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Der Israelit · 1872-09-18 · Heft 38 (18.9.1872) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 38 (18.9.1872)
Date
1872-09-18
Page
– (sequence 19)
Language
German
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819 wie unangenehm das Fahren mit der Post sei, entgegenhielt, wie er sich darüber beklagen könne, da doch seine <ches Reisegenossen) Vorfahren m der Wüste viel unbequemere Touren gemacht hätten. und mm plötzlich in medias res sich begibt. Wie gesagt, wir widmen dieser Bemerkung keine weitere Zeit : nur können wir es uns nicht versagen, dem Vers, die sanguinischen Hoffnungen, denen er sich am Schluß seines Aufsatzes hingibt. ein wenig auf das richtige Maß zurückzuführen. Wenn auch ein steinalter blmder Jude in Jerusalem den Missions- Prediger um ein neues Testament gebeten hat, so sind doch "die Missionsberichte aus dem Morgenlande nicht so erfreulich. wie sie Herr B. gern darstellen möchte; ob sich den Missionären Marokko mit seinen 450,000 Juden öffnen wird, ob es „unleugbar ist, daß viele Hunderte, ja Tausende von Juden jeden Alters. Geschlechts und Standes sich der Predigt des Evangeliums nicht länger verschließen, sondern derselben gern zuhören, und daß die in Boudoir und Jerusalem bestehenden Gemeinden von hebräischen Christen immer hoffnungsvoller erstarkeil." mag noch sehr bezweifelt werden, zumal der letzte Bericht der englischen Missionsgesellschafl sehr große Ausgaben aufzuweisen hatte, lim in einem ganzen Jahre höchstens 8 Juden zu angeln. Und welche Juden! Vor einigen Wochen erschienen bei Herrn Netter in Jerusalem. Oberaufseher der von der Alliance Jsraelite dort errichteten Baumschule, zwei Individuen, die. nachdem sie sich kurz vorher hatten taufen lassen, wieder zum Judeuthum zurückkehrcn und zu dem Zweck von Herrn Netter unterstützt sein wollten. Derselbe bedeutete ihnen, daß. wenn sie recht arbeitsam fein wollten, er sie gern beschäftigen wollte, als diese aber von Arbeit hörten — da gingen sie rasch zur lieben Mission zurück! Dasselbe Heft des „praktischen Schulmanns", der unfern Artikel bringt, rumort in seinem ersten Aufsatze gewaltig gegen den Katholicismus und die Jesuiten: wie tommcn die protestantischen Seelenhäscher dazu, gegen die Jesuiten zu rrrmoren? Herr Lüben aber, der die Waare des Missionswesens aut Lager nimmt, hat seine Zeitschrift den deut- 'chcn Schulzwecken entfremdet, und wird wohl keinen Anspruch mehr darauf machen, noch ein deutscher Lehrer, ein Vorkämpfer für Wahrheit, Recht und Menschlichkeit, genannt zu werden. -Frankfurt a. M.. 24. Mai 1872. V Pädagogische Mungslileratur. Die „Deutsche Schulzeitung" enthält an Leitartikeln in ihren August-Nummern den Schluß eines Vortraes vonr Herausgeber derselben. „Das deutsche Reich; und die deutsche Schule" (Nr 32) und eine Abhandlung, „Die Sonne und die Spectral-Analyse" (Nr. 33 und 34). Aus ersterem Aufsatz heben wir Einiges, den Religionsunterricht in den Volksschulen betr., heraus: „Die von einer Partei erhobene Forderung, den Relij gionsunterricht ganz aus der Volksschule herauszunehmen.; hat, man sage was man wolle, keinen Boden im deutschen Volke. Dieses will, wenn nicht alle Zeichen der Vergangenheit und Gegenwart trügen, seine Schule nicht; lediglich als eine Unterrichtsanstalt, sondern auch als; eine Stätte der Erziehung organisirt wissen. Welch wichtiger Factor aber die Religion bei der Erziehung ist. brauche ich Ihnen, meine Herren, nicht zu entwickeln. Der coufessionslose Religionsunterricht ist auch mehr eine Phrase denn eine reelle Forderung".„Simultanschulen sind da zu begründen, wo das Bedürfniß sie erfordert".„Denk - und Gewissensfreiheit, dies Palladium des deutschen Volkes, kehre in die Schulen, in die Lehrerbildungsstätten wieder, und in Consequenz; dieses Satzes gestatte man bereitwilligst den Eltern, ihre i Kinder vom Religionsunterricht fern zu halten, wenn sie Gewissensbedenken haben und anderweitig für denselben Sorge getragen wird." Nr. 34 bringt folgende interessante Coneipondenz ans New-Kork: „New-Rork. 10. August. (Confessionell oder; confenionslosIn den Vereinigten Staaten ist die : öffentliche schule völlig confessionslos. so daß religiöser; Unterricht davon ^ausgeschlossen ist. Nichtsdestoweniger ' ist es an vielen Orten gebräuchlich. die Schule jeden j Morgen durch Lesen einiger Stetten ans der Bibel zu j eröffnen. So hatte der 'Schulrath von »eng Island •: (5ttn eine Vorschrift erlassen. wonach die öffentlichert! Schulen der Stadt mit dem Lesen einiger stellen der; Bibel ohne Bemerkung oder Commentar eröffnet werden sollen. Kinder, welche sich dem Verlängert ihrer Eltern gemäß weigerten, an diesem Bibellescn Thcil zu nehmen, wurden aus der Schule ausgcwiesen. und so kam die i Sache im Wege der Beschwerde au dert Superintendenten! of Publik Instruction — den Unterrichtsminister des : Staates New-Pork, welcher folgende Entscheidung gab:; „Die hier vorliegende Frage ist in der Geschichte der; öffentlichen Schulen dieses Staates keine neue und ist dort mir schon in stühereu Fällen ent'äneden worden. Der Zweck der allgemeinen öffentlichen Schulen dieses Staates ist. allen darin wohnhaften Kindern im Alter von 5 und unter 21 Jahren die Mittel eines weltlichen Unterrichts zu gewähren. Das Gesetz gibt kein Recht, einen Theil der regelmäßigen Schulstnnden zu religiösen Uebnngen zu verwenden und die Kinder zum Anwohncn zu zwingen. Auf der andern Seite besteht auch kein gesetzliches Verbot für den Lehrer. die Bibel zu lesen oder andere religiöse Uebnngen tu Gegenwart solcher

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