Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 39 (25.9.1872)
- Date
- 1872-09-25
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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meines -indes. Aber auch diese Ausrede ist nichtig. Du könntest ja den Bann lösen lassen, wie es Graf Ernst von Gleichen gethan, da er mit der Tochter des Sultans von Jconium entfloh, und der Pabst ihm gestattete, diese zu der Gattin, die er in der Heimath hatte, zum Weibe zu nehmen." „„Wir Juden haben keine Priester, o Herr, die die Macht hätten, zu binden und zu lösen."" „Du könntest aber Deinem Weibe daheim den Scheidebrief geben." Rabbi Samson erblaßte; sein geliebtes Weib, seine treue, gute, tugendhafte Dinah sollte er hinwegschicken, die edle Gefährtin seiner Jugend, die Mutter seiner Kinder. „„Herr,"" sprach er nach kurzem Besinnen, „„was quälst Du Dich um mich mit derartigen Möglichkeiten? Würdest Du es denn gestatten, daß Deine Tochter mit mir entfliehen möchte?"" „So beuge Du Deinen Trotz und bekenne Dich zum Islam." „„O Herr, verlange nicht von mir das Unmögliche."" „Geh jetzt? Doch wisse, wenn Fatime stirbt, so wirst Du es büßen müssen." Rabbi Samson kehrte wieder auf das Vorwerk zurück, wo er. wie ehedem, den ärgsten Mißhandlungen ausgesetzt war. Said begab sich zu seiner Tochter. Fatime war schwer erkrankt, und der herbeigerusene Arzt hatte ihren Zustand für sehr bedenklich erklärt. Sie verfiel in ein hitziges Fieber, dem ihr zarter Körperbau nur geringen Widerstand entgegenzusetzen" vermochte. Ihre Fieber* Phantasien gaben Kunde von dem schweren Kampfe ihres Herzens. Erst kurz vor ihrem Tode erlangte sie die Besinnung wieder. Da ließ sie ihren Vater zu sich bitten und sprach zu ihm: „Ich habe Dich schwer gekränkt, mein Vater, ich habe Dir großen Kummer verursacht. An den Pforten des Todes angelangt, bitte ich Dich, mir zu verzeihen." Card beugte sich über sein sterbendes Kind und weinte bitterlich. „Vater." sprach Fatime, „noch eine Bitte habe ich an TXch, bevor ich auf immer von Dir scheide." „„Fordere, was Du willst mein Herzenskind, und es soll Dir gewährt sein; nur das Eine verbiete mir nicht: Deinen Tod an dem zu rächen, der ihn verschuldet hat."" ..Grade das ist's, um das ich Dich bitten wollte, daß Du dieser Rache entsagest Sei gwßmüthig, mein Vater, und verzeihe ihm. schenke ihm die Freiheit und entlasse ihn i» seine Hcinrath " „„Nimmermehr! Wie»? er soll glücklich werden, wenn mir die schönste Freude meines Lebens entrissen wird, und die Trauer um Deinen frühen Tod mir da- Leben verbittert?"" „So versprich mir wenigstens, ihn nicht zu tödten." „„Thörichtes Kind, bift Du's doch, die ich an ihm rächen werde; nein, er soll sterben!"" Als die arme Kranke diese fürchterlichen Worte vernahm, verzerrten sich ihre Züge krampfhaft: sie verfiel in einen fürchterlichen Husten, und Blut entfloß ihrem Munde. Der Emir schrie laut auf; der Arzt eilte herbei und bestrebte sich, der Kranken Erleichterung zu verschaffen. Als der Krampf vorüber war. da suchte das Auge der Kranken den Vater, der im tiefsten Schmerz versunken abseits stand. Als ihr Auge dem feinigen begegnete, hauchte sie: „Tödte ihn nicht, mein Vater, versprich es mir." Und siche da, der furchtbare Schmerz des Vaterherzens überwand den brennenden Durst nach Rache. „„Ich verspreche es Dir,"" stieß er langsam und abgebrochen hervor. Ta verklärte sich der Blick der Kranken, und mit den Worten: „Ich dauke Dir, mein Vater!" hauchte sie ihre reine Seele aus. Unter großen Feierlichkeiten wurde Fatime's Leichnam zur Erde bestattet. Der Schmerz des Emir war ganz unbändig, und Nichts that ihm mehr wehe, als daß er sich durch sein Versprechen gebunden hatle, Rabbi Samson nicht zu tödten; er glaubte eine Linderung seines Kummers darin finden zv können, wenn cr den Mörder seiner Tochter, wie er Rabbi Samson nannte, mit eigenen Händen erdrosseln würde. Da er das nicht thun durste, so befahl er dem Aufseher des Vorwerks, den jüdischen Sclaven auf's Härteste zu behandeln und ihn allen Mißhandlungen auszuietzen, die sein Leben nicht gefährden würden. Rabbi Samson ging in Folge dessen einem schrecklicheren Loose als dem des Dulders Hiob entgegen, denn Dieser hatte doch nicht von den Launen und der Willkür der Menschen zu leiden. Trotzdem verlor er den Muth nicht. Unerschütterlich war sein Vertrauen auf des Allmächtigen Beistand und Hilfe, und inmitten seiner Qualen gewährte ihm der Gedanke Trost, daß er dereinst noch in die Heimath zurückkehren und die Seiniqen Wiedersehen werde. Unterdessen bereiteten sich große, welterschütternde Ereignisse vor, von denen wir in den nächsten Eapiteln erzählen werden. (Fortsetzung folgt ) Hierzu drei Beilagen. ^ieiantworNiche Relmcnvn: ytuniuim.!no ocx <•« iNcm'l'Un» q.>osduchhandtune. I. (HottSlede n'S Buch- und EleiuDruckerei in Mmnz.