Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 13 (1872)
- Issue
- Heft 38 (18.9.1872)
- Date
- 1872-09-18
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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807 mühevolles Leben führen, und um die Thora Dich bemühen; wenn Du also thun wirst, Heil Dir und wohl Dir, Heil Dir in dieser Welt und wohl Dir im Jenseits."" „Daß Eure Weisen für ein so kärgliches Leben auf Erden euch alle Wonnen des Paradieses verheißen, begreife ich recht gut; daß sie aber Brod und Salz und Wasser und ein Lager auf der Erde für das Heil in dieser Welt ausgeben können, das ist doch wohl ein Bischen zu stark." „„Gnädigster Herr! auch dieser Ausspruch der Weisen ist völlig wahr, wie Alles, was sie lehren. Alle Genüsse dieser Welt sind eitel und nichtig. Dem Armen scheint das Loos des Reichen überaus beneidenswerth; kömmt er aber selbst in den Besitz von Reichthümern, so wird er sehr bald gleichgiltig werden gegen all die Genüsse, die er vordem so heiß ersehnt hat? Wenn ich mich nur sättigen kann, ist es nicht gleichgiltig, ob diese Sättigung durch geringe Kost, oder durch die schmackhaftesten Speisen erreicht wird? Ja, das Uebermaaß der wohlschmeckenden gaumenreizenden Nahrungsmittel ist der Gesundheit viel nachtheiliger als die Ernährung durch geringe grobe Kost. Und schläft der fleißige, von der Anstrengung ermüdete Arbeiter nicht besser und süßer auf dem nackten Boden, als der träge Reiche, dq sjv schwellendes Lager gar häufig der Schlaf Äeyr?"" „Ich sehe. Du bist nicht empfänglich für dasjenige, was andere Menschen reizt; dennoch hoffe ich, daß Du meinen Vorschlägen wirst Folge leisten." „„Sprich mein Herr, Dein Knecht hört."" „Siehe, Samson, Fatima, meine einzige Tochter, ist mir das Liebste von allen meinen Kindern. Ihre einst heiß und innig von mir geliebte Mutter ist früh gestorben, und diese Tochter ist das einzige Andenken, das mir von ihr geblieben. Ich habe dieses Kind wohl zärtlicher geliebt, als es gut war; nie habe ich ihm einen Wunsch versagt. Gestern hat ein reicher und angesehener junger Emir um sie geworben. Da gestand sie mir unter Thränen, daß sie Dich liebe, Samson, und daß sie wünsche, Deine Gattin zu werden. Zwar wird es mir schwer, ihr diesen Wunsch zu befriedigen und einen freigelaffenen Sclaven zu meinem Schwieger- 'ohnc zu erheben. Allein, ich schätze die Vorzüge Demes hohen Geistes und Deines edlen Herzens. Bekenne Dich zur Religion Mohamed's; dann lasse ich Dich noch heute frei und empfehle Dich dem Sultan Saladin, der Männer von Deiner geistigen Begabung zu schätzen ^eiß. In kurzer Zeit schon wirst Du sicherlich ein hohes Amt am Hofe des Sultans bekleiden. Dann kehrst Du zu uns zurück, und Fatime wird Dein Weib." „„Gnädigster Herr, Deine Worte erfüllen mich mit tiefem Kunnner. Du bist so voll Güte gegen mich und ich muß, wenn ich Deine gütigen Vorschläge ablehne, Dir als ein Undankbarer erscheinen., Siehe, ich könnte Dich täuschen, ich könnte die dargebotene Freiheit annehmen, könnte mich an den Hof des Sultans begeben und von dort aus leicht Mittel und Wege finden, in die Heimath zu entfliehen Doch das sei fern von mir; ich werde Dich nicht täuschen und betrügen , sondern offen sage ich Dir, daß ich niemals cinwilligen werde, den Glauben meiner Väter zu verlassen. Du weißt, daß der König von Babylon einst Chananja, Mischael und Asarja zwingen wollte, vom Götte Israels abtrünnig zu werden; sie ließen sich lieber in die Flammen werfen, ehe sie den Wunsch des Königs erfüllten. Auch ich bin bereit zu sterben, wenn Du den Tod über mich verhängen solltest; meinem Gotte aber werde ich nie untreu werden."" „Und ist denn Dein Gott nicht auch der unsere? Haben wir nicht Alle einen Vater, hat uns nicht Alle ein Gott erschaffen?" „„Wohl, aber die Art und Weise der Anbetung ist verschieden, und ich werde meinem Gotte stets so dienen, wie Er es durch unseren Lehrer Moscheh befohlen hat." " „Wie, Sclave, Du wagst es, Dich meinem Wunsche zu widersetzen? So befehle ich Dir, Dich zum Islam zu bekennen! Ich bin Dein Herr, Dein Herr über Leben und Tod; ich kann Dich zertreten, wie man einen Wurm zertritt." „„Du kannst mich tödten. Herr, aber nicht zum Abfalle zwingen."" „So werde ich Dich tödten, Hund!" Zornfunkelnd zog der Emir seinen Dolch aus dem Gürtel und stürzte wüthend auf den ruhig dastehenden Rabbi zu. In diesem Augenblicke wurde ein Vorhang, der das Gemach des Emirs von einem Nebenzimmer ttennte, auf die Seite gezogen, und Fatime eilte herzu. „Vater," rief sie, „Vater, thuc ihm Nichts zu Leide." Als der Emir die Stimme seiner Tochter vernahm, stand er still, den blitzenden Dolch, der fast schon die Brust des Rabbi berührte, zurückziehend. Er steckte die blinkende Waffe wieder in seinen Gürtel und streckte dann die geballte Faust dem ruhig dastehenden Samson entgegen. „Jude," rief er mit vor Zorn erstickter Stimme, „Du wagst es, meinen Befehlen zu widerstreben!" „„Mein theurer, guter, gnädiger Herr,"" entgegncte Samson ruhig, „„müßtest Du mich nicht selber herachten, wenn ich um Geld und Gut und um e'ucs Weibes willen meinen Glauben verleugnen würde?""