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Der Israelit · 1872-10-16 · Heft 42-43 (16.10.1872) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 42-43 (16.10.1872)
Date
1872-10-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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887 sehr prosperirte, das Ansuchen auf Wiedervereinigung stellen, waö dieserseits, wohlüberdacht, auf's Energischste verweigert wurde. Um diese Hartherzigen zu blenden oder aus irgend welche Weise eine Wiedervereinigung anzubahnen, nehmen sie zu einem Scheinmanöver, als Abschaffung der Wise'schen und Einführung, der zwar sehr zugestutzten alten r.b*sn, ihre Zuflucht — was sich eben so nutzlos als lächerlich erwies. — Nach wie vor wird der r<2v entweiht und mangelt es wie zuvor an ]\jd an diesem heiligen Tage. Das Orgelspiel wurde auch, aber nur vorläufig als sich nicht rentirend fistixt, und wird über kurz oder lang den leeren Wänden wieder vorgespielt werden. Wie kann das auch anders kommen? Diese Superklugen sind der Ansicht, daß die Synagoge sich selber nach Kundschaft nmsehe. indem sie als überfleißige Geschäftsleute ja die Kunden in ihrem eigenen Geschäfte zu b-dienen haben. Soweit die Rückkehr zum alten Ritus!!? Schließlich sei noch bemerkt, daß. das Betlocal der orthodoxen Gemeinde am roip stets überfüllt ist und sich beretts als unzureichend erweist. Soviel bekannt, sind schon Schritte zum Bauen einer, größeren Synagoge gethan und wird Y'os ein passender Platz dazu in Bälde käuflich erworben werden. S. N. Feuilleton. Per Fürst »ou Coucy. XV. Am andern Tage kehrte Richard mit seinem Gefolge und seinen beiden Rettern zu seinem Heere zurück. Der König war dem Ritter sowohl, wie dem Rabbi, die ihm mit Gefährdung ihres eigenen Levens von schmachvoller Gefangenschaft oder gar vom Tode gerettet hatten, im höchsten Grade dankbar. Da er Gefallen an Rabbi Samson fand, so bat er diesen, bei 'hm zu bleiben, bis er selbst wieder in die Heimath zurückkehren würde. Dieser Zeitpunkt erschien dem Könige von England nicht mehr allzufern. Schon hatte König Philipp von Frankreich die Heimreise angetreten, und Richard beunruhigte der Gedanke, daß dieser ihm feindlich gesinnte Fürst in seinen Besitzthümern allerlei Gefahren bereiten könnte. Auch war in. England selbst eine Fehde zwischen dem Bruder des Königs, Johann, und einigen Großen des Reiches ausgebrochen. Richard gedachte demnach Jerusalem zu erobern, einen König dort einzusetzen und dann ruhmgekrönt in die Heimath zurückzukehren. Allein die Eroberung von Jerusalem sollte: ihm nicht gelingen. Zwar vollbrachte der König vom England Wunder von Tapferkeit. In zahlreiches Schlachten war es sein persönlicher Heldenmuth, welcher den Sieg zu Gunsten der christlichen Kämpfer entschied. Unzählige Male setzte er sich selbst den größten Gefahrerx aus, und sein Schwert brachte immerfort Tod und Verderben in die Reihen seiner Feinde. Allein Uneinigkeit und Eifersucht herrschten in dem Heerlager der Christen, und alle die errungenen Vortheile gingen dem klugen, besonnenen und vorsichtigen Sultan Saladin gegenüber' wieder verloren. Die Streitigkeiten zwischen den christlichen Heerführern waren so stark, daß man, als der zum König von Jerusalem bestimmte Markgraf Konrad von Tyrus von zwei muselmännischen Meuchelmördern ermordet wurde, allgemein den König von England beschuldigte, er habe die Meuchelmörder gedungen, während es doch seststand, daß diese einer Bande angehörlen, welche Senan, der Alte vom Berge, Statthalter der Jsmaeliten zu Maffiat am dem Libanon befehligte und zur Ermordung des künftigen Königs von Jerusalem ausgesandt harte. Allmählich wurden die Kreuzfahrer des langen Aufenthalts im Orient überdrüssig, und trotz unerhörter Thaten König Richards, sah dieser sich endlich genöthigt, einen wenig vortheilhaften Frieden zu schließen. Mit Aufopferung von mehr als einer halben Million der tapfersten Krieger des Abendlandes und mit unsäglichen Anstrengungen war kein anderer sichtbarer Northeil gewonnen, als der Besitz zweier fester Städte, Ptolemais und Joppe, und von einer Kreuzfahrt, zu welcher mit geringer Ausnahme der ganze französische Adel, die Blüthe der deutschen und englischen Ritterschaft, und unzählige kampflustige Streiter aus Italien und den nordischen Reichen sich bewaffnet hatten, brachten die Wenigen, welche ihre Heimath wieder zu sehen das Glück hatten, das schmerzliche Gefühl mit in ihr Vaterland, ihr Leben für eine mißlungene Unternehmung gewagt zu haben. Wenn auch König Richard keine bleibenden Erfolge errungen hatte, so hatte er sich doch im Orient einen furchtbaren dlamen gemacht. Noch heute spricht der Araber zu seinenr scheu gewordenen Pferde: Glaubst Du denn, daß der König von England kömmt? und wenn ein schreiendes saracenisches Kind sich nicht zum Schweigen bewegen läßt, so droht ihm heute noch die Mutter: Sei still, oder ich werde den König Richard rufen. In Europa jedoch hatte sich Richard fast alle Fürsten zu Feinden gemacht. De» König von Frankreich. dessen Schwester er verschmäht hatte, haßte ihn; die Verwandten des Markgrafen Konrad von Tyrus hielten Richard, trotz aller gegentheiligen Beweise für den Mörder ihres Bruders und Freundes; Herzog Leopold, der Tugendreiche von Oesterreich, war während

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