Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 42-43 (16.10.1872)
- Date
- 1872-10-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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885 Oesterr. - Ungar. Monarchie. Wien 6. Oktober Graf Julius Andrafsy hat der israelitischen Kultusgemeinde von Töke- Terebes den zum Baue einer Synagoge (sammt Nebengebäuden) nöthigen Grundkomplex, sowie auch einen namhaften Beitrag gespendet. Wien, 10. Oktober. Die „Koruna Czeska" erzählt: Am vergangenenMontag verklagte ein israelitischer Handelsmann, Namens Gintz. beim k. k. Bezirksgerichte in Kolin einen seiner Kunden wegen einer unbezahlten Schuld von etwa 30 fl. für abgenommene Waare. Der Kläger brachte seine Klage vor und der Richter war auf die gewöhnliche Einrede des Verklagten, daß er nichts schuldig sei und dergleichen gefaßt; allein es kam anders Der Verklagte, an dem die Spuren von übcrstandener Krankheit und Noth zu sehen waren, bekannte sich mit betrübter Miene zu der ganzen Schuld und fügte bei, daß er gern bezahlt' haben würde, wenn er sich nicht in so großer Noth befände. Da trat der klagende Gläubiger zu ihm heran, faßte dessen Hand und sagte gerührt: „Verzeiht, Freund, daß ich die Klage wider Euch erhob; ich hatte von Euren traurigen Verhältniflen keine Kenntniß. Ich wäre niemals so gegen Euch verfahren, wenn ich Eure Noth gekannt hätte. Vergesset nun Alles und kommt mit mir ins Gasthaus, damit ich Euch für die bereitete Ungelegenheit bewirthe." Darauf ließ der gutherzige Gläubiger von der Klage ab, bezahlte die Gerichtskosten und bewirthete seinen Schuldner. Wien, 13. Oktober. Der Magistrat erhielt vom Gemeinderathe den Auftrag. sich sowohl an die evangelische als an die israelitische Kultusgemeinde mit dem Ersuchen zu wenden, für die Zöglinge an der Uebungsschule des städtischen Pädagogiums je einen Äeligionslehrer zu bestellen, indem daselbst mehr als 30 evangelische und circa 80 israelitische Kinder den Unterricht frequentiren, Die Zahl der Katholiken beläuft sich auf 220. Wöchentlich sollen zwei Stunden dem evangelischen und vier Stunden dem israelitischen Religionsunterrichte gewidmet werden. Pesth In der Speifeanstalt des israelitischen Frauenvereins wurden in den abgelaufenen Monaten Juli, August, und September I l485 Speise-Portionen an Arme ohne irgend einen Unterschied in der Confession verabreicht. Das humane Institut kann Angesichts des herannahenden Winters der allgemeinen Theilnahme nicht genug empfohlen werden. Prag. Die „neue freie Presse" meldet. In Chirsch (einem böhmischen Dorfe) existirt ein Graf Namens Leopold Lazozski, der ein schrecklicher Judenfeind ist. Vor wenigen Tagen war dieser Graf mit seinem Reitknechte vor die Fenster eines dortigen jüdischen Kaufmannes geritten, welcher gerade zum Fenster hinaus schaute. Der Graf sagte laut zu seinem Reitknechte: „Schaut da nicht'ein Jude zum Fenster heraus?" Worauf der jüdische Kaufmann auch gleich laut antwortete: O, ein Jude schaut hinaus und ein Eiel schaut hinein. — Das Uebrige läßt sich nun denken; doch was ist die Rache des Grafen? Er läßt in seinen schönen Park keinen Juden kommen und am Thore des Parkes steht folgende Aufschrift: „Durch das Benehmen des Juden .... (hier wird der Name des jüdischen Kaufmannes genannt) ist der Eintritt in diesen Park allen Juden verboten. Czernvwitz. Der zwischen den Orthodoxen und Reformern ausgebrochene Streit bezüglich des Besitzes der Synagoge wurde vom Cultusminister dahin entschieden, daß die Synagoge im Besitze der Orthodoxen zu bleiben habe. Italien. Nom. Herr Samuel Alatri ist wiederholt zum Mitglied des Municipalrathes in Rom gewählt worden. Selbst die klerikale Patei, welche diesmal an der Wahl lebhaften Antheit genommen, hat für unseren Glaubensgenossen gestimmt, welcher wie die Franks. Ztg. meldet, ein praktischer und gelehrter Mann ist. (Un. Jsr.) Belgien. Brüssel. Herr Leopold Wiener aus Brüssel wurde zum Majire von Boitsfort gewählt. Es ist dies der erste Fall, daß in diesem Lande ein Jude zu einer solchen Stelle gelangt. (Jcw. Chr.) Frankreich. Paris. Das Centralcomitv der „All. Jsraelite" veröffentlicht Nachstehendes in den französischen jüdischen Zeitungen: Unser Comitä in Konstantinopel bittet uns zu ihrer Kenntniß zu bringen, daß Ende August eine Summe von ungefähr 12,000 Fr für die Abgebrannten des Quartiers Omi« coumljouc eingegangen sei. Herr Moses Levi Chacham-Baschi daselbst theilt uns mit, daß er von der Familie Rothschild in Paris für denselben Zweck 10,009 Fr. erhalten habe.