Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 42-43 (16.10.1872)
- Date
- 1872-10-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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883 die ewig scheinende Zeit zu begreifen, sie will den Himmel und der Himmel Himmel durchdringen und aus -er Erde tiefsten Tiefen das Verborgendste ans Licht ziehen; sie will des Menschen Geist zu seinem Ursprung emporheben und die Fortdauer des Geistes selbst nach dem Tode ergründen; ste will Welten schauen, die uns ferne lügen, will die früheste Vergangenheit und die späteste Zukunft in das Bewußtsein des vergänglichen Augenblicks fassen. Wie schön, wie groß, wie wunderbar! Nichts verschlossen dem Menschenauge, kein Ton verhohlen seinem Ohre; was im Himmel wohnt, was die Erde birgt, ihm rst Alles aufgedeckt und klar und er wäre der Schöpfung Meister, wenn sein Denken nicht demJrrthum unterworfen wäre. So abe* erschauen wir das sich Abwühen des Menschengeistes als ein vergebliches. Jahrtausende schon denken die Denker, forschen die Forscher, und die Resultate des Denkens und Forschens sind derart, daß die Nachfolgenden steis die Frucht des Wissens ihrer Vorgänger vernichten. WasHeiakleiios der dunkle lehrte, Sociales betrachtete es als einen überwundenen . Standpunkt und was dieser erdacht hatte, war für Plaw nicht mehr maßgebend, während das System des Plato dessen Shüler Aristoteles als ein Hirngespinnst erschien. Lange galt Aristoteles für unfehlbar, bis man ihn verließ, um zu Mato zurückzukehren und auch diesen aufgab, um wieder wie Aristoteles zu denken; in der neueren Zeit wurden dann ganz andere Bahnen des Denkens eingeschlagen, doch wurde das System des Barco von Serolam, von Cartesiu's umgestoßen, den Spinoza überholte, während in der darauffolgenden Zeit Locke ganz andere Gedankenresultate;u Staue fö derte, der dann von Leibnitz bekämpft wurde, bis Kant sie alle aus dem Felde schlug; aber aus Kant ging alsobald Fichte, aus diesem Schelling und Hegel hervor, so viel Namen wie genannt, so viel grundo rschiedene Systeme, und der eine Denker bezeichnet die Lehre des andern als Thorheit und Wahn; denn nicht im Scharten des philosophischen Denkens wohnt die Wahrheit, sondern im Schallen besten, auf dessen Wort hin die Welt entstanden und der sich Israel, seinem Volke, offenbart hat. Deßhalb verlassen wir mit dem Beginne der unangenehmen Jahreszeit das feste Haus, dessen Dach Menschenhände festgefügt haben und begeben uns in die Hütte, durch deren Laubdach hindurch die Sterne des Himmels sichtbar sind und durch deren lockeres Gefüge der Regen des Himmels herunterzuströmen vermag. Wir zeigen dadurch, daß wir auf den scheinbar so festen Bau des eigenen Denkens verzichten, um unter Gottes Schirm und Schutz zu wohnen und die Wahrheit von Ihm allein zu erwarten. Nicht suchen wir Schutz in einem bloß sinnlichen Streben, in welchem „die Treulosen treulos handeln", nicht vermeinen wir, daß die Kunde von den Gesetzen der Natur die alleinige unv höchste Wahrheit sei, nicht suchen wir dieselbe in der Kunst, in der Ethik, oder in der Heilkunde, nicht halten wir das philosophische Denken für maßgebend und über jedem Jrrthum erhaben, sondern wir blicken in der Sukkah auf zu Ihm, dessen Werderruf die Welt hat entstehen lassen, freuen uns Seiner Liebe und Gnade, suchen und finden in Ihm allein die Wahrheit und unser ganzes Heil und Glück in der Erfüllung Seiner heiligen Gebote. jP’Dri’ l’DJD ^>33 DIN D'p7tt -pDH ip' HO D”n mpo ")Dj? '3 , np^n -pny -)rv3 jzno .i\v djoj -p>N3 „Wie köstlich ist Deine Liebe o Gott, und die Menschen söhne werden im Schatten Deiner Fittige Schutz finden; sie werden sich sättigen ain Wounemayl Deines Hauses und aus dem Bache Deiner Wonnen wirft Du sie tränken; denn bei Dir ist der Quell des Lebens, in Deinem Lichte werden wir schauen das Licht!" — Zeitungsnachrichten und Eorreftwndenzen. Deutschland. * Mainz, 13. October. Wie ein österreichisches Blatt, die zu Prag erscheinende „Wahrheit" (lucns a non lucendo), berichtet, hat Herr Rabbiner Bamberger aus Fischach, der älteste Sohn des ehrwürdigen Rabbiners zu Würzburg, unlängst in der Synagoge zu Augsburg eine Trauung vornehmen sollen; er weigerte sich jedoch entschieden, dies zu thun, weil in dieser Synagoge eine Orgel oder etwas Derartiges sich vorfinhet- Indem wir auf die Schmähungen des genannten Blattes gegen den würdigen und charakterfesten Rabbiner nicht näher eingehen, wollen wir nur bei dieser Gelegenheit erwähnen, daß uns mehrere Correspondenzen aus Breslau zugegangen, welche sich in schmerzlichster Weise üher die Betheiligung des Herrn Landsrabbiners Tiktin bei der Einweihung der Orgelsynagoge aussprechen. Wo es die Erhaltung unserer heiligen Religion betrifft, dürfen der Friedensliebe" keinerlei Concessionen gemacht werden. onv -cxr När.n -D3 c~:r. Die Schlesische Zeitung berichtet: Empfangen von den weihvollen Klängen der ä^rgel und dem festlichen Gesänge des Chors bestieg zunächst der Landesrabbiner Tiktin die K anze l, umineinem Gebete in hebräischer Sprache für diese Stätte den Segen Gottes zu erflehen!!! Mainz, den 14 Oktober. Wir waren so glücklich heute wiederum 200 Thaler als Resultat