Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 38 (18.9.1872)
- Date
- 1872-09-18
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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820 Kinder abzuhalten, welche freiwillig oder auf Verlangen ihrer Eltern oder Vormünder Theil nehmen wollen, vorausgesetzt, daß dies vor der gesetzlich festgesetzten Zeit der Schuleröffnung oder aber nach dem Schluß der Schule geschieht." Aus diesem Grunde erklärte der Unrerrichtsminister die Vorschrift des Schulrathes für gesetzwidrig und die erfolgte Ausschließung der Kinder, welche sich geweigert hatten, denl Bibellesen beizuwobnen, für ungerechtfertigt. Eine ganz gleiche Entscheidung hatte bereits im Jahre 1866 der damalige Unter richtsminister ertheilt, indem er den Satz aufftellte, daß kein Lehrer das Recht habe, irgend einen Theil der regelmäßigen Schulstunden mit religiösen Uebungen zu verbringen, besonders wenn Einsprache dagegen erhoben werde. Die Entscheidung unseres Unterrichtsminifters hat unter den Katholiken in Long Island City großen Enthusiasmus Herrnrgcrufen und überallhin erleuchteten Freudenfeuer die Rächt. Selbstverständlich treffen dre Katholiken und die Radikalen in ihrer Opposition gegen das Lesen der Bibel in den Schulen zusammen. *«* Necrnsioneii Ernst Rudolph. Schule und Elternhaus. Praktische Winke für die Erziehung in drei offenen Briefen. Dritter Brief. Gera 1872. (Strebet) 78 S. 8" Dieser dritte Brief an die Eltern schließt sich würdig den ersten beiden an, die wir bereits früher besprochen haben Es kann den Eltern nicht genug zum Bewußtsein gebracht werden, daß mit dem Aufhörcn des Schulbesuchs nicht die Erziehung als beendigt auzusehen. daß diese vielmehr bis in das reife Alter der Selbstständigkeit fortzusetzen sei. Möchten alle Eltern die Winke, die der Verf. über Lehrzeit und Fortbildung, über Lectüre und Kunstgenuß, über Familien- und Gesellschaftsleben, über Vergnügungen und Wirthichaftlichkeit gibt, beherzigen, mögen sie aber vor Allem dafür sorgen, daß ihre Kinder so erzogen seien, daß sie auch nach der Schulzeit sich noch gern der Leitung und Führung der Eltern anvertrauen. Notiz. Es gibt in Deutschland gegenwärtig sechs Lehrerseminarien und eine Vorbereitungsschule. Von diesen stehen die Lehrerbildungs - Anstalten zu Würzburg und Düsseldorf und die Vorbereitungsschnle kzu Höchberg bei Würzburg auf dem Standpunkte des gesetzestreuen Judenthums. Diesen zunächst kömmt das Lehrerseminar in Hannover, welches der sogen, conservativen Richtung angehört; eine ähnliche Richtung hat in der jüngsten Vergangenheit das Lehrerseminar zu Münster in Weftphalen unter der Dircction des Herrn Rabbiner vr. Kohner angenommen, während es ehedem mehr zur radicalen Seite hiuüberreichte. Die jüdischen Lehrerseniiuarien zu Berlin und Cassel lassen sehr viel zu wünschen übrig. Ziriefkaste« der Aedaction. An den Wohllöbl. Vorstand zu Mayen: Ihre gesch. Züsch'ist, in der Sie so warme Sympathien für unser Project, eine Petition an h. Abgeordnetenhaus, den Schulbesuch jüd. Kinder am Samstag betr., gelangen zu lassen, zeigen und uns Jhe Mithilfe behufs Sammlung von Unterschriften zusagen, hat uns sehr erfreut. IÜir denken mit Gottes Hilfe diese Detition zu Stande zu bringen, wenn erst das nöthige Matena! beisammen ist, und hoffen, daß noch weitere Gemeinden und maßgebende Persönlichkeiten Ihrem guten Beispiele folgen werden. Von Ihrem freundlichen Anerbieten werden wir s. Z. dankend Gebrauch machen. Herrn t> in M., Reg.-B. B. Ihre Mittheilungen über die t aurigen Vorgänge bei Prüflingen, durch welche mehrere jüdische Schüler zur Sabbat-Entweihung veranlaßt worden, weisen auf das Dringliche der Realisirung unseres in Nr.5 d. Bl. gemachen Vorschlages hin, und werden wir dieselben im nächsten Bl. benutzen. Herr Dr. N. in H. freundlichen Dank für Ihre unserem Vorschläge, eine Petition an h. Abieordnetenhaus in Sachen des Schulbesuchs am Sabbat seitens jüd. Schüler gelangen zu lassen, zuüimmende Zuschr ft, deren Zusage, unser Unternehmen unterstützen zu wollen, wir dankend acceptiren Herrn Lehrer M. in O : Das Thema, welches Sie anläßlich unserer Mittheilung in Nr. 5 di ser Bl. berühren, die christlichen Stücke der Lese- und Liederbücher betr., ist ein sebr wichtiges und wäre es sehr wünschenswerth, dafür Sorge tragen zu können, da r dergleichen Stücke in Classen mit Schülern gemischter Coryession nicht durchgenommen würde. Doch müßten wir vor allen Dingen erst constssionslose Schulen und confessionslose Lese-, resp. Liederbücher haben; denn mit dem Gebieten, dieses oder jenes zu überschlagen, wird nicht viel genutzt werden, wenn hier und da böser Wille sich vorfindet. Für's Erste wäre es wohl gerathener, bei den einzelnen Behörden privatim auf Beseitigung des angeführten Uebelstandes hinzuwirken. WM" Correspoudeuzen und Beiträge für die Pädagog. Beilage des „Israelit", wie Bücher pädagogischen Inhalts zur Besprechung in diesen Blättern wolle man gefälligst adressiren an vr. A. Sulzbach in Frankfurt a. M.____ Beramw Elche Nedactwn Dr. Leum .nn. » r a oer ««. noui Uötn ^osduchhandtung. I. Go ttsleben'S Buch- und Steindruckerei in Main». { *