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Der Israelit · 1872-10-02 · Heft 40 (2.10.1872) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 40 (2.10.1872)
Date
1872-10-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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schönen Hoffnungen berechtigen. Das Waisenhaus wird i ebenfalls reorganisirt und ist zu diesem Behufe ein j Comite von 7 Personen gewählt worden, nämlich die i Herren vr. K. Lasch, Jacob I. Freund, Georg Feigl, j S. K. Frankel, Leopold Wolf, I. Kubinsky, David! Zappert, welche die Aufsicht über das Waisenhaus zu führen haben. Bezüglich der Schechitah, welche gegenl wärtig nur von 2 Schächtern besorgt wird, wurde auf Anregung des Rabbinates die Anstellung eines dritten Schochets beschlossen und der Gehalt für denselben im Budget eingestellt. Eine Reform der Cultussteuer, welche gleichfalls angestrebt wird, stellt vor der Hand noch weit im Felde, und dürfte diese auch im Allgemeinen für das jüdische Leben hier von tieieiugreifender Bedeutung werben, da eine totale Umgestaltung der ganzen Gemeindeorganisanon mit derselben verknüpft ist. R u m ä n i e n. Bukarest, 20. Sept. Am verflossenen Dinstag Abend sind, wie bereits berichtet, Abraham Preiszmann, Haim David und Israel Vaißmann, die drei Jsmailer Israeliten, welche trotz ihrer von dem General-Staatsanwalt anerkannten Schuldlosigkeit von der Buzeuer Jury zusammen mit dein Dieb ecülvermann für schuldig befunden und zu drei Jahren schweren Kerkers verurtheilt wurden, von unserm Fürsten begnad gt, ihrer Haft entlassen worden. Ihrer Wohnstätten und aller Habseligkeiten völlig entblößt, sind ihre Frauen und 16 unmündige hllflose Kinder nach der Hauptstadt gebracht und seitdem durch die grostmüthige Hand jenes Maitnes versorgt worden, welcher der getreue Bertheidiger und Beschützer dieser Leute sowohl als auch aller Unglücklichen von Ismail, Bilcov und Cahul, vom ersten Augenblicke des sie betroffenen Mißgeschickes an, gewesen ist, und welcher ihnen auch jetzt die Mittel an die Hand gegeben hat, uin ihre frühere arbeitsame und redliche Lebensweise, aufgehalten und getrübt durch das schreckliche Zerstörungswerk vom letzten December, wieder aufnehmen zu können. Wtr werden nicht weiter die gratlsame Nothwendigkeit erörtern, welche diese drei unglücklichen Menschen zu Opfern einer ebenso grausamen und empörenden politischen Rücksicht gemacht hat. Alles, was gethan werden konnte, tim ihr düsteres Kerkerleben erträglicher zn machen, ist geschehen, und ihre Frauen und Kinder hatten freien Zutritt in ihre Zelle. Schon als der Justizminister Costa-Foru den Rapport behufs Begnadigung des Rabbi Brandes und des Herrn Goldschläger Sr. Hoheit dem Fürsten unterbreitete , gestand er darin zu, daß wenn die gravirenden Gcftändniffe der am letzten Dinstag Freigelassenen, ihnen durch die von Dropulo und Ehristea practicirten Martern abgerungen worden, — und Niemand, der den Charakter dieser entmenschten Schurken kennt, hat dies je bezweifelt, umsomehr als General-Staatsanwalt Borsch dies an Ort und Stelle conftatirt hatte — sie gleich den ersten zwei Israeliten zur vollen Begnadigung berechtigt wären. Was wir aber betonen und hervorheben müssen, ist der Mangel an moralischem Muth, der an ihrer langen Gefangenschaft Schuld ist. Eine Regierung sollte die öffentliche Meinung leiten und nicht dem Geschrei eines durch eine demagogische und meuterische Presse aufgestachelten Pöbels Gehör schenken. Es gab einen Zeitpunkt im vergangenen Frühjahr, bevor irgend eine gewichtige Stimme sich in der Presse, den Parlamenten und den Cabineten Europas erhoben hatte, wo eure starke Hand und ein fester und entschlossener Wille die ganze Bessarabier Emeute im Keime ersticken, dw schuldigen bestrafen und die Beschädigten entschädigen konnte. Die Welt hätte Beifall geklatscht, es härten keine Eollectiv-Roten, keine Cabinets-Eonseils, keine parlamentarischen Debatten, keine öffentlichen Demonstrationen stattgefunden. Die jetzt begnadigten Israeliten ivären nicht einmal vor das Schwurgericht gestellt worden, hätte man gegen das willkürliche und chicanöse Borgehen der Focichaner Anklagekammer die gesetzliche Opposition gemacht. Selbst wenn dieses schreiend ungerechte Berdict der Buzeuer Jury von der Berurtheilung der angeklagten Hetzer, Räuber und Meuterer gefolgt gewesen wäre, dann hätle sich keine Stimme erhoben, um die Intervention anzurufen, oder den Zorn anderer Nationen gegen die unserige zu entzünden. Leider ist ein anderer Weg eingefchlagen worden, und hat Rumäluen neuerdings, wie einst unter Napoleon 111., die Augen aller Nationen in äußerst lästigem Masze auf sich gezogen. Schwäche ist der Fluch manchen Herrschers gewesen und moralische Feigheit der Ruin manchen Ministers und der Völker, die ihr zum Opfer fielen. Unier Fürst ist durch seinen persönlichen Muth, seinen aufgeklärten Sinn und seine hohen Tugenden ausgezeichnet. Auch kann Herrn Eosta-Foru keineswegs Schwäche oder Ignoranz vorgeworfen werden; er hat in der Thar viele Beweise seines Gerechtigkeitssinnes und einer furchtlosen Unabhängigkeit gegeben. Was war also die Ursache der Verschleppung und verkehrten Behandlung der Bessarabier Affaire? Die Antwort liegt in jenem fatalen Jrrthum der Herrscher und Minister, der darin besteht, einer Krisis nicht im geeigneten Augenblicke entgegenzutreten, und den Leiden schäften und Vorurtheilen der Stunde zu fröhnen, anstatt sie zu bändigen und zu bemeistern. Möge nran sich diese Bessarabier Lection zu Herzen nehmen und aus ihr die Lehre ziehen, oatz es nicht gut chur, die Zweckmäßigkeit des Augenblickes und poli-

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