Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 41 (9.10.1872)
- Date
- 1872-10-09
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XIII. Jahrgang. Beilage zu Rr. 41 des Israelit. Leitender Artikel. Babdi Hirsch Aenjamia Auerbach y's- Mainz, am Fasttage Gedaljahu. Wir haben bereits m voriger Nummer unseren Lesern die Trauerbotschaft von dem allzufrühen Hinscheiden des großen Mannes gebracht, den die Ueberschrift nennt. Heute früh in der Synagoge haben wir vor Anbruch des Tages die Selichah gebetet, welche das Hinscheiden der Frommen als ein größeres Unglück, als die Zerstörung des heiligen Tempels in Jerusalem bezeichnet. Nichts destoweniger müssen wir unserem Schmerze Gewalt anthun und ihn zurückdrängen, da der so tief Beklagte testamentarisch verfügt hat, daß man ihn weder mündlich noch schriftlich, weder in Halberstadt noch anderswo nBDD sein, daß man auf ihn nicht die Worte p'iL oder anwenden soll, da er, wie er in übergroßer Bescheidenheit hinzufügte, nur ein '.wo oin gewesen. So schwer es uns auch wird, so wollen wir doch dem letzten Wunsche des Heimgegangenen Nachkommen und uns an dieser Stelle darauf beschränken, einen kurzen Lebensabriß, soweit uns derselbe bekannt, zu geben. Rabbi Hirsch Benjamin Auerbach war in Bonn, wo sein Vater, der berühmte Gelehrte Rabbi Abraham Auerbach V'yr Consistorial-Oberrabbiner war, im Jahre 5568 geboren. Er stammt aus einer seit vielen Jahrhunderten durch talmudische Gelehrsamkeit und Frölnmigkeit hervorragenden Familie. Rabbi David Sinzheim, Oberrabbiner von Straßburg und später Präsident des von Napoleon berufenen Synhedrin, Verfasser des in t war der Oheim und Schwiegervater^) seines Vaters. Während der junge Hirsch Benjamin von seinem Vater im Talmud unterrichtet wurde, bereitete er stch gleichzeitig für die Universitätsftudien vor und bezog später die Universitäten Bonn und Marburg. Seine talmudische Ausbildung erlangte er unter Leitung des berühmten Consistorial-Oberrabbiners Rabbi Löb Carlsburg y's>*i in Crefeld und bei dem nicht minder berühmten Kreisrabbiuer Rabbi Koppel Bamberger b"s! in Worms. Nachdem er seine Studien vollendet hatte, hielt er sich eine zeitlang in Beverungen auf, wo der dortige Rabbiner Rabbi Jakob Rubensohn ✓"st, im *) In erster Ehe, während der Dahingeschiedene aus zweiter Ehe stammte.; Besitze einer großartigen jüdischen Bibliothek, ihm Ge-! legenheit zur ferneren Ausbildung bor. Unterdessen! hatte sich der Ruf des jungen Mannes, die Kunde von seiner talmudischen Gelehrsamkeit, von seinem bedeutenden Wissen auf dem Gebiete der profanen Wissenschaften nnd von seiner echten und ungeheuchelten Frömmigkeit weithin verbreitet. In Darmstadt war um jene Zeit der alte ehrwürdige Rabbiner Rabbi Kalmann gestorben, und das sehr bedeutende Rabbinat, das 107 Landgemeinden umfaßte, sollte durch einen modern gebildeten Mann wieder besetzt werden. Es war damals eine Zeit, in welcher die deutschen Regierungen damit umgingen, die in ihren Staaten lebenden Juden zu emancipiren. Zu diesem Zwecke wollte man zunächst die Juden der modernen Cultur zugänglich machen, und dies glaubte man am besten dadurch zu erreichen, wenn man sie dahin brächte, den Gesetzen und Vorschriften des Judenthums untreu zu werden, mit den Nichtjuden aus einer Schüssel zu essen und den Sabbath aus den Sonntag zu verlegen. Im Großherzogthum Hessen hatte man mit der Durchführung solcher Bestrebungen bereits begonnen. In Mainz waren die alten Vorsteher der Gemeinde ihres Amtes entsetzt, und ein Advokat, welcher öffentlich den Sabbath entweihte und sich in spätem Jahren taufen ließ, war nebst andern Gesinnungsgenossen zum Vorstand ernannt worden. Derselbe hat denn auch sofort damit begonnen, wider den Willen der Gemeinde Reformen im öffentlichen Gottesdienst einzuführen, hatte dem alten Rabbiner Rabbr Löb Ellinger b"z: verboten, in der Synagoge die gewohnten Vorträge zu halten und wollte ihn nur als „Lungenbesichtiger" beivehalten wissen. Unter diesen Umständen hatteil einige junge Rabbinats-Candidaten, welche der Neologie huldigten, die größten und besten Aussichten, den Rabbinarssitz in Darmsladt zu erlangen, zumal es in der Residenz Männer genug gab, welche mit dem alten Judenthum gebrochen Hecken und eine Reform desselben erstrebten. Von den f -ttesfürchtigen Israeliten des ganzen Rabbinats jedoch mrden die größten Anstrengungen gemacht, einer: ebenso würdigen wie tüchtigen Rabbinen anzustellen, und ihre Wahl fiel auf Auerbach Als sie die Anstellung desselben durchsetzten — auch in Mainz war damals die Regierung von ihren gewaltsamen Reformbestrebungen zurückgekommen — herrschte ein ungeheurer Jubel im Lande. Freunde und Bekannte schrieben sich einander Gratulationsbricfe, und in der That, sie hatten alle Ursache dazu. Der junge Rabbiner vereinte in sich alle die Eigenschaften, welche einem solchen zur Zierde gereichen. Auf talmudischem Gebiete zu den hervorragendsten Gelehrten gehörend, hatte er eine bedeutende profane Bildung genoffen und