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Der Israelit · 1872-09-25 · Heft 39 (25.9.1872) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 39 (25.9.1872)
Date
1872-09-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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827 Jude zu werden, würdest Du da Deinem Herrn gehorchen?"" ,,Wir wollen darüber nicht streiten. Ich habe meine Tochter gebeten, daß sie sich bemühe, Dich zn vergessen. Sie hat als gehorsames Kind mir gehorchen wollen; aber ich sehe, daß das ihre Kräfte übersteigt. Tiefe Schwermuth hat sich ihrer bemächtigt; sie klagt nicht, sie weint nicht, um mir keinen Kummer zu bereiten, allein ihre Wangen sind eingefallen, und sie welket dahin. Nichts, was ihr sonst Freude gemacht, ist jetzt in: Stande, ihre Aufmerksamkeit zu erregen. Ich fürchte, ich fürchte, daß, wenn das so fort geht, Fatime ein Raub des Todes wird werden." Der starke Mann , der muthige Krieger, bedeckte sein Gesicht mit beiden Händen, uni die Thränen nicht sehen zu lassen, die seinen Augen entströmten. „„Herr,"" sprach Samson, „„ich bemerkte es schon lange, daß der Keim des Todes sich eingenistet hat in die Brust Deiner edlen Tochter. Wahrscheinlich ist ihre Mutter an der Schwindsucht gestorben, und die Tochter hat die Anlage zu dieser tödtlichen Krankheit von ihr geerbt."" „Ich bewundere Deinen Scharfblick, Samson; so ist es allerdings, und gerade deshalb habe ich es immerwährend ängstlich vermieden, dem armen Kinde Kummer zu bereiten. Der Kummer ist für sie ein tödtliches Gift. So habe ich mich denn entschlossen, das Schwerste zu rbun, was mir jemals ist zugemuthet worden. Ich will sie Dir zum Weibe geben, selbst wenn Du dabei verharrst, Jude zu bleiben." Als dieses Rabbi Samson vernahm, erschrak er sehr. „„Herr,"" sprach erzitternd, „„ich kann auch hierin Dir nicht zu Willen sein; meine Religion verbietet mir ein Weib zu nehmen, das nicht ebenfalls dem Glauben meiner Väter angehört."" „Und willst Du eigensinnig bei Allem beharren, was Deine Religion Dir vorschreibt? Ich bringe das größte Opfer, das jemals ein Emir gebracht hat, ich! gebe Dir, dem Sclaven, dem Juden, meine Tochter j zum Weibe, ohne daß Du Dich zu Mahomed bekennest,! und Du machst mir gegenüber die Satzungen Deiner! Religion geltend, willst keinen Buchstaben von dem aufgeben, was Dir vorgeschrieben ist?" „„Herr, ich will Dir dienen, wie Du cs gebietest; mein Leben steht in Deiner Hand, und wenn Du verlangst, daß ich es in Deinem Dienste opfere, so bin ich bereit. Von den heiligen Geboten Gottes aber werde Ich nicht lassen. Dazu" mich zu zwingen, wird keines Menschen Macht ausrcichen."" Der Emir erhob sich und ging mit starken Schritten in dem Gemach auf und ab. Dann schob er den Vor bang, der das Nebenzimmer von seinem Gemache schied, zurück und trat in dasselbe. Hier befand sich Fatime. „Meine Tochter", sagte Said, „Samson, weigert sich. Dich zum Weibe zu nehmen, weil Du nicht der jüdischen Religion angehörst. Bist Du bereit, Deinen Glauben zu verlaffen und um seinetwillen Jüdin zu werden?" „„Sein Gott sei auch der meine."" Die Züge des Emir verfinsterten sich. „Meine Tochter," sprach er, „willst Du um dieses Juden willen, Dasjenige verleugnen, was Deinem Vater das Höchste, das Heiligste ist? Wisse, wenn Du abfallen wirft von dem Glauben an den einzigen und wahrhaften Propheten, so kann dies nimmer öffentlich mit meiner Zustimmung geschehen. Heimlich müßtest Du mit dem Juden entfliehen, und niemals dürftest Du zu mir zurückkehren. Meine Tochter, gilt Dir Dein Vater so wenig, daß Dn das über Dich gewinnen könntest, mich auf ewig zu verlaffen? Und dereinst wenn ich sterbe und eingehe in das Paradies, das der Prophet den Moslemim verheißen, so wäre uns auch dort das Wiedersehen versagt, denn Du müßtest als eine Abtrünnige in der Höllenqual verschmachten!" Als Said so redete, verfärbte sich das Antlitz seiner Tochter und sie sank ohnmächtig zn Boden. Said schrie laut auf, als er Fatime leblos da liegen sah; er zog an einer Klingelschnur, und Diener und Dienerinen stürzten mit Hast herbei. Diese brachten die Ohnmächtige zwar wieder ins Leben zurück; sie war jedoch so schwach, daß sie auf einen Divan niedergelegt werden mußte. Finstern Blickes kehrte der Emir zu Rabbi Samson zurück. „Jude," sprach er, „Du tödtest mein Kind." „„Ich habe vernommen, mein Herr, was Du mit Deiner Tochter gesprochen; ich wagte nicht, Dich zu unterbrechen; allein Du quälst Deine Tochter umsonst; selbst wenn sie Jüdin würbe, ich tonnte sie nimmer zum Weibe nehmen; habe ich doch bereits eine Gattin in der Heimath."" Erstaunt blickte ihn der Emir all. „Du bist ja unerschöpflich in Ausflüchten!" jagte er. „Bist Du etwa ein Christ, daß Du Dich mit einem Weibe begnügen mußt? Hat nicht Abraham, der Weiber zwei gehabt, und Jakob gar vier, und David sechs, und Salomo gar siebenhundert? Haben nicht viele Juden in allen Ländern Saladins der Weiber mehrere?" „„Wohl Herr, war eS ehemals allen Juden gestattet, mehrere Frauen zn nehmen, und io ist es heute noch in den Ländern des Orients. Allein ooc mehr als hundert Jahren haben die Rabbinen des Occidents einen Bann ausgesprochen über jeden in den Ländern I des Westens wohnenden. Juden, der sich erkühnen wüte,! mehr als ein Weib zu nehmen."" j „Deine Halsstarrigkeit kennt feilte Grenzen; der! Bann der Rabbiner ist Dir wichtiger als das Leben

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