Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1872-09-25 · Heft 39 (25.9.1872) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 39 (25.9.1872)
Date
1872-09-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2447551-2447590--10889-2466649
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

826 hatte, so ist sie seit Eröffnung des Kanales von Suez ein sehr frequentes Wirthshaus an dem Wege nach Indien geworden und die Dampfer aller Nationen kehren hier ein, nehmen Speise und Trank, Kohlen und Wasser und ziehen andern Tages ihre Straße weiter. Daß ein solcher Posten bei seiner Wichtigkeit und den enormen Werthen der hier zuweilen deponirtcn und passirenden Güter alle Sicherheit bieten muffe, ist einleuchtend und es liegt deshalb hier eine Garnison von 4006 Mann europäischer Truppen und Sepoys; die Araber, die einstigen Herren des Landes, sind circa 9000 Mann' stark; von der gegenüberliegenden afrikanischen Küste befindet sich stets eine kommende und gebende Anzahl von 10,000 Somalis hier und andere zehntausend Seelen bestehend aus Parsees, Indiern, Persern und Inden. Die letzteren sind aus Arabien, wo sie eine von den Arabern veracht te Race bilden, hier nach Aden eingewandert, weil sie unter dem Schutze der englischen Flagge gleiche Rechte wie alle andern Nationen genießen. Genügsamkeit. Bescheidenheit, Sparsamkeit und Fleiß — das sind die Eigenschaften, durch welche sich die Juden vier vortheilbait auszeichnen; fast sämmtliche Handwerker: Maurer, Zimmerleute, Schuhmacher, Schmiede, Strohflechter, Buchbinder jc. sind Juden und dem Handel hat sich hier nur ein kleiner Theil der Juden gewidmet. Ehrwürdige Gestalten, mit langen, braunen Ringellocken an beiden Schläfen und oft klassischen Gesichtern, die an die alten Patriarchen der Bibelzeit erinnern, sind aar nicht selten. Da sie von den Arabern verachtet werden, verleugnen sie auch ihren Haß gegen die Mohamedaner nicht, und das bereitet ihnen manchmal schweres Leiden. Am 21. Abends eilten plötzlich alle Mohamedaner tAraber und Somali) mit wüthenden Rufen durch die Straßen, drangen in die Häuser der Israeliten ein und verschworen sich, alle Juden tödten zu wollen, weil einer derselben ihren Propheten Mohamed geschimpft habe. Bei der großen Ueberzahl der einheimischen Bevölkerung gegenüber den Europäern sind alle derartige Vorgänge hier sehr ernstlicher Natur, rnn so mehr als die englische Besatzung trotz aller materiellen Stärke doch von der arabischen Bevölkerung abhängig ist. Wenn z B. die Zufuhr von Lebensmitteln ans dem Innern des Landes nur einen Tag ausbleibt, so muß man hinter den Festungswerken von Aden hungern und dürsten, wenn nicht von der See die Zufuhr eintrifft. Nach zwei Tagen gelang es. die Mobamedaner durch sehr strenge Bestrafung des angeblichen Beleidigers ihres Propheten zu beruhigen — und die armen Juden können wieder an das Tageslicht kommen urrd ihrer Arbeit nachgchen. K e ti i f l t t & ti. |tr Fürst upd Tü ur». XIF. Fatime bemühte sich, den Wünschen ihres Vaters nachzukommen und die Sehnsucht nach der Vereinigung mit dem fränkischen Sclaven aus ihrem Herzen zu verbannen. Anfangs schien ihr das auch zu gelingen, da Rabbi Samson das vom Schlosse weit abliegende Vorwerk nicht verlassen durfte, und die Tochter des Emir niemals dorthin kam. Alles wurde aufs. Strengste vermieden, was das junge Mädchen an Denjenigen erinnern konnte, den sie vergessen sollte. Bald aber merkte Fatinre, daß ihre Anstrengungen vergeblich waren. Eine tiefe Schwermuth bemächtigte sich ihrer. Schmuck und Blunren, die sonst ihre höchste Freude ausgemacht hatten, vermochten nicht mehr ihr auch nur ein Lächeln abzugewinnen. Sie weinte nicht, sie klagte und jammerte oicht, sie trug ihren Schmerz in stiller Ergebung. aber ihre Wangen fielen ein, und sie welkte sichtlich dahin. Der Eillir bemerkte es wohl, und sein liebendes Vaterherz wurde mit tiefem Kuinnrer erfüllt. Endlich entschloß er sich dazu, das zu thuu, wogegen er so lange sich gesträubt Halle; er beschloß, um das Leben seines Kindes zu retten, es dem Juden zum Weibe zu geben, selbst wenn dieser bei seiner Weigerung zum Islam überzutreten beharren würde. Eines Tages wurde Rabbi Samson aus das Schloß zu seinem Herrn beschieden. Auch Rabbi Samson hatte furchtbar gelitten. Die harte, ungewohnte Arbeit und noch mehr die rohe Behandlung hatten seine Gestalt gebeugt, und ans dem abgemagerten Gesichte traten hohlblickend die Angen hervor. „Jude," herrschte ihn der Emir an, als er die verfallene Gestalt seines Sclaven vor sich sah, „ist Dein Trotz gebrochen'?" „'„Herr,"" entgegnete Samson ruhig, „„ich weiß von keinem Trotze. Ist das Trotz, wenn ich mich weigere, vom Glauben meiner Väter abzusallen und dieserhalb alle Leiden, die Du über mich verhängst, gern und freudig ertrage?"" Wohl, ist es Trotz, wenn Du Dich weigerst, meinen Befehlen nachzukommen; ich bin Dein Herr, und mir zugehorchen isl Deine Pflicht." „„Einem Rade gleichet das Geschick des Menschen; die Speiche, die jetzt oben ist, wird nächstens unten sein. Wenn Du, o Herr, in Gefangenschaft qeriethest und zum Sclaven verkauft würdest, — wenn da Dein christlicher oder jüdischer Herr von Dir verlangen würde, daß Du DeuM Glauben verleugnest, um Christ oder

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.