Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 40 (2.10.1872)
- Date
- 1872-10-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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tische Rücksicht vor den unvergänglichen Principien der Gerechtigkeit und Humanität walten zu lassen? (Rum. P.) England. London. Dem früheren Premierminister in England, D'Jsraeli, warf unlängst ein Parlamentsmilglied seine jüd. Abstammung vor. D'Jsraeli erwiderte: „Ich bin freilich ein Jude. Während die Vorfahren der Gentlemen nackte Wilde auf dieser Insel waren, waren meine Voreltern Fürsten im heiligen Tempel. Ich fühle daher jeden Nerv erbeben, wenn ich an die Traditionen meines Volkes denke." Amerika. Nelv-Aork. Der ausgezeichnete Soldat und Held von hundert Schlachten, der jetzt den Vereinigten Staaten von Amerika als Präsident vorsteht, und sehr wahrscheinlich im November für weitere vier Jahre wieder gewählt werden wird, hat zu wiederholten Malen gezeigt, wie hoch er den jüdischen Character zu würdigen und zu achten verstehe, indem er mehr Israeliten in Staatsämtern anstellte als irgend einer seiner Vorgänger. Nicht minder jedoch als General Grant, schätzt und achtet der Präsidentschafts - Candidat Horace Greeley, die Verläßlichkeit und den hohen Werth der Israeliten. In einer Rede die er jüngst vor einer Versammlung „Farbiger" in New-Aork hielt, sagt er unter Anderem: „Lassen Sie mich Ihnen die jüdische Race als auffallendes und bemerkenswerthes Beispiel aufführen. Dieses Volk ist, durch mehr denn zwanzig Jahrhunderte, der besondere Gegenstand von Verfolgungen und Unterdrückung gewesen. Sie wurden von Ort zu Ort gejagt, hatten nicht das Recht, Grund und Boden zu besitzen, oder ein anständiges Gewerbe zu betreiben, und wurden dann verhöhnt und verachtet, weil sie Wucher trieben, was doch das einzige ihnen gestattete Gewerbe war. Sie sind mehr Leiden unterworfen worden, als je die Schwarzen in einem civilisirten Lande waren — der Tortur, Confiscation, jeder Art in Mord endigenden Raubgier, unter dem Vorwände, daß sie gewissermaßen verantwortlich wären für die Kreuzigung des Stifters der chr. Religion. Man erzählte mir einen in Californien vor einigen Jahren vorgekommenen Fall, wo ein Jude und ein „heidnischer Chinese," wegen eines Geschäftes in Streit geriethen. Als der Chinese kein anderes Epithet mehr wußte, rief er aus: „Du Jude, du hast „Melican man’s Joss“ (des Amerikaners Gott) getödtet." Wahrscheinlich hatte er, während 10 Jahre, nur so viel über die christliche Religion erfahren, daß die Juden auf irgend eine Weise den Stifter der chr. Religion getödtet hätten. Nun waren die Juden fünfzehn Jahrhunderte hindurch allen möglichen Schmähungen ausgesetzt, denn es gibt keine Säure, die ätzender wäre, als die des theologischen Grolles. So haben die betrübten, verhöhnten, geplagten, verfolgten Juden die langwierigen Jahrhunderte so gut sie konnten, durchlebt; doch ermangelten sie nie, in den Stunden ihrer trübsten und tiefsten Erniedrigung, den Glauben an Gott zu hegen, und in sich selbst zu vertrauen (Beifall), und diese Züge haben sie iunner characterisirt. Selbst der dichte Rauch der Inquisition verdunkelte ihnen niemals die Güte Gottes, und machte sie nie in der Anhänglichkeit an ihre Religion und ihr Selbstvertrauen wanken) und endlich sehen wir den Juden seinen Sitz in Senaten und in den Conseils der Könige eiunehmen. Ich wollte, ich könnte der afrlkanischen Race bei uns diesen Character einimpfen. Ich glaube, daß selbst in den schwersten Zeiten der Unterdrückung, die Juden ihre eigenen Armen versorgt und dann auch zur Unterstützung der Armen anderer Völker beigetragen haben. Ich führe Ihnen dieses Volk als ein Beispiel und als eine Ermuthigung für die „Schwarzen" auf. Diese haben, seitdem sie frei sind, nie den Schimpf oder Hohn, oder Haß. oder die Böswilligkeit erlitten, welche dem Juden durch fünfzehn Jahrhunderte folgten, und über die er gesiegt hat." Feuilleton. Der Fürst vo« Coury. XIII. Der deutsche Kaiser, der greise Held, Friedrich Barbarossa, versammelte die deutschen Wallbrüder, die mit ihni das Kreuz genomnlen hatten, nach Regensburg, von wo aus er den größten Kreuzzug unternehmen wollte, den die Welt je gesehen hatte. Siebzehn geistliche Fürsten, Herzöge, Grafen und Ritter ohne Zahl, unter ihnen des Kaisers eigener Sohn, Herzog Friedrich von Schwaben, schlossen sich dem Zuge an. Die Hunderttausende tapfere Krieger gaben sämmtlich vor, für die Sache des Glaubens begeistert zu sein, das heilige Land erobern oder die Märtyrerkrone in dem Kampfe gegen die Ungläubigen gewinnen zu wollen. Doch trotz der strengen Gesetze des Kaisers, die Zucht, Sitte und Ordnung erhalten sollten, war Ausgelassenheit, Dieberei und Unzucht an der Tagesordnung. Der byzantinische Kaiser Jsak und der Sultan von Jconium halten Gesandte nach Regensburg geschickt und dem deutschen