Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 41 (9.10.1872)
- Date
- 1872-10-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2447551-2447592--10934-2466696- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
869 erbaute der hiesige Maurermeister Stolz eineu stattlichen , zierlichen Tempel, so daß die Vynagogen- Gemeinde bereits am 10 d. im Stande war, die Einweihung zu feiern. Dieser Tag, vom Wetter begünstigt, ist ein für die Gemeinde unvergeßlicher und war für die hiesigen sLewohner ein feierlicher. Vormittags 10 Uhr versammelten sich die hiesigen, wie die eingeladenen auswärtigen Gemeinde-Mitglieder aus Mehlsack, Creuzburg i. Pr., Bladian in ihrem alten Betsaale und nahmen Abschied. Sodann unter Lorantritt der hiesigen Musikkapelle, welche das Lied „Lobet den Herren" blies, bewegte sich der Zug: die beiden Nabbinen, Herr Kaufmann aus Mehl sack und Gallinner von hier, im Ornate, die Gesetzesrollcn getragen von den Herren Simon und Arnsdorf sen. unter dem Baldachin, der Vorstand mit dem stellvertretenden Landrath Baron v. Korff, die Gemeinde- Mitglieder, die städtischen wie Staatsbehörden, die eingeladenen Gäste durch die Straßen zum neuen Gotteshause. Als der Zug hier angelangt war, trat Frau!. Arnsdorf mit einer sinnreichen Ansprache zum Landrath und überreichte demselben den Schlüssel. Der Landrath eröffnet«: dann in kurzen aber kräftigen Worten dankend, die Pforten der heiligen Stätte. Durch Choralmusik „Nun danket alle Got " wurde der Gottesdienst eingeleitet. Die Gesangsvorträge des Mehlsacker Chors waren vortrefflich und die Festpredigt des Herrn Rabbiner Kaufinann wurde allgemein mit Befriedigung ausgenommen. Er beantwortete die Frage, welchen Segen das Gotteshaus seinen Besuchern bringt, dahin, daß es nicht blos dieselben zu Gott führt, zu Ihm, erhebt, in Ihm stärkt, sondern auch eine Liebe erzeugt, die sich über olle Menschen ohne Unterschied der Religion, des Ranges, des Standes erstreckt, ein Band der Zusammengehörigkeit, das die ganze Menschheit umschließt wie die Glieder der Familie eines Hauses. — Hieran schloß sich das Weihgcoet. Dann folgte das Gebet um Segen für den Kaiser, die Kaiserin, das ganze kaiserliche Haus, die Königin-Wittwe, alle Behörden, Gemeinde, Stadt und für das ganze deutsche Vaterland. (K. H. Z.) Hamburg, 23. Sept. Der hiesige isr. Kranken - Unterstützungs - Verein feierte m voriger Woche im Privatkreise den Tag, an welchem derselbe vor 75 Jahren gegründet worden war. Derselbe zählt gegenwärtig ungefähr 70 Mitglieder. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Loschitz in Mähren. kV. Ich bin heute kein Verkünder froher Botschaft, da ich die schmerzliche, überaus traurige Pflicht zu erfüllen habe, den Tod eines Mannes in Israel zu melden, der zu den Besten und Edelsten seines Volkes gehörte. Der Nestor der mährischen Rabbinen 'wn am pnx 'p -in"?o t>run, ist am Mittwoch den 25. d. M. in seiner Gemeinde Aussee in früher Morgenstunde in ein besseres Jenseits hinübergegangen, und gestern haben wir seine sterblichen Reste zur letzten Ruhestätte geleitet. Was wir mit ihm verloren, eine Säule des glaubenstreuen, alten Judenthums, einen Hort der Thora in Israel — wer weiß es nicht? Ist doch allenthalben in den Annalen des orthodoxen Judenthums der Name R. Ahron Gilgenbeittier ein geachteter und bedeutender. Aber die Fülle von Tugenden und Vorzügen, die mit dem Träger dieses Namens eingesargt wurden, die unverwelküchen Kränze des Verdienstes, die dieses thencre Greisenhaupt zierten, seine auftichtige Frömmigkeit, seine große talmudische Gelehrsamkeit, fein Eifer für Erhaltung des Gottesgesetzes, seine Milde und seine Wohlthätigkeit, wie seine grenzenlose Bescheidenheit, die all seinen edlen Vorzügen noch die Krone aufsetzten, dies Alles zu schildern, wäre unmögliches Beginnen. Und das allein ist schon das beste Zeichen seiner geistigen Größe. ro^ro -wvo rirH sv'v! Die seltene Liebe und Treue, die der Verblichene im Leben genoß, zeigte sich am Wahrsten bei der gestrigen Bestattung, zu der aus allen Gegenden unserer Provinz Schaaren von Glaubensgenossen herbeieitten, um dem greisen allverehrten Seelenhirten die letzte Ehre zu erweisen. Da erfüllte sich das Wort der heiligen Thora: „Als die ganze Gemeinde gesehen, daß Ahron verschied, da beweinte ihn das ganze Haus Israel," Mir, als dem nächsten Amtscollegen und Freunde des Verewigten, wurde die schwere Aufgabe zu Theil, demselben die Grabrede zu hatten, eine Aufgabe, bei der nur das Wollen geschätzt werden darf, nicht der Inhalt des Gesagten, da die Schilderung eines solchen Reichthums von Tugenden, mit denen dieser Hohepriester Ahron aus dem Leben geschieden, tsnpn bn pn« 82' ns*D, und womit er in das Heiligthum des lichten Jenseits einzieht — nicht in Stunden und Tagen erschöpft werden kann. Rach mir sprach der von Schmerz und Gram ganz gebeugte Sohn des edlen Verblichenen, Dr. I. Gugenheimer aus Kollin, den die Schreckensbotschaft ahnungslos erreicht hatte. Daß bei seinen Worten kein Auge der großen Trauerversammlung trocken blieb, ist fast''überflüssig zu erwähnen. Lassen Sie mich für heute, wo ich unter dem frischen Eindrücke schreibe, schließen. Ein Lebensbild des Ringens und Schaffens des edlen Verblichenen im Dienste unseres Glaubens hier und in Bayern, möge ein Berufener ausführen. Ich rufe dem theuren Freunde hier nur noch das letzte Lebewohl zu! Möge sein Geist in lichten Höhen jener ewigen Seligkeit theilhaftig werden, die allen Gu-