Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 39 (25.9.1872)
- Date
- 1872-09-25
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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831 tot, und ohne Weiteres die Bitte des Herrn Rabbiners gewährte. In dem Schreiben, welches infolge dessen der Director an Herrn vr. Frey mann richtete, erklärte er sich für ermächtigt, die Arbeiten so zu vertheilen , daß die Examinanden am Sonnabend gar keine schriftlichen Arbeiten bekommen. Dieses Factum legt ein ebenso glänzendes Zeugniß ab von der Humanität des Provinzialschulcollegiums, wie von den segensreichen Bemühungen unfern Herrn Rabbiners. j Möchten diese Zeilen in Etwas dazu beitragen, daß man, wenn irgendwo vielleicht noch ein solcher Gewissenszwang besteht, aut baldige Abstellung desselben - bedacht sei. H. Josefowiz.! Metz. Unser früherer Oberrabbiner, Herr Lippj mann, hat uns verlassen, um sich an seinen neuen Rab-! brnatssitz in Lille zu begeben. Bor seiner Abreise wurde ihm im Namen der Gemeinde ein sehr schöner Pokal; und noch viele andere Andenken von einzelnen Gemein- - demitgliedern überreicht. Bezüglich der Neubesetzung! spricht man bereits von zwei elsässischen Candidaten, den j Herren Bigard und Moque. (Arch. Jsr.) ' England. London. Sir Moses Montefiore war so freundlich, uns seinen an den Board of Deputies gerichteten Bericht über seine Reise nach Petersburg zu übersenden. Wir werden im Nachstehenden, um nicht zu wiederholen, aus demselben nur dasjenige mittheilen, was in unfern bisherigen Berichten noch nicht enthalten war. Bor seiner Abreise erhielt Sir Moses Montefiore auf's Bereitwilligste von Earl Granville, dem engl. Minister des Aeüßern, an den engl. Gesandten in Petersburg und vom russischen Gesandten in London an den russischen Minister der auswärtigen Angelegenheiten Empfehlungsbriefe. &■' Als am Freitag den 42. Julr SirjMoses sich in Hüll einfchiffte, um nach Schweden überzufahren, empfing er kurz zuvor durch einen Extra-Boten von einer hohen Persönlichkeit einen Brief, welcher ihn benachrichtigte, daß in Petersburg die Cholera sehr stark wüthe; trotz alledem entschloß er sich, die Reise fortzusetzen. Während seines Aufenthaltes in Stockholm brachten die Zeitungen allarmirende Nachrichten über den Gesundheitszustand von Petersburg, so daß einige seiner Begleiter chm von der Fortsetzung der Reise abriethen; er aber ließ sich davon nicht abbringen, während er diejenigen seiner Begleiter, die sich wegen des Ausbruchs der Cholera furchten sollten, zur Rückkehr nach England veranlassen wollte; doch reisten Alle mit. Bei einer Audienz beim Mimfttr des Aeußem in Petersburg, woselbst er auf's Zuvorkommendste empfangen wurde, theilte ihm dieser mit, daß sein (Montesiore's) Besuch von Petersburg schon vor seiner Ankunft ihm bekannt gewesen, er aber sehr bedauere, daß der Kaiser gerade abwesend und bei den Manövers sei, doch wolle er bei dem Kaiser anfragen, wann und wo er ihn empfangen wolle. In seinem Berichte hebt Sir Moses Montefiore das besondere Wohlwollen hervor, welches der Kaiser ihm gegenüber dadurch bewiesen, daß er von den Manövers hinweg nach der Residenz gekommen, um ihm (Montefiore) in Anbetracht feines Hohen Alters die Mühseligkeit der Reise zu ersparen. In der Audienz selbst, die Mittwoch den 24. Juli stattfand und in welcher Montefiore die Adresfe des Board of Deputies überreichte, empfing ihn der Kaiser mit großer Güte und Freundlichkeit, erinnerte an die Zeit, als Moses Montefiore im Jahre 1846 bvn seinem verstorbenen Vater in Audienz empfangen wurde und antwortete auf's Huldvollste auf alle Gegenstände, die Bezug auf die Mission von Sir Moses Montefiore hatten. Der Bericht spricht sich hierauf über die Juden in Petersburg aus, deren Lage und Stellung Montefiore bedeutend besser findet, als bei seinem ersten Besuche im Jahre 1846. Drei Synagogen sind in dieser Stadt. Bezüglich der israel. Schulen hebt der Bericht rühmend hervor, daß man alle Unterrichtstisciplinen in hebt. Sprache übersetzt, damit auch diejenigenSchüler, bieder russischen Sprache nicht mächtig sind, an dem Unterricht Theil nehmen können. Die Herren Horace Günzburg und Pinchas Rosenberg, letzterer ein aufrichtiger Freund der Armen im heiligen Lande und der Gründer der Suppenanftalt in Petersburg kür Arme ohne Unterschied der Confession, zeichnen sich besonders durch ihre hervorragende Thätigkeit zum Wohle ihrer Glaubensgenossen aus. Drei Ltteraten, die Herren I)r. Zederbaum, S. Mendelkern und I. L. Gordon, tragen durch ihre Schriften zur nütz ichen Belehrung der Gemeinde bei. Es folgt hierauf die Beschreibung der Rückreise, die zu einem wahren Triumphzuge für Montefiore geworden; an allen Eisenbahnstationen in Rußland hatten sich die jüdischen Gemeinden, mit ihren Rabbincn an der Spitze, eingefunden, um den großen Philanthropen, zu begrüßen und ihm für seine Aufopferung zu Gunsten seiner Glaubensgenossen zu danken; wahrscheinlich hatte man dessen Ankunft von einer Station zur andern telegraphisch gemeldet; ebenso wurde er in Deutschland in den Städten, wo er sich aufhielt. mit dem größten Enthusiasmus empfangen und begrüßt. Der Bericht spricht sich zwar nicht darüber aus, , ob Sir Moses Montefiore außer der Ueberreichung der, Adresse an den russischen Kaiser noch andere gute Zwecke, mit seiner Reise nach Petersburg verbunden; zweifels-. ohne ist aber dieder Fall, und die guten Erfolge der Reise Montesiore's für unsere russischen Glaubensgenossen »erden nicht ausbleiben.