen soll. Traurig durschritt Rabbi Samson die Straßen von Wien, überlegend, wie und in welcher Weise er am schnellsten nach England kommen könne, um die Mutter des Königs, Elonorc, zu veranlassen, daß baldigst Schritte zur Befreiung des Königs geschehen. Da fühlte er sich Plötzlich angehalten; eine Stimme rief; ..Jst's möglich, mein theurer Rabbi, seid Jhr's?" Und vor sich sah er einen jüdischen Jüngling, stehen, der ihn mit dem Allsdrucke unmäßigen Erstaunens betrachtete. „„Jizchak"", rief der Rabbi, „„mein geliebter theurer Schüler, Dich sendet Gott in meiner Noch. Lebst Du jetzt hier in Wien \ „Wohl", antwortete Jizchak, „ich lebe hier im Hause i meines Oheims. Die hiesige jüdische Gemeinde will! mich zu ihrem Rabbinen ernennen, sobald ich mich verj heirathet haben werde." j „ „So führe mich in Deine Wohnung und gib mir Speise und Trank und andere Kleider." Bald saßen die beiden im Gemache Jizchaks, und! während Rabbi Samson sich tut Speise und Trank er-! quiekte, erzählte ihm Jizchak Alles, was sich in Coucy ereignet, wie Chaijim des Rabbi Tochter zwingen wollte, den unwissenden Abner zu heirathen, und wie er selbst durch die Jntrigue des eigennützigen Mannes war genöthigt worden, Coucy zu verlassen. „Noch aber", fuhr Jizchak in seiner Erzählung fort, „ist es Eurem Bruder nicht gelungen, seinen Willen durchzusetzen. Zaire weigert sich standhaft, und Rabbi Moscheh, ihr Oheim, schützt sie. Aber wie ich vernommen habe, hat Rabbi Moscheh die Absicht, Coucy zu verlassen, um in seine Heimath nach Spanien zurückzukehren. Dann wird wohl Eure Tochter, Rabbi, sich dem Willen Eures hartherzigen Bruders nicht mehr widersetzen können." „„Habe keine Sorge Jizchak! der allmächtige Gott, der mich aus allen Gefahren so gnädiglich errettet hat, wird mein Kind beschützen, bis ich zurückkehre und sie vermählen werde mit dem Manne nreiner und ihrer Wahl. Jetzt gilt es vor Allem, meinen König zu befreien. Reise Du mit mir. nach England, und wenn Richard erst frei ist, so fahren wir zusa.nmen nach Coucy."" Als die Kreuzfahrer, die mit Richard gemeinsam das heilige Land verlassen hatten, in Errgland ankamen, waren sie im höchsten Grade erstaunt, daß sie ihren König noch nicht zu Hause fanden, und Bestürzung und Trauer herrschten im ganzen Lande. Endlich brachte Rabbi Samson dem Erzbischof Walter von Rouen die Nachricht von der Gefangennahme des Königs in Wien, worauf der Erzbischof die Getreuen seines Herrn nach Oxford zur Berathung rief, damit Anstalten getroffen würden, den König zu befreien. Unterdeß hatte Kaiser Heinrich VI. die Auslieferung des englischen Königs vom Herzoge Leopold verlangt, da es ungebührlich sei, daß ein König in der Gewalt eines Herzogs bleibe. Am 23. März des Jahres 1.193 übergab der Herzog Leopold König Richard dem Kaiser, der seinen Gefangenen auf die Burg Trifels in der Pfalz bringen ließ. Aber der Ort der Gefangenschaft war ein Geheimniß. bis Blondcl de Neste, ein Sänger aus Arras und Richards persönlicher Freund, den Aufenthalt des Königs entdeckte. Der Sänger zog von Burg zu Burg und sang dort seine Lieder, bis aus dem Burgverließ zu Trifels die Stimme des Königs antwortete. Rabbi Samson reiste von England nach Deutschland und von Deutschland nach England, bis es ihm gelang, die Freunde des Königs zu den größten Opfern zu bestimmen. Gegen ein Lösegelö von 100,000 Mark feinem Silber wurde endlich Richard in Freiheit gefetzt. Als er in Sandwich den englischen Boden betrat, warf er sich zur Erde nieder und küßte den heimathlichen Boden. Dann umarmte er Rabbi Samson und sprach: „Du treuer Freund und Diener, Du Haft mir einst das Leben gerettet; jetzt warst Du es namentlich, der mich aus der Gefangenschaft befreite; ich werde Dich reich belohnen." (Siehe den Schluß in der ersten Beil.) Hierzu fünf Beilagen. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Rour'scken Hofbuchhandlung. I. Gottsleben's Buch- und Steindruckerei in Mainz.

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