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Der Israelit · 1872-09-25 · Heft 39 (25.9.1872) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 39 (25.9.1872)
Date
1872-09-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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825 nur zu sehr selbstverläugnende Haltung der Juden Lügen gestraft. Ferner wird dem Spießbürger mit dem Gespenste der jüdischen Solidarität (eine Art gefährlicher Verschwörung) das Herz bange und der Kopf warm gemacht, um ihn für eine Gegenphalanx zu gewinnen. An den jüdischen Candidaten wird natürlich alles Mögliche bemängelt. Vr. Kolischer, in dem die Wünsche und das Vertrauen aller Wähler Zusammentreffen, entzieht sich zur heimlichen Freude der anti-jüdischen Agitatoren den Pflichten des öffentlichen Lebens. Aber selbst die als unbedeutend bezeuhneten Candidaten, wie vr. Gott lieb, vr. Kohn, würden unstreitig noch immer zu den intelligentesten und leistungsfähigsten Abgeordneten unseres Landtages gehören. Wir haben neulich der Krakauer Landtagswahlvorgänge erwähnt, wo jede der zwei polnischen Parteien xum Scheine einen jüdischen Candidaten aufstellte (Samelson und Warschauer), um sich schließlich hinter den Rücken der Juden zu einigen und Beide fallen zu lassen. Wir nahmen daraus Anlaß, die Candidatur Warschauer's anzuregen. Der Gedanke scheint Anklang gefunden zu haben, selbst der „Kraj" bringt nunmehr — Samelson für Lemberg in Vorschlag. Unseres unmaßgeblichen Erachtens war vr. Samelson in seiner politischen Rolle stets zu sehr Figur, um die Rivalität mit dem intelligenten und energischen vr. Warschauer aushalten zu können. Die Wahlfrage ist aber um so bedeutungsvoller, da es sich nach allgemeiner Ansicht und nach aller Wahrscheinlichkeit um einen Reichsrathsabgeordneten handelt, indem vr. Smolka sich neuerlich zumDeclarantismus bekehrt und bekannt hat und daher auch sein Reichsrathsmandat sicherlich niederlegen wird, wogegen vr. Ziemialkowski überaus kränklich und von seinem Bürgermeisteramte gänzlich in Anspruch genommen, Herr Dombrowski aber, mit Verlaub, viel zu unbedeutend ist. Frankreich. Paris. Das demokratische Blatt „LaRepublique fran$aisett (das Organ Gambetta's) hat einen außerordentlich gehässigen Artikel gegen die Juden und die jüd. Religion publicirt, der allenhalben große Aufregung hervorgerufen. Herr L. Levy-Bing, Banquier und Mitglied des Consiftorium, hat dagegen in einem großen Artikel, welchen er im „Constitutionel" und in den drei dahier erscheinenden jüd. Blättern veröffentlicht, protestirt und die Gehässigkeiten und Unwahrheiten der „Republique fran§aise“ ins richtige Licht gestellt. Paris. Herr v. Rothschild hat zum Wiederaufbau des Palais der Ehrenlegion 100,000 Fr. gegeben. In einem Processe, den zwei Israeliten gegeneinander geführt, ereignete sich der gewiß höchst selten vorkommende Fall, daß der Eine von dem Andern einen Schwur mors judaico verlangte. Jüngst kamen an 200 junge israel. Elsäffer hier an, die nach Amerika auswanderten. (Un. Jsr.) Amerika. Akew-Bork. „Jew. Times" erzählen folgende traurige Geschichte: Vor ungefähr drei Jahren heirathete Israel Salomon Frl. Anna, die Tochter von Levi und Sara Cohen. Sechs Monate nach seiner Verheiratung verließ er seine Frau, um nach dem Süden zu gehen, weil er hoffte, dort als Peddler leichter zu Vermögen zu kommen. Kurz nach seiner Abreise gebar seine Frau ein Töchterchen. Während die Frau im Wochenbette lag, erhielten deren Eltern von Salomon einen Brief, in welchem er den Entschluß kund gab, sich von seiner Frau scheiden zu lassen. Herr und Frau Cohen konnten sich nicht entschließen, diese schreckliche Nachricht ihrer Tochter mitzutheilen, da sie wußten, daß sie ihren Mann aufrichtig liebe, und wollten dies verschieben, bis sie aus den Wochen gegangen sein werde. Aber auch nach dieser Zeit hatten sie nicht den Muth, die erhaltene traurige Nachricht mitzutheilen und schließlich sagten sie ihr, ihr Mann sei gestorben. Frau Salomon bettauerte ihren Mann auf's Innigste und widmete ihre ganze Sorgfalt ihrem Kinde. Nach einigen Jahren kam ein Brief an Frau Salomon aus New-Orleans, in welchem Herr Salomon seine große Liebe für seine Frau und sein Kind betheuerte und sie dringend bat, ihm zu schreiben. Anna war gerade von Detroit zurückgekehrt, wo sie die Bekanntschaft eines jungen Israeliten gemacht. mit dem sie sich verlobt hatte. Die für sie so grausame Nachricht von New-Orleans, die Täuschung von Seiten ihrer Eltern und die mysteriöse Abwesenheit ihres Mannes, dies Alles war für die arme Frau zu viel — sie wurde wahnsinnig und in einem unbewachten Augenblicke erhängte, sie sich. Asien. Aus Aden, 24. Aug., schreibt man der „Tr. Ztg.": Dieser Tage hatten wir hier auf unserem Felsensitze eine kleine Revolte, es war aber keineswegs ein Aufstand gegen die englischen Herren des Landes, sondern ein Vorgang, den auch Europa in seinen Flegeljahren häufig kannte, nämlich: „eine Judenhetze." Um verständlich zu sein, mögen ein Paar Worte über die Bevölkerungsverhältnisse der britischen Militärcolonie Aden vorausgeschickt werden. Aden ist der einzige wirklich gute Hafen auf dem Wege nach Indien und es sind 40 Jahre, seitdem England die Halbinsel in Besitz nahm, und wenn sie seither nur in erster Reihe eine strategische Wichtigkeit für die Herren von Indien

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