Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 41 (9.10.1872)
- Date
- 1872-10-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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870 ten und Frommen verheißen — m% sein Andenken in Israel ein gesegnetes sein und bleiben — und so sei ihm die Erde leicht; sie deckt diesmal einen der besten und edelsten Menschen, die sie je getragen. n"3"ä"j"n. Elias Karpeles, Rabbiner. Amerika. 9kew Uork, 13. Sept. Die „New-Iorker Handelszeitung" brachte vor mehreren Wochen einen Artikel über nothwendige Reformen in der deutschen Gesetzgebung für den Schutz der Auswanderer; es ist zu hoffen, daß die Anregung nicht fruchtlos sein wird. Jetzt hat ein neuerdings vorgckommener Fall Lücken in der diesseitigen Gesetzgebung ausgedeckt, die wahrhaft himmelschreiend sind. An Bord des amerikanischen Schiffes „Charles Marshall" sind 458 Passagiere, darunter etwa 80 polnische Juden, angekommen; dies Schiff hatte das Unglück, am vierten Tage seiner Fahrt den Capitain zu verlieren, was eine vollständige Auslösung der Disciplin unter dem Schiffsvotk zur Folge hatte. Unter Anderem ließen die Matrosen ihren Ucbermuth an den Juden aus, die sie zu ihrem Ergötzen in empörender Weise mißhandelten. Die Klagen derselben führten eine Untersuchung vor einem der Auswandernugs- Commissäre in New-Uork herbei. Dieser aber erklärte, die Gesetze der Vereinigten Staaten gewährten dafür keinen Schutz, seien vielmehr nur gegen Mordanfälle gerichtet. Hiesige Zeitungen weisen nun darauf hin, daß bei solchem Stande der Gesetzgebung ein unglücklicher Passagier auf einem amerikanischen Schiffe von den Matrosen halb tobt geschlagen werden könne, ohne gesetzliche Abhilfe zu finden und verlangen im Interesse der Union schleunigste Ausfüllung dieser Lücke. „Wie die Sache jetzt liegt," sagt die „New-Aork-Times", „ist der Paffagier factisch in der Hand des Schiffsvolks, ohne Hoffnung auf Schutz oder Abhilfe durch das amerikanische Gesetz, dem er sich anvertraut hat. Es ist ein Gedanke, der keinen Amerikaner mit Stolz erfüllen kann, daß auf einem amerikanischen Schiffe und unter amerikanischer Flagge Auswanderer, welche die Freiheit und Sicherheit suchen, die wir aller Welt zu bieten vorgeben, solchen Mißhandlungen ausgesetzt sein sollten, wie jene armen Leute auf „Marshall," während das Gesetz als gleichgiltiger Zuschauer dabei steht." — Es ist zu hoffen, daß von Seite der europäischen Regierungen die nothwendige Anregung gegeben werde, durch angemessene Verträge und Gesetze Abhilfe zu schaffen. A?etv-Nork. In der Nacht vom 29. August verunglückte das Schiff „Metis" auf der Fahrt von New-Aork nach Boston. Herrn G. H. Ullmann von Paris, Passagier auf diesem Schiffe, gelang es, Herrn A. Kalotz von Wilna und noch andere Personen zu retten. (Jew. Ehr.) Feuilleton. Der Fürst von Coucy. XIV. Rabbi Samson hatte unterdeß schreckliche Tage verlebt. Oftmals wäre er fast den furchtbaren Leiden erlegen, welche der Haß Said's und die Rohheit des Sclavenaufsehers über ihn brachten. Allein sein Gott- Vertrauen wankte nicht und hielt ihn stets aufrecht. „Gott schaut," sprach er zu sich selbst mit den Worten des Psalmisten, „von seinem heiligen Himmel zur Erde hernieder, zu hören das Aechzen des Gefesselten, zu befreien die dem Tode Geweihten. Ach, in Rauch verschwinden meine Tage und wie Fcuerbrand glimmt's in meinen Gebeinen. Wie Gras verwelkt mein Herz und vor der Stimme meines Seufzcns klebt die Haut mir an den Gebeinen. Ich gleiche dem Pelikan in der Wüste, dem Uhu in verödetem Gemäuer. Dp aber, o Gott! wendest Dich zum Gebete des Einsamen und verachtest nicht mein heißes Flehen." So suchte sich der Unglückliche zu trösten und fand auch Muth, Kraft und Ausdauer im Gebete. Während der Belagerung von Ptolomai's war ein englischer Ritter ciu-S der Umgebung König Richard's von den Muhamedauern gefangen genommen und dem Emir Said als Sclave überlassen worden. Dieser hatte ihn auf sein Schloß im Libanon geschickt, wo ihn der Haushofmeister des Emir auf demselben Vorwette verwandte, auf welchem Rabbi Samson zu so harter Arbeit ungehalten wurde und so schwere Mißhandlungen erdulden mußte. Der Jude und der Christ, beide zum harten Sclavenlose verdammt, schlossen bald Freundschaft miteinander. Ritter Humphrcy von Old-Castel, so hieß der neue Sclave Saids, erkannte mit Freuden in dem Rabbi den Landsmann und Mitunterthan seines Königs. Er erzählte ihm von all den Ereignissen, die sich in der englischen und französischen Heimath zugetragen, von dem Tode König Heinrichs und der Thronbesteigung Richard's, von dem Heldenmuthe, der Gerechtigkeitsliebe und dem Edelsinne des jungen Königs, wie er die Verfolger der Juden bestraft, durch strenges Gericht weitere Ausschreitungen gegen die Bekenner des einzigen Gottes zurückgehalten habe. Rabbi Sanlson hörte weinend dre Erzählung von den Leiden seiner Brüder in England mit an, und die Nachricht von dem Tode seines Jugendfreundes, des Rabbinen von London, erfüllte ihn mit