Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 40 (2.10.1872)
- Date
- 1872-10-02
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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852 bringen. Gleich einem muthigen Löwen scheute Richard vor keiner Gefahr zurück. Einst ritt er mit einem einzigen Begleiter durch ein Dorf in Calabrieu, wo er mit den Bewohnern des Dorfes in Streit gerieth. Die ganze Einwohnerschaft, die den König nicht kannte, fiel ihn mit Knitteln an, und er und sein Begleiter wehrten sich so lange gegen die Hunderte, bis seine Dienerschaft ihm zu Hilfe kam. Solche Beweise übermenschlicher Tapferkeit und vor Nichts zurückbebenden Rinthes gewannen dem jungen Könige alle Herzen, zumal er auch gegen Alle gerecht und selbst gegen den Geringsten freundlich und liebevoll war. Bis nach Sicilien legten die Franzosen und Engländer die Reise gemeinschaftlich zurück. Allein die beiden Könige konnten sich nicht lange mit einander vertragen; in Folge dessen gab es sehr viele Veranlassungen zu Streitigkeiten zwischen den beiden Heeren. Als nun gar Richard sich mit der Tochter des Königs von Navarra verlobte und die ihm früher verlobte Braut, die Schwester des Königs von Frankreich, verliest, wich jeder Schein der Freundschaft und des Vertrauens zwischen den beiden Königen. So geschah es denn, dast die beiden Heere sich von einander trennten und in gesonderter Fahrt das heilige Land 311 erreichen suchten. Das französische Kriegsheer kam denn auch am 13. April 1191 im Hafen von Akka an. wo es sich mit den Deutschen vereinte, welche diese Stadt, auch Ptolomais genannt, belagerten. Nicht so gut erging es dem englischen Heere, welches erst nach vielen Gefahren und Thaten das heilige Land erreichen sollte. Da Richard vernommen hatte, daß der Fürst von Cypern gegen die Mutter und die Braut des Königs von England, deren Schiff dahin verschlagen worden war, sowie gegen andere englische Wallfahrer sich unfreundlich benommen hatte, so ließ er seine Schiffe aut Cypern landen und bekämpfte, ohne die ungeheure Ueberzahl der Cyprier zu beachten, dieselben auf's Siegreichste. In 15 Tagen gelang es ihm, die ganze Insel zu erobern, viele feste Plätze und Städte einzunehmen und die unermeßlichen Schätze derselben zu erringen, die er dann mit königlicher Freigebigkeit unter den Seinen vertheilte. Diese Eroberung von Cypern vermehrte Richards Ruhm bis in's Erstaunliche, und der ganze ^Orient war voll des Lobes, das man im reichsten Maße dem kühnen löwenherzigen jungen Könige von England spendete, dessen Großmuth und Edelsinn seiner Tapferkeit nicht nachstand. Auch in das entlegene Bergschloß im Libanon, wo Rabbi Samson als Sclave ein kummervolles Leben führte, drang Richards Ruf. Und als nun gar nach der Ankunft des englischen Heeres die Stadt Ptolomais von den Christen erobert wurde, so war es namentlich der löwcnherzige Richard, dem man den Erfolg zu verdanken meinte. Der Muth der Muhamedaner sank, und sie glaubten, das Ende ihrer Herrschaft sei gekommen. Nur Saladin büeb fest und unerschütterlich; alle feine Heerfiihrer verzweifelten schier. Unter ihnen war's der Emir Said, welcher beschloß, durch ein verzweifeltes Mittel den gefährlichen Feind feines Glaubens aus dem Wege zu schaffen. Said reiste mit seinen beiden Söhnen nach Ptolomai'S rind liest sich hier vor den König von England führen. „Großer Fürst," redete er den König an, „meine Söhne und ick. wir haben von Deinen mächtigen Tdaten und Deinem wunderbaren Heldenmuthe vernommen; wir wünschen nichts sehnlicher, als Dir zu dienen. Bald wirst Du Herr dieses Landes fein, und Alles wird Dir zu Füßen liegen. Wir aber tonnen bei der Eroberung desselben, da wir nicht allein dieses Land, sondern auch Saladin, fein Heer, seine Hilfsquellen und seine Kampfesweiie genau kennen, von größtem Nutzen sein. Wir find bereit. Dir zu dienen und Dir 511 helfen, und zum Beweise, daß wir es treu und redlich mit Dir meinen, wollen wir Deinen Glauben annehmen.^ König Richard war über dieses Anerbieten im höchsten Grade erfreut; er überhäufte den Emir und seine beiden Söhne mit Geschenken; noch an demselben Tage mußte der Bischof von Salesbury die Taufe der drei Neophvten vollziehen. Unterdeß durchzog König Richard selbst das Land und wagte sich dabei fast bis an die Vorposten Caladin's. Said und feine Söhne begleiteten ihn auf diesen seinen Srreifzügen. und erklärten ihm stets, w.e und auf welche Weise bei einer etwaigen Schlacht die Heere aufzustellen und immer mehr Terrain für die Kreuzfahrer zu gewinnen sei. Eines Tages sprach Said zu bcnt heldenmüthigen Könige: „Siehst Du dort jenen Hügel, Herr? Hinter demselben liegt mein Schloß. Dein Knecht würde sich glücklich schätzen, in seinem Hause seinen hohen Herrn und Gebieter bewirthen zu können." „„Es sei,"" sprach Richard. „„Wir wollen noch heute Deine Gastfreundschaft in Anspruch nehmen. Mich hungert und dürstet, und ich sehne mich nach guter Bewirthung. Reite voran, Said, wir folgen Dir."" Der Emir that, wie ihm war geheißen worden, und so begab sich Richard, nur von zehn Rittern und einigen Dienern begleitet, in das Haus dessen. den er für einen aufrichtigen Freund hielt, der aber sein erbittertster und grimmigster Feind war. (Fortsetzung folgte Hierzu zwei Beilagen. KkeranIworNirde Revoclion? 1-n. Lehmann. — Lerkay der Le Non rächen Hyfhucbhandlune -z. MotissebBuck- und ©tefubnuferei?«