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Der Israelit · 1872-10-16 · Heft 42-43 (16.10.1872) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 42-43 (16.10.1872)
Date
1872-10-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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684 ".5*^5^“ VT* '^f***' unserer Sammlung zum Besten der Abgebrannten in Schaulen an das Comite in Memel zu senden. Mainz. Wir brachten jüngst in einem literarischen Bericht der Merkwürdigkeit halber den ausführlichen Tarif bei den verschiedenen Ceremonien in der israelitischen Gemeinde in Paris. Darauf bemerkte der „Un. Jsr.": Wir wissen es wohl, daß diese Eigenthümlichkeit nirgend anderswo sich vorfindet. In allen israel. Gemeinden der Welt müssen Mitglieder der Gemeinde nach Verhältniß ihres Vermögens zur Erhaltung der Gemeinde und ihrer Beamten beitragen. In Paris hingegen ist Niemand gehalten, auch nur das geringste Opfer für Gott und Seinen Kultus zu leisten Tausende von Glaubensgenossen und zwar die Reichsten tragen auch nicht einmal ein Centime dazu bei, nur manchmal benützen sie die Synagoge, den Rabbiner, den Vorsänger u. s. w., bei Gelegenheit ihrer Verheiratung und bei eingetretenen Trauerfällen. Das ist die Ursache der festgesetzten Preise im Hause des Herrn, welches dadurch zu einem Verheirathungs-Magazin geworden, wo man die verschiedenen Artikel nach verschiedenen Preisen erlangen kann. Stuttgart, 11. Oct. Seit einigen Tagen sieht man hier an Len Straßenecken rothe Plakate mit der Aufschrift: „Seht ganz Deutschland im Gelächter Stuttgart wählt den Zions Wächter." Der Fremde, der die Straßen passirt, wird dies wohl nicht verstehen, da er auch nichts von der Aufregung weiß, in die die Einwohner unserer Stadt durch die heute vor sich gehende Abgeordnetenwahl seit geraumer Zeit versetzt sind. Es stehen sich für diese Stelle zwei Candidaten gegenüber, deren einer der Advocat Or. Oskar Wächter in Stuttgart ist.. D eser Mann ist ein großer Pietist und, wie aufmerksame Leser des „Israelit" sich aus den Jahrgängen 1863/64 noch erinnern werden, ein argerJudenhaster; er, der einzige von 83 Abgeordneten, hat am 2. Dez 1863, als es sich darum handelte, den Israeliten Württembergs gleiche bürgerliche Rechte mir den christlichen Konfessionen einzuräumen, gegen den Gesetzesentwurf gestimmt, natürlich ohne damit etwas anderes auszurichten, als sich in den Ruf eines hartnäckigen Judenfeindes zu bringen. Dieser Mann also, den wir hiermit genügend charakterisirt zu haben glauben, bewirbt sich, nachdem er Jahre lang den Halbmondsaal der Residenz meiden mußte, nun wieder ernstl ch um die Ehre, Stuttgart in der Abgeordnetenkammer vertreten zu dürfen. Blinde Freunde Wächters, die an ihm nichts sehen als den Repräsentanten der nationalen Richtung, empfehlen ihn nun der Stuttgarter Bürgerschaft mit hochtrabenden Worten' allein der besser gesinnte Theil der Nationalen und die demokratische Partei rufen in öffentlichen Blättern diese seine Vergangenheit dem rasch vergessenden Publikum wieder in Erinnerung und warnen vor der Wahl eines Mannes, der sich so entschieden mit dem Geist der Zeit in Widerspruch gesetzt hat; besonders werden die Juden Stuttgarts, unter denen auch einige zu den Anhängern der Candidatur Wächters zählen, aufgefordert, durch ein besonderes Circular, welches die damaligen judenfeindlichcn Kamnlerreden Wächters in extermo enthält, der Handlungsweise des Advocaten. eingedenk, seine Candidatur zu verwerfen. Besonders interessant ist nun aber, daß Wächter selbst in einer öffentlichen Erklärung seine Abstimmung von 1863 widerruft und den Juden ihre heutzutage ihnen zukommenden Rechte förmlich zu gesteht! (Ei wie freundlich!)- natürlich, weil es ihm nun recht ärgerlich sein muß, durch seine Abstimmung von damals den Erfolg -seiner Bewerbung in Zweifel gestellt zu sehen. Das heißt Rache! Wir trauen dem Wächter trotz seines Widerrufs nicht und wollen hoffen, daß er mit Glanz — durchfällt! Das Resultat der Wahl wird Ihnen seiner Zeit mitgetheilt werden. Ulm, 11. Oktober. In unserer Stadt ist heute den l.d. M. auf dem Friedhofe das neue Leichenhaus eröffnet, eine Einrichtung, die sich als sehr empfehlenswerth bereits herausgestellt hat. Der israelitischen Gemeinde wurde auf ihr Ansuchen aus rituellen Rücksichten eines der abgesonderten Locale gegen Miethzinsentschädigung überlassen Sulzburg, 7. Oct. Nach beinahe lOjähriger ersprießlicher Dienstführung, ist der hiesige Stiftsrabbiner, Hr.Rabbinatskandidat S. Bamberger, heute von hier abgereist, um einem anderweitigen ehrenhaften Rufe, nach Lengnau, in der Schweiz, zu folgen. Seine Anspruchslosigkeit und Verträglichkeit, seine ächte, strenge Frömmigkeit, §eine gründlichen und umfassenden rabbinischen Kenntnisse, und seine Pünktlichkeit und Treue in Erfüllung keiner Berufspflichten, haben ihm hier und in der Umgegend Vertrauen und Hochachtung erworben, und die besten Wünsche begleiten ihn in seinen jetzien Bestimmungsort. Diese Gefühle der Ehrerietung und der Liebe, haben auch in den Ehrengeschenken, welche ihm, vor seinem Wegzuge überreicht wurden, ihren Ausdruck gefunden Möge Herr Bamberger in seinem jetzigen neuen Wirkungskreise gleiche Anerkennung und Werthschätzung finden, wie solche ihm dahier verdientermaßen allgemein und in hohem Grade geworden sind. K"3D.

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