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Der Israelit · 1872-09-18 · Heft 38 (18.9.1872) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
13 (1872)
Issue
Heft 38 (18.9.1872)
Date
1872-09-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
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„Geh!" rief der Emir. Als Rabbi Samson sich entfernt hatte, sagte Said zu seiner zitternden Tochter: „Du warft im Nebenzimmer und hast unsere Unterredung mit angehört?" „„Ja, mein Vater."" „So weißt Du, was d'eser Jude mir geantwortet hat und wie er es wagt, meinen Befehlen zu widerstehen?" „„Ich habe es vernommen, mein Vater."" „Fatime, Fatime, was hast Du über mich gebracht! Um Deinetwillen habe ich mich erniedrigt, wie es wohl nie ein Vater gethan hat. Ich habe meinem Sclaveu Freiheit, Reichthum, Rang, Ehre und die eigene Tochter angeboten, und er hat Alles zurückgewiesen. Siehe, es gibt der edlen jungen Leute so viele, die sich glücklich schätzen würden, sich mir mir zu verschwägern, und dieser Jude hat Dich verschmäht! Tböiichtes Kind, warum Haft Du eine so üble Wahl getroffen? Sei vernünftig und laß den Gedanken an diesen elenden H»u,d aus dem verachteten Stamme der Juden fahren." Fatime sing an zu weinen. „„Vater,"" sprach sie. „„ich liebe ihn. ich liebe ihn mehr als mein Leben! Siehe, wie edel, wie tugendhaft, wie gottcsfürchtig dieser Mann ist, daß er Freiheit. Rang und Reichthum für Nichts achtet und seine Ueberzeugung nicht dafür opfert."" „Und zürnst Du ihm nicht, daß er Dick verschmäht'? Hä tü Du Dich für so gerirg. daß Du ihm noch Recht gibst, da er Deinen Besitz von sich weist, da er es verschmäht, der Schwiegersohn des Emir Said zu werden?" „„O. mein Vater. Du darfst Samson nicht mit dem Maaßsrabe messen. mit dem man Andere mißt. Seinem erhabenen Geiste, feinem edlen Herzen erscheint gering, was Anderen begehrungswürdig erscheinen würde. O, daß Gott uns einen Ausweg finden ließe, daß ich sein Weib werden könnte, ohne, daß er sein Gewissen belasten möchte!"" „Thö'ichtes Kind!" Du willst wobl gar. daß ich Dick einem Juden zum Weibe gebe! Beim Barte des Propheten ." „„Schwöre nicht, mein Vater, schwöre nicht!"" „Und wenn ich auch nicht meine Worte durch einen Schwur bekräftige, so geschieht das nimmer mehr. Was wü'de der Sultan, was würden alle meine Freunde und Bekannten sagen, wenn ich meine Tochter einem Juden zum Weibe geben würde? Ich bitte Dich, Fatime, laß ab von ihm! Sei wieder mein stolres Kind so wie Du es ehedem gewesen, und verachte und hasse den, der es gewagt hat. Dich zu verschmähen. „„Ihn hassen, ihn verachten? Nein, Vater, das kann ich nicht."" „So sei wenigstens stark und reiße den Gedanken an diesen widerspenstigen Sclaven aus Deinem Herzen. Fatime. mein Kind. Tochter meiner geliebten, von Dir nie gekannten Suleika, ich glaubte immer, daß Du mit kindlicher Liebe mir anhingest. Hast Du Deinen Vater um dieses Hebräers Willen denn ganz vergessen? Von Deiner frühesten Kindheit an habe ich Dir nie einen Wunsch versagt. Heute ist es das erste Mal, daß ich Dich bitte. Versage mir diese Bitte nicht; sei stark, niein Töchterchen, und verbanne den Gedanken an diesen Hebräer aus Deinem Herzen " „„Ich will es versuchen, mein Vater."" „Willige ein, den Emir Ibrahim zu heirathen, der gestern um Dich geworben hat." „„Das kann ich nicht, lieber Vater. Ich bitte Dich, laß mir Zeit."" Noch an demselben Tage sandte Emir Said seinen jüdischen Sclaven aus ein entferntes Vorwerk und befahl denr Aufseher desselben, daß er ihm harte und schwere Arbeit auflegen und ihn mit Strenge behandle» solle. Rabbi Samson ertrug sein Geschick mit Geduld. Nicht einen Augenblick lang bereute er cs. die schlage des Emir znrückgewiest'n zu haben. Der Verwalter des Vorwerks war ein roher und harter Mann, dem es Vergnügen bereitete. die ihm untergebenen Sclaven zu quälen. Wie viel mußte erst Ravbi Samson von ihm erdulden. in Bezug auf den der Emir eine harte Behandlung vorgeschrieben hatte! Oftmals siel die Peitsche des rohen Verwalters wuchtig auf den Rücken des unglücklichen Rabbi nieder, blutnilterlaufene Sti iemcn zurücklassend. Der fromme Rabbi aber klagte und murrte nicht; seine Phantasie malte ihm nicht all die Portheile aus, die er erlangt haben würde, wenn er die einzige Tochter des Emir Said, die schöne Fatime . nach deren Besitz so Viele strebten. geheirathet halte. Ihn lockten nicht Rang, Reichthum, Ehre, ihn lockten nicht all' die Genüsse dieser Erde; auch die furchtbaren Leiden, die über ihn gekommen, ertrug er, erg den in den Willen des himmlischen Vaters. Er nnterdrückle sogar den Aufschrei des Schmerzes, den ihm des rohen Verwalters Peitsche gar oft verursachte; er seufzte nur und sprach: „Gepriesen sei der Name des Höchsten!" (Fors. folgt.) Hierzu zwei Beilagen. 3;ttCUHiUin'U4,t;hcoiuiutn cvi’Ui.imi. no im ve Jioui Mien ^>vsl)uchhon0tung. I. G oltsled < n's Buch- und Steiuiru<ke^ei .n IKunu.

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