Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 41 (9.10.1872)
- Date
- 1872-10-09
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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872 diese an einen Stein binden und den Stein in des Königs Zimmer schleudern." „„Aber,"" entgegnete der Ritter, „„ich bin des Schreibens unkundig, und woher sollen wir Pergament und Dinte nehmend"" „Ich besitze eine Wachstafel und einen Griffel, ich werde beim Lichte des Mondes die Warnung schreiben, wenn Ihr sie nur mit sicherem Wurfe in das Gemach des Königs befördern wollt." „„Meines Wurfes bin ich sicher, schreibt nur und zeigt mir^dann das Fenster des Königs."" Darauf zog der Rabbi ein Wachstäfelchen aus seinem Gewände hervor ltut) schrieb darauf mit einem eisernen Gr'ffel in französischer Sprache: „Richard. großer König, Du befindest Dich in schrecklicher Gefahr, Emir Said ist nur deßhalb Christ geworden, um Dich in sein Haus zu locken. Noch in dieser Nacht sollst Du gebunden und so dem Saladin ausgeliefert werden. Zwei Deiner Getreuen, die als Eclaven in diesem Hause weilen, warnen Dich und rufen Dir zu: Sei auf Deiner Hut." Nachdem der Rabbi dieses geschrieben hatte, nahm der Ritter das Täfelchen, band es an einen Stein und schleuderte diesen nach dem Fenster, welches der Rabbi ihm bezeichnet hatte. Richard hatte sich eben zur Ruhe niedergelegt. Zu den Füßen seines Divans ruhte Edmond, sein Leibknappe. Klirrend flog der Stein durch die Fensterscheibe und fiel dem Knappen auf die Brust, der erschreckt emporsprang. Auch der König erwachte. „Was geht da vor, Edmond?" fragte er. Dieser hatte bereits den Stein ergriffen und die Wachstafel von demselben losgelöst. Er las die Aufschrift dem Könige vor. Als der König die Worte vernommen hatte, die der Wachstafet eingegraben waren, eilte er an das zerbrochene Fenster, riß den Flügel auf und sah im Mondenscheine die beiden Männer stehen. Diese aber legten die Hand auf den Mund, um so dem Könige zu bedeuten, daß er schweigen möge. Richard verstand den Wink, kehrte in das Innere des Gemaches zurück, befahl dem Knappen, die im Vorzimmer schlafenden Gefährten zu wecken und ihnen zu befehlen, daß sie schleunigst ihre Rüstungen anlegen und ihre Schwerter ergreifen sollten. Auch der König wappnete sich schnell und in kurzer Zeit stand er gerüstet da, das riesige Schwert irr der Hand, umgeben von seinen Getreuen. Mit leiser Stimme theilte der König seinen Begleitern den Inhalt der Warnung mit, die ihm heimlicher Weise war zugestellt worden. Dann wurde Rath gehalten, wie man am besten der Gefangenschaft entgehen könne. Die Einen meinten, man sollte die Thür verrammeln und so den Ueberfall erwarten. Die Andern waren der Ansicht, man solle den Austritt aus dem Schlosse erzwingen und sich sofort in's Freie begeben. Beides hatte seine großen Gefahren. Was war dabei gewonnen, wenn man im Zimmer den Angriff abhielt? Und wenn man auch in der Nacht den Ausgang aus dem Schlosse erzwingen würde, so konnte man leicht bei der Unkenntniß des Weges dennoch in die Hände des Emirs fallen. Während die tapfern Helden noch miteinander beriethen, wurde Plötzlich die Thüre von Außen geöffnet und der Emir trat herein, bis an die Zähne bewaffnet, begleitet von seinen ebenfalls bewaffneten Söhnen und Dienern. Sa'kd hatte geglaubt, daß er sich der Schlafenden hätte bemächtigen können. Erschreckt fuhr er zurück, als er den gewappneten König inmitten seiner Helden erblickte. Dieser aber erhob sein riesiges Schwert, stürzte auf den Emir los und schrie: „Empfange Deinen Lohn, Verräther." In demselben Augenblicke führte er einen furchtbaren Streich gegen das Haupt seines treulosen Wirthes und trennte ihm den Kopf vonr Rumpfe. Jetzt entspann sich ein furchtbarer Kampf. Richard und seine Helden vollbrachten Wunder der Tapferkeit. Auch die Söhne des Emirs fielen unter den Streichen des löwenherzigen Königs, während seine Begleiter die immer zahlreicher herandrängenden Mosleniim niedermähten. Aber auch die Engländer wurden bart bedrängt: schon waren Einige von''ihnen getödtet, den Andern floß das Blut aus vielen Wunden. Sicher wäreii sie der Ueberzahl erlegen, wenn nicht Plötzlich die heranstürmcnden Moslemim auch im Rücken wären angegriffen worden. Als nämlich Rabbi Samson und Ritter Humphrcn das Kampfgetümmel vernahmen, waren sie an die Pforte des Schlosses geeilt und hatten so lange an derselben gerüttelt, bis sie nachgab und aufsprang. Dann waren sie in die Rüstkammer des Emirs gelaufen, deren Lage Rabbi Samson genau kannte, hatten sich jeder eines Schwertes bemächtigt rmd waren dann ihren Landsleuten und ihrem Könige zu Hilfe gekonunen. Als die Moslemim sich auch in? Rücken angegriffen sahen, entsank ihnen der Muth und sic wandten sich zur Flucht. Aber nur Wenige entkamen, Ritter Humphrey mähte die meisten nieder, die an ihm dorüberstürzen wollten. Einer der Entkommenen eilte auf das Vorwerk, um die Sclavcn des Emirs und ihren Aufseher zrr Hilfe zu rufen. Allein der Aufseher war todt und die Sclaven zogen es vor, zu entfliehen. Als der Tag anbrach, waren Richard und die Seinen Herren des Schlosses. (Fortsetzung folgte Hierzu eine Beilage. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'sckcn Hofbuch Handlung. Z. Gottsleben's Buch- und Steiudruckerei in Mainz.