Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 38 (18.9.1872)
- Date
- 1872-09-18
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Hll.Jahrgang. Beilage z« Rr. 38 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Aus der bayrischen Pfalz, 8. September. Vor Monaten bereits brachte der „Pfalz. Kurier" folgendes Inserat: Bescheidene Anfrage. Adressat: Grünebaum in Landau! Hat Ihre Tochter, als Sie mit ihr vor circa drei Jahren zuni Besuchen des „Wurstmarktes" in Dürkheim gewesen, mit Ihrer Erlaubnitz in den „Vier Jahreszeiten (ein nichtjüdisches Hotel!) daselbst diiurt, oder nichts" Nicht weil die Antwort bis heute ausgeblieben und -NT.rD r.p'rw, sondern weil dem Schreiber dieser Zeilen die in dem Inserate erwähnte Thatsache seid Jahren schon bekannt ist, theilt er sie hier zur Charakterisirung eines pfälzisch-augsburg'schen Synodalritters mit. Eine ehrliche Antwort zu geben, wie dies um dieselbe Zeit Stein im „Nürnberger Correspondent" gethan, konnte sich Grünebaum nicht gut entschließen. Warum? Aus sehr verschiedenen Gründen, zu denen in allerersten Reihe der gehörte, daß der Herr „Rabbiner" (??) dadurch etwas hart in's Gedränge mit beiden Parteien seines Bezirks gekommen wäre. Um aber seinem Unmuthe über obiges Inserat einigermaßen Luft zu machen, gab derselbe der dritten Abtheilung eines nesigen Pamphlets auf den Dürkheimer Rabbiner in Nr. 15 des „Synodalblatt" folgende Nachschrift, die eine Antwort auf jene öffentlich an ihn gerichtete Frage sein sollte, und, eben darum den Charakter in einem noch schlechteren Lichte, als das Inserat selber, erscheinen läßt. „Das gedankenlose Gepolter der Orthodoxen führt uns auch zum wahren Chillul haschem . . zu frechen, inquisitorischen Fragen über das ritualgesetzliche sso nennt der Herr Rabbiner" (??) die im nichtjüdischen Hotel der „Vier Jahreszeiten" in Dürkheim jnbereite en Speisen!!!] Leben Dritter in einem politischen Blatte, Fragen, die selbstverständlich (?) keiner Antwort gewürdigt (?? rechtfertigen und reinwaschen sollen Sie Sich, Herr „Bezirksrabbiner," wenn Sie es im Stande sind!) werden, durch welche man nicht bloß sich persönlich (wer ist diese Person, und warum nennen Sie sic nicht?) lächerlich gemacht (wodurch denn?) sondern auch die Religion selbst, die zu solchem Gebühren (zum Entlarven eines Heuchlers!) fühlt, der Gefahr der tiefsten Mißachtung aussetzt (??) ..." Diese Antwort (?) ist, da der „Pfälzischen Kurier" außerhalb der Pfalz so viel wie gar nicht gelesen wird, und aus den eben angeführten Worten Grünebaum's unmöglich zu ersehen ist, wer und was gefragt wurde, und welch' ein frommes (??), ritualgesetzttches (??) „Leben Dritter" in Zweifel gezogen worden,' selbstverständlich nur für die unwissenden Lehrer der Pfalz berechnet, von denen Manche das Maculaturblättchen Klingenstein's halten. Bei diesen Lesern reicht die Erklärung (?) auch vollkommen aus; sie umgeht zwar den fraglichen Gegenstand vollständig, dafür versetzt sie der Orthodoxie einen Fußtritt, sie ist sehr dunkel und unverständlich, um so besser für die That, die man in den Augen des kleinlich-gläubigen Publikums nicht zu rechtfertigen vermag, und deffen Augenmerk man darum geschickt von sich hinweg auf den neuen Großinquisitor in Dürkheim hinlenken möchte. Doch all' solche Kniffen haben sich längst überlebt, das für einfältig gehaltene Publikum merkt sehr wohl die Absicht, und nennt den, der sie kund gegeben — einen Ws. Daß das erwähnte Inserat von Dürkheim aus, wo die Thatsache Jedermann bekannt ist, in die Welt gesetzt worden, unterlag bei dem Herrn Bezirksrabbiner keinen Zweifel; anstatt aber, im Bewußtsein feiner Schuld, zu schweigen, brach derselbe bei einer sehr unpassenden Gelegenheit, und an einem eben so unpassenden Orte, die Gelegenheit vom Zaun, um seine „Verdienste (???) um die Pfalz" laut auszuschreien, redete sich dabei in einen sehr unheiligen Eifer hinein, und beschimpfte die „Dürkheimer Juden," die nun einmal von diesen „Verdiensten" nichts wissen wollen, und Herrn Grünebauin. wie man zur Biene spricht, zurufen: „Nicht der neu Honig, und nicht deinen Giftstachel!" in emer für einen „Rabbiner" so unpassenden Lgeise, daß sein Betragen damals bei allen in der Kaiserslauterer Wirthshausstube anwes nd, zu einer rpo ne- (!) geladen, von auswärts angekommen gewesenen Gästen, die höchste Entrüstung und Verachtung hcrvorrief! — O, es sind große „Verdienste", die sich das Landauer Rabbinat um die Hebung der religiösen Zustände in der Pfalz erworben hat. Da fährt der Lehrer, Chasan und Scbochet aus Kirr weiter am letzten Tage des Pesfachsestes. bu* gerade auf einen heiligen Sabbat fiel, von Maikammer nach Kallstadt zum „Israeliten Ball", der damals (der Uebelstand ist längst beseitigt!) aus 2 Uhr, Nachmittags, man möchte sagen, zum absichtlichen 2*.d C' festgesetzt war. Da macht der Eultusbeamte in Bergzabern an demselben heiligen Festtage eine „Waldpartie" mit mehreren christlichen Collegeu, und ißt, er, der Schochet in Bergzabern, zur bloßen Abwechslung, — Schweinebraten!!! Ein Dritter, Vierter und Fünfter dieser „intelligenten" Lehrer, Vorbeter und Schächter im