Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 39 (25.9.1872)
- Date
- 1872-09-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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824 erworben hat, gibt das Pracht- und werthvolle Geschenk, das ihm durch eine Deputation des Vorstandes und der Repräsentanten als ein äußeres Zeichen der Anerkenn nung seiner Verdienste überreicht wurde. Dasselbe besteht aus zwei, einige Fuß hohen, kunstreich gearbeiteten fünfarmigeu Girandolen und einem silbernen Kelche mit silberner Platte; die Girandolen mit paffender deutscher, der Kelch mit sinniger hebräischer, von einem Repräsentanten verfaßter Inschrift. Es verdient noch besonders hervorgehoben zu werden, daß die in religiöser Beziehung dem Judenthume ganz fern stehenden Gemeindemitglieder ber dem Geschenke sich ebenso betheiligt haben, wie die religiös Gesinnten. Das projectifte Festesten unterblieb, nachdem man aus privater Aeußerung des Herrn Rabbiners erfahren hatte, daß es ihm wegen der durch den bevorstehenden Umzug verursachten Unruhe nicht willkommen wäre. Die besten Wünsche der Gemeinde begleiten ihn nach seinem neuen Wirkungskreise. Oe st er r. - Ungarische Monarchie. PreHburg, 4. Sept. Der plötzliche Tod eines großen Feldherrn mitten im Schlachtgewühls ist gewiß ein trauriges und beklagenswerthes Ercigniß; um so bedauernswerther, wenn sich momentan kein würdiger Ersatzmann findet, der den Oberbefehl übernehmen und die durch das Hinscheiden ihres Befehlshabers entmuthigten Truppen zum gewohnten Siege führen kann. Der Verlust ist jedoch geringer, wenn sich sofort ein Mann findet, dessen Name und Vergangenheit die genügende Garantie bieten, daß er seine Armee mit gleicher Umsicht, gleichem Heldenmuth und gleicher Energie zum Kampfe und Siege führen wird. Zu diesem Gcdankengange veranlaßt mich das seinerzeit Plötzlich hereingebrochene erschütternde Ereigniß, nämlich das Verscheiden unseres verewigten Oberrabbiners y'si, welcher mitten in seinem thatenreichen Leben uns, der ganzen jüdischen Welt so plötzlich entrissen wurde. Das Unglück wirkte niederschmetternd und Schrecken bemächtigte sich des verwaisten Lagers in Israel. Zitternd sah man der Zukunft entgegen. Doch durch die Wahl des 'na o<ai3 'roo 'an 'idm zum Oberrabbiner hat der traurige Fall an Bedeutung verloren. Die ob des herben Verlustes fließenden Thränen trockneten allmählich und Kummer und Zaghaftigkeit begannen zu weichen. Denn der Sohn des großen Verblichenen, der, wenn auch o’jbo 11, aber mwa 3«, hatte das nu3-> übernommen. Derselbe sollte im Geiste seines verewigten Vaters wirken und schaffen, die verwaiste.na’Br setzte alle Hoffnungen in ihn; sie wollte in ihrem vaterlosen Lehrer einen gelehrten Vater finden. Und wahrlich! Israel ist nicht enttäuscht worden, ''a 'an 'ion hat den tröstenden Erwartungen vollkommen entsprochen. Derselbe leitet mit kräftiger Hand unsere n3’«r und dieselbe gedeihet unter seinem segensreichen Wirken aufs Trefflichste. Dieses zeigt auch die diese Woche vorgenommene Prüfung, welche zur größten Zuftiedenheit des Herrn Oberraobiners ausfiel. Derselbe kam eigens von dem Kurplatze Baden, wo er m seiner körperl chen Erholung nach Schluß der nip'Lk-Vorträge sich einige Wochen aufhielt, nach Hause, um diese Prüfung vorzunehmen und das glänzende Resultat derselben zeigte, daß die na'v ihm dasselbe Vertrauen, dieselbe Ehrfurcht und Liebe entgegenbringt, wie sie es seinem verewigten Vater gethan. Wir schließen mit dem Wunsche, das es uns gegönnt sein möge, immer nur Erfreuliches und Günstiges von unserer n3'V berichten zu können. H. Löwinger, Rabb.-Cand. Lemberg, 10. Sept. Auf den 23. l. M. ist die infolge des Todes des vr. Urenkel nothwendig gewordene Wahl eines Landtagsaogeordneten für Lemberg ausgeschrieben. Und merkwürdigerweise ist noch nicht für einen Candidaten, sei es auch nur eine größere Wahrscheinlichkeit des Sieges vorhanden. Vorschläge sind freilich zu Dutzenden im Umlaufe. Vor Allem aber ist die Frage: „Jude oder Nichtjude" zu entscheiden. Die Wählerversammlungen tragen eine auffallende Indifferenz zur Schau, sie werden von 50 bis 60 Politikern (unter 7000 Wahlberechtigten) besucht und verlaufen in planlosem Gerede und in fortwährenden Vertagungen. Das große Publicum ist hier eben an sich selbst, an feinem Berufe zur Politik irre geworden, seitdem es merkte, wie schmählich seine Gutgläubigkeit von den so sehr beschränkten und doch so verschlagenen Krakehlern des ci-devant Nationaldemokratenvereines und dessen Consorten ausgebeutet und irregeführt wurde. Es ist in der That blafirt, seitdem der ganze große Betrug seiner gewesenen Führer zu Tage getreten. Unterdessen entwickelt der israelitische Verein „Schomer Israel" unter den Seinen seine gewohnte Energie, u« den Juden Lemberg; und überhaupt Galiziens eine» Repräsentanten im Landtage zu sichern. Dies sehen gewiffe Kreise freilich mit verhaltenem Jngrimme. Mit dem Principe der Gleichberechtigung gegen die jüdische Candidatur anzukämpfen, haben sie vernünftigerweise endlich aufgegeben. Denn die Thatsache, daß die Juden, zum mindesten ein Achtel der Bevölkerung Galiziens, dennoch nur einen Repräsentanten im Landtage besitzen, sucht ihre Erklärung offenbar wo anders als in dem Principe der Gleichberechtigung. Wie läßt sich Dies leugnend — Nun sieht man sich nach anderen Ausflüchten um, findet aber nur ebenso schlechte. So wird von der „Gazeta Nawdowa" die Fabel in Umlauf gesetzt, daß die Juden es ihrem Candidaten zur Bedingung machen wollen, sich gegen die Resolution zu erklären. Dieselbe wird durch die ganze bisherige