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Der Israelit · 1872-09-25 · Heft 39 (25.9.1872) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 39 (25.9.1872)
Date
1872-09-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
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7 830 Wir nehmen Speise zu uns, zur Erhaltung unserer Person für den Dienst Gottes, zu dem Er uns berufen; wir stärken unseren Körper durch Schlaf und Erholung, um desto rüstiger zu sein für die Erfüllung unserer Lebensaufgabe: wir halten unseren Körper rein und kleiden uns anständig, um als würdige Diener Gottes zu erscheinen. Mit solchen Absichten genießen und in diesem Sinne sich des Lebens erfreuen, ist ununterbrochener Gottesdienst. Daß die heilige Thora den Genuß des Lebens so auffaßt, legen uns unsere Weisen s. A. ans Herz, gelegentlich der Vorschrift, daß der Nasir, welcher drcißigtägige Enthaltung vom Weingenufse gelobte, ein Sühnopfer zu bringen hatte. Der Talmud bemerft hiezu: Wie viel größer muß erst die Sünde sein, wenn wir unscrm ganzen Körper harte Entbehrungen auferlegen! Sohn: Warum hat uns aber Gott den Genuß so vieler Speisen ganz und gar verboten? Vater: Wie gewisse Genüsse zur Erfüllung unserer Aufgabe nothwendig oder fördernd sind, so ist der Genuß vieler Geschöpfe diesem Zwecke hinderlich. Der Schöpfer aller Wesen wußte am besten, welche derselben unserem Aufschwünge zu Ihm nachtheilig sind, und machte uns in feiner Allgüte die Enthaltung derselben zur Pflicht. Ein Gleichniß wird Dich Gottes Verhalten zu uns in dieser Beziehung deutlich verstehen lassen. Ein König übergab seinem Diener ein prachtvolles Vögelein in einem schönen Käfige, mit dem Aufträge, den Vogel gut zu pflegen, ihn groß zu ziehe» und ihn schön singen zu lehren. Gleichzeitig befahl der König dem Diener, daß er den Käsig stets rein uub glänzend erhalte, damit die Gesundheit des Vogels nicht leide und das Ganze einen schönen Anblick gewähre. Der Diener that wie ihm befohlen; aber trotz der größten Fürsorge wollte das Vögelein nicht gedeihen, ließ selten seine Stimme zum Gesänge erschallen und näherte sich sichtbar dem Tode. Bestürzt darüber fragte der Diener einen erfahrenen Freund, der bald die Ursache ausfand. Die Tinktur, mit welcher der Diener täglich den Käfig reinigte, enthielt nämlich ein Gift, dessen Geruch der Gesundheit des Vögeleins schädlich war und seinen baldigen Tod unfehlbar herbeigeführt hätte. Von nun an reinigte der Diener den Käfig mit einenr anderen Mittel, welches ihm sein Freund empfohlen und siehe, das Vögelein gedieh sichtbar, wurde munter und erfreute Jedermann durch seinen lieblichen Gesang. Als der König den Käfig sammt den Vogel zurückverlangte, war er sehr zufrieden mit seinem Diener und belohnte ihn reichlich. Das Gleichniß wirst Du leicht verstehen. Der Käfig ist unser Körper und die Seele ist das Vögelein darin. Manches, was den Körper kräftigt, ist Gilt für die Seele. Gott in seiner unendlichen Güte, hat uns in seiner heiligen Lehre Anweisungen gegeben, daß wir nicht, wie jener unerfahrene Diener handeln. Wir können daher die Grundsätze unserer heiligen Thora bezüglich des Genusses in folgenden göttlichen Worten zusammenfassen. Einserseits Cü’rvwsj nx Gebet Acht auf Eure Persönlichkeit (sie kräftig und rüstig für den Dienst Gottes zu erhalten); andererseits odtucpej nx ixoon Ihr sollt Eure Person nicht verunreinigen, d. h. sie nicht unfähig machen für das Hinstreben zu Gott durch viehischen Genuß ohne Maß und ohne Wahl. 'wip on”rn QnttHpnni Ihr müßt Euch heilig führen, um heilig werden zu können imp ’jx denn urheilig bin nur ich Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Oftrowo, 8. September, So lange das Gymnasium zu Ostrowo besteht, war es stets üblich, daß beim Maturitäts-Examen die Abiturienten jüdischer Confession ohne Ausnahme am Sonnabend ihre schriftlichen Arbeiten machten. Auf diesfallsige Vorstellungen entgegnete man, daß es keine Dispensation von der Anfertigung schriftlicher Arbeiten am Sabbat geben kann, und wenn eine solche überhaupt möglich wäre, so sei sie unfehlbar mit anderweitigen großen Nachtheilen für die betreffenden Abiturienten verbunden. Endlich wurden etwaige religiöse Scrupel noch dadurch zum Schweigen gebracht, daß mau auf die Fruchtlosigkeit aller früheren Vorstellungen in dieser Beziehung hinwies und auf das Unnütze aller ferner» Bemühungen in dieser Sache schloß. Dieser beklagenswerthe Zustand blieb unverändert bis zur Zeit, da die Gemeinde von Ostrowo das Glück hatte, Herrn Dr. Freymanu zu ihrem Seelsorger zu erhalten. Er erklärte sofort beim Antritt der Stelle mit Entschiedenheit, daß eine solche Entweihung des Sabbats unmöglich geduldet werden könne, zumal auf keinem andern Gymnasium von einem Zwange hierin die Rede ist. Die Eltern der diesjährigen Abiturienten reichten nun auf dessen Veranlassung ein Gesuch bei dem Gymnasialdirector ein, in welchem sie ihn baten , ihre Söhne vor der Uebertretung einer religiösen Pflicht zu wahren. Sie wurden jedoch abschlägig Geschieden, da der Director sich auf einschlagende Gesetzesparagraphen berief, demzufolge sämmtliche schriftliche Arbeiten in einer und derselben Woche angefertigt werden müßten; er sei daher nicht befugt, die israel. Schüler vom Schreiben am Sonnabend zu dispensiren. Allein Herr vr, Frey mann ließ sich durchaus nicht entmuthigen, sondern setzte seine edlen Bemühungen mit Eifer fort. Er wandte sich nunmehr an das Provinzialschulcollegium, welches humaner dachte als der Herr Dixec-

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