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Der Israelit · 1872-09-25 · Heft 39 (25.9.1872) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 39 (25.9.1872)
Date
1872-09-25
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XIII. Jahrgang. Erste Beilage zu Rr. 39 des Israelit. Leitender Artikel. Religiöse Mehrung im jüd. Familienkreise. Nach dem Franzos, des B. Kosmann von I. B. W. Vll. Das Vergnügen. Ihr sollt nicht nachwandeln Euren Herzen und Augen, t's'i nmn «t»?. Sohn: Du belehrtest mich oft, daß der nach den Grundsätzen unserer heiligen Thora lebende Mensch, sich frühzeitig daran gewöhnen müsse, Vieles, was man Vergnügen nennt, zu entbehren. Möchtest Du mir nicht erklären, warum uns die Thora so viele Genüsse verbietet? Vater: Wisse, mein Sohn, unsere heilige Lehre verbietet ilns näher betrachtet, gar keinen wirklichen Genuß. Im Gegentheile, wir finden oft in der Thora selbst und noch deutlicher von unseren Weisen gesegneten Andenkens den Gedanken ausgesprochen, daß es sündhaft sei, sich unnütze Entbehrungen aufzuerlegen. Keine andere Religion macht bei so zahlreichen Gelegenheiten freudigen Genuß zur Pflicht wie die unsrige. Nur der rein sinnliche Genuß, der nur den von den Sinnen befangenen Menschen Befriedigung bietet, ist uns durch die Thora verboten. Sohn: Wodurch lassen sich aber die reinen und daher erlaubten Vergnügungen von den verbotenen sinnlichen unterscheidend Vater: Hierfür gibt es verschiedene, untrügliche Proben. J) Bei sinnlichen Vergnügen ist es unser eigenes Selbst um dessentwillen wir nach dem erwünschten Gegenstände verlangen, wahrend bei denk edleren Vergnügen unsere Eigenliebe mehr oder ganz zurücktrilt. 2) Befriedigung gemeiner Begierden erwartet man mit einer Ungeduld, die oft zur Leidenschaft ansartet, , w daß die Nichtbefriedigung derselben geirölmlich mehr! Kummer bereitet, als die Befriedigung Lust verschafft hätte. Die Erwartung des reinen Vergnügens aber läßt uns leidenschaftslos und findet uns immer empfänglich für dasselbe. 3) Das irdische Vergnügen kann uns übersättigen x.UNd überdauert kaum den Moment des Genießens. Erlaubter Genuß hat immer Reiz für uns. Das erhebende und erfreuende Bewußtsein, eine gottgefällige That geübt zu haben, verdoppelt und verewigt den Genuß solcher Freuden. Findest du z B. besonderes Vergnügen an dem Genüsse einer gewissen Speise, so liebst du im Grunde nicht diese Speise, sondern du fühlst nur Verlangen nach derselben, weil sie den Gegenstand deiner Eßlust bildet und liebest also in erster Linie dich selbst. Du erwartest vielleicht leidenschaftlich den Genuß einer Speise oder eines andern Vergnügens, wirst aber bald Abneigung und Ekel vor denselben "empfinden, wenn sie Dir zu oft geboten werden, oder wenn Du einmal zu viel davon genossen hast. Nicht so ist es der Fall, wenn unser Genuß und unser Vergnügen ''£• ruvj.T ist. Unser Verlangen wird da nicht geleitet von der Liebe für unser eignes Ich, sondern von der Liebe zur;tsd, wir richten die Befriedigung unserer Wünsche nicht nach dem zufälligen Vorhandensein derselben, sondern nach den Umständen des an uns herantretenden Pflichtgenusses und haben wir schon den Genuß ganz in uns ausgenommen und hinter uns, so bleibt uns erst noch das wohlthuende und erhebende Bewußtsein, uns einer rrs-a erfreut zu haben. An unserem Erzvater Jacob gibt uns die Thora ein treffendes Beispiel der reinsten selbstlosesten Neigung oder des höchsten Vergnügens, dessen ein Mensch fähig ist. Von ihm heißt cs 1. B. M. 29, 20.: Jakob diente um Rachel sieben Jahre und sie waren ihm wie einige Tage durch seine Liebe zu ihr. Wenn man um den Besitz einer geliebten Person sieben Jahre erwartend dienen muß, so sollte man glauben, jedes dieser Jahre müsse Jahrzenten gleichen. Aber unser heiliger Erzvater liebte eben Rachel nicht seinetwillen, d. h. wegen seines Gefallens an ihren körperlichen Vorzügen, sondern ausschließlich wegen ihrer Tugenden und geistigen Schönheiten. Deßhalb hebt unsere heilige Thora hervor rranra indem er sie ihrer selbstwillen liebte. Nur einer solchen Liebe war cs möglich, sich selbst und der schweren Arbeitszeit zu vergessen und so sieben Jahre in wenige Tage zu verwandeln. S o h n: Ist es aber möglich, daß alle Genüsse und Freuden, denen der Arensch sich'hingibt, nur Pflichterfüllungen gegen Gott sindd Vater: Allerdings rst dies möglich und gerade darin besieht die besondere Aufgabe des Israeliten, daß all sein Thun und Genießen eine ununterbrochene Reihe von Pflichterfüllungen gegen Gott bilden. Wir sollen selbst unsere scheinbar ganz körperlichen Verrichtungen und Genüsse in den Dienst Gottes stellen und denselben dadurch, so zu sagen, eine göttliche Weihe verleihen

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