Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 41 (9.10.1872)
- Date
- 1872-10-09
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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war ein ooid vpb-r *n\ Jedoch die der Neologie huldigenden Mitglieder der isr. Gemeinde zu Darmstadt waren und blieben seine Feinde und kämpften gegen ihn mit aller Macht. Während nach und nach fast sämmtliche großherzoglich hessische Rabbinate mit Neologen besetzt wurden, während man sogar in Worms dem ehrwürdigen und alten Kreisrabbinen Rabbi Koppel Bamberger y'sn einen der Neologie huldigenden Prediger, der allerlei Reformen einführte, zur Seite stellte, stand in Darmstadt allein Auerbach der Reform als -nny gegenüber. Da gab es nun unaufhörliche Kämpfe. Bald sollte die Confirmation eingeführt, bald sollten die Piutim abgcschafft werden. Bald sollte dies geschehen, jenes unterbleiben. Unaufhörlich wurde die Regierung mit derartigen Zwistigkeiten behelligt, und die Reformer suchten in jeder Weise ihren Rabbinen zu verdächtigen und mißliebig zu machen. Es kam so weit, daß eines Tages ein maaßgebender Regierungsbeamter zu Auerbach sagte: „Da Sie stets so angegriffen werden, so sollten Sie freiwillig von Ihrem Amte zurücktreten." „Das würde ich sehr gern thun, Ercellenz," cntgegnete Auerbach, „wenn ich nur wüßte, daß ein anderer Auerbach an meine Stelle träte, der den Kampf für unsere höchsten Heiligthümer forsetzcn würde." Durch welche Mittel es endlich gelang, den ob seiner eisernen Widerstandskraft den enragirten Reformern verhaßten Rabbinen von seinem Amte zu entfernen, können wir hier nicht näher angeben. Nur das wollen wir erwähnen, daß man ganz unverfängliche Dinge zu schweren Anklagen zu gestalten wußte. Was Auerbach während seiner 23jährigen Amtsthätigkeit in Darmstadt für die seiner geistlichen Obsorge unterstellten Landgemeinden der Provinz Starkenburg lind des Odenwaldes gewirkt und gethan, ist gar nicht zu beschreiben. Mit der größten Aufopferung sorgte er für die An: stellung würdiger und tüchtiger Rcligionslehrer und D'arm?, während er ohne Ansehen der Person die Unwürdigen und Schlechten vom Amte entfernte; diese wurden dann seine eingefleischten Feinde, seine erbittertsten Gegner. — Ueberall organisiere er wohlthätige Vereine und sorgte für die Unterstützung der Wittwen und Waisen. Sofort, nachdem A. durch großh. Cabinetsbefehl von seinem Amte entfernt war — er war, wie alle großh. hessischen Beamten auf Widerruf angestellt und konnte deßhalb ohne richterlichen Entscheid seines Amtes entsetzt werden — wurde Dr. Stein, damals Rabbiner zu Frankfurt, nach Darmstadt berufen, um die Orgel in die alte Darmstädter Synagoge einzuführen, was denn auch mit großem Eclat geschah. Auch wußten die enragirten Reformer in D. es durchzufetzen, daß gegen den Willen der Landgemeinden der später durch den Cotelettenprozeß so bekannt gewordene Dr. Landsberg aus Posen zum Rabbiner von Darmstadt designirt wurde. Wie in den letztverfloffenen 15 Jahren die Religiösität in den Landgemeinden heruntergekommen, ist kaum zu beschreiben, und ist erst in neuerer Zeit durch die Berufung des Dr. Marx als Rabbiner der orthodoxen Religionsgesellschaft zu Darmstadt eine Wendung zum Bessern eingetreten. Dr. A. siedelte nun nach Frankfurt a. M. über, wo er als Privatmann lebte und unablässig dem Studium unserer heiligen Gotreslehre oblag. Daß aber ein solcher Mann der praktischen Thätigkeit, in der er so viel Gutes wirken konnte, fern bleiben sollte, schmerzte seine Freunde tief, und als beim Beginn des vorigen Jahrzehnts der Rabbinatssitz zu Halberstadt durch das Hinscheiden des frommen und gelehrten Rabbi Matthias Levian vacant wurde, suchten sie mit Erfolg die maaßgebenden Persönlichkeiten zu bestimmen. Dr. A. zu berufen. In Halberftadt fand vr. A. eine Gemeinde, die seine immense Gelehrsamkeit und seine andern erhabenen Eigenschaften zu schätzen wußte, ihn liebte, ehrte und achtete, wie er es in so hohem Grade verdiente. Hier lebte er rrnajn rninn by, einzig bestrebt ns-npn urwcx p’rnnV (*rnnNny m:n. Namentlich war es der Commerzienrath Joseph Hirsch y'y?, der ihm eine unbegrenzte Verehrung entgegentrug und sich zwiefach mit ihm verschwägerte. Es war ein so schönes inniges Verhältniß, wie es vor mehr als 100 Jahren zwischen dein berühmten Hofagenten Rabbi Bärmann und dem noch berühmteren Rabbinen Rabbi Hirsch Margolioth p"si stattgefunden hatte. Der Tod hat die beiden Freunde nur aus kurze Zeit getrennt •-n£j cnv:^ c.'ptd rro’yjn. Wie Rabbi Hirsch und Rabbi Bärmann auf dem alten Halberstädter Friedhofe, so ruhen vr. Auerbach und Joseph Hirsch auf dem neuen nebeneinander. Schon seit inehreren Wochen leidend, ging der edle Mann gegen Ende des jüdischen Kalenderjahres seiner Auflösung entgegen, bis er am ersten Selichothtage im Kreise seiner Kinder, seiner Gattin und vieler andrer Verwandten und Freunden seine Seele aushauchte. Seine letzten Worte waren: „Endlich sehe ich ton dyy. Am Dienstage wurde er zur Ruhe bestattet. Zu seinem Leichenbegängnisse waren viele Freunde und Verwandte und viele Angehörige des Rabbinats aus der Nähe und Ferne herbeigeeilt. Die höchsten Behörden der Stadt waren vertreten. Die vielen Redner, die an seiner Bahre und an seinem Grabe sprachen, vermieden es, dem Willen des Heimgegangenen gemäß einen eigentlichen iSDn zu halten, sondern beschränkten sich darauf, dem theuren Hingeschiedenen min nachzusagen und die versammelte Gemeinde zu ermahnen, in *) Die zahlreichen bedeutenden Werke des Verewigten aufzuzählcn und zu besprechen, behalten wir für einen besonderen Artikel vor.